Warum Amazon & Co. manchen Fachgeschäften nicht das Wasser reichen können

Es gibt Läden, denen kann Amazon & Co. keine Konkurrenz machen –  auch wenn sie alles bequem per Post ins Haus liefern. Weil man in manche Geschäfte gerne und jahrelang immer wieder hingeht, nett mit dem Ladenbesitzer plaudert, immer etwas Neues entdeckt, dem man gar nicht widerstehen will und selbst auf der Suche nach einem Geschenk für ein schwieriges Geburtstagskind fündig wird. Allein weil die Beratung dort so gut ist und man vielleicht die Stammverkäufer oder den Besitzer schon länger kennt.

 

Für mich ist so ein Laden – das ist ausnahmsweise mal recht persönlich – zum Beispiel Mytho in Düsseldorf. Der Laden, der zwar mit Dingen handelt, die in erster Linie Frauen glücklich machen wie Accessoires, Schuhe und Modeschmuck. Aber kurz vor Weihnachten schneien die Männer der Stammkundinnen alleine herein und der Besitzer, Herr Fürstenberg, sucht ihnen treffsicher und schnell heraus, was sie ihrer Frau unter den Weihnachtsbaum legen können. Denn klar ist: stehen muss es den Frauen ja auch noch, nicht nur gefallen. Das kann Amazon & Co. nämlich auch nicht liefern: Stilberatung.

Axel Fürstenberg von Mytho

Axel Fürstenberg von Mytho

 

„Kunden werden nicht auf ihre Kreditkartennummer reduziert“

Auch Martin Ruppmann, Chef des Kosmetikverbands VKE, sieht das so: „Fachhandel hat viel mit Wohlfühlen zu tun. Man begibt sich bewusst in die Hände des Verkaufspersonals und sucht den direkten Kontakt zu fremden Menschen“, sagt er. Und weiter: „Wer in ein Fachgeschäft geht, wird – anders als beim Online-Kauf – nicht auf LogIn beziehungsweise eine Kreditkartennummer  reduziert. Dann muss es passen – heiße Beratungs-Luft, mangelnde Sachkenntnis und kleinkarierte Atmosphäre sind dann absolute NoGos.“

Martin Ruppmann, Chef des Kosmetikverbands VKE

Martin Ruppmann, Chef des Kosmetikverbands VKE

 

Ganz abgesehen davon, wie oft man bei einem Online-Kauf nicht weiterkommt und abbrechen muss, weil irgendwelche Zweifel aufkommen, aber man eben niemand fragen kann.

 

Manchen Fachgeschäften wird das Internet immer unterlegen sein, wenn persönlicher Service und Flexibilität entscheiden. Denn das ist höchst individuell ist und noch lange nicht jeder Fall mit Online-Masken erfassbar. Ich habe noch so ein Beispiel auf Lager: Ein kleines Düsseldorfer Sportgeschäft, dem  – für  mich – kein noch so hipp und hopp anmutender Sportshop den Rang abläuft. Ganz abgesehen davon, dass man in denen sowieso das Personal zwecks Beratung sowieso mit der Lupe suchen kann. Ich meine das Sportgeschäft Thelen auf der Birkenstrasse in Flingern. Ein Geschäft in nicht wirklicher Top-Lage, mit Parkplatznot und relativ weit ab vom Einsatzort seiner Kernkompetenz: den Hockey-Schlägern, Hockey-Klamotten und -Schuhen. Einmal quer durch die ganze Stadt und dann nochmal über den Rhein erst liegt der DHC, der Hockeyclub. https://www.youtube.com/watch?v=tuTVGjZea3o

 

Kein PC sagt, welcher Hockeyschläger zu lang ist für den Spieler

Und trotzdem knubbeln sich Samstagsvormittags Hockey-Spieler und Hockey-Eltern im Laden und sie warten geduldig, bis die Eheleute Hartmann Zeit haben, sie zu beraten und mit ihnen auszusuchen. Denn ob der Schläger zu kurz oder zu lang ist für den Spieler oder ob ein Kinderschuh auch passt, erzählt einem kein PC. Oder so: Wenn die Kinder einer berufstätigen Mutter unter der Woche auch mal alleine ein Sportdress einkaufen gehen müssen und Frau Hartmann lieber erst bei der Mama im Büro anruft und nochmal ein Detail nachfragt, ehe etwas schief geht. Sicherheitshalber.

Die „Rheinische Post“ hat den Besitzern von Sport Thelen denn auch einen großen Artikel gewidmet.
sportthelen

 

Produktinfos kann man auch alleine ablesen

Schade nur, wenn die Mitarbeiter im Fachhandel selbst keine Ahnung von den Produkten haben und den staunenden Kunden nur Produktinfos vorlesen, die sie auch ebensogut selbst ablesen könnten. Das wird dann Party-Thema – auch wenn ich hier jetzt nicht aufschreibe, von welchem Elektronikmarkt genau das erzählt wurde.  Es muss schließlich nicht repräsentativ gewesen, sondern kann auch ein Anfänger-Verkäufer gewesen sein.

 

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Alle Kommentare [1]

  1. Wer es bisher noch nicht kapiert, der müsste spätestens nach dem Lesen dieses Bloggs mit Nachdruck sagen: Ja, so ist es! Retouren nach einer kompetent einfach Beratungen sind höchst selten, Retouren im Versandhandel liegen bei über 50 %. Das ist ein Armutszeugnis, dessen volkswirtschaftlichen Kosten niemand so richtig erfasst und beachtet.