Und Frauen wollen doch die Quote, belegt eine neue Kienbaum-Umfrage zur Geschlechtergleichstellung in öffentlichen Unternehmen. Gastbeitrag von Monika Berane und Martin von Hören von Kienbaum über ihre Kienbaum-Studie zur Frauequote in öffentlichen Unternehmen.
Heute ist Deadline: Bis 30. September 2015 müssen rund 3.500 private und öffentliche Unternehmen Zielvorgaben für den Frauenanteil in ihren oberen Managementebenen formulieren.
Höchste Zeit für uns, einmal nachzufragen: Wie bewerten Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsräte öffentlicher Unternehmen diese Zielvorgaben, und wie ist es um ihre Umsetzung bestellt? Unsere Kienbaum-Umfrage zeigt: Das Gesetz zur Frauenquote spaltet das Top-Management; die Befürworter überwiegen die Kritiker nur leicht. Aufsichtsräte und Eignervertreter bewerten das Gesetz mehrheitlich positiv, Vorstände und Geschäftsführer sind insgesamt deutlich skeptischer.
Das Interessante dabei: Obwohl gelegentlich anderes behauptet wird, sehen die Frauen selbst die Zielquoten ganz überwiegend positiv.
Klare Fronten für und wider die Quote
Drei Viertel der Frauen und zwei Drittel der befragten Aufsichtsräte in öffentlichen Unternehmen halten die Quote für sinnvoll. Nur 33 Prozent der Männer und 39 Prozent der Geschäftsleiter sind für die Quote. Und auch insgesamt steht das Management öffentlicher Unternehmen der Formulierung von Zielquoten geteilt gegenüber: 43 Prozent aller Befragten halten diese Verpflichtung für sinnvoll, 22 Prozent stehen ihr neutral gegenüber und 35 Prozent lehnen sie ab.
Dass Zielquoten, an denen sich die Unternehmen in zwei Jahren messen lassen müssen, von vielen Akteuren immer noch skeptisch gesehen werden, hat einen einfachen Grund: Zu niedrig ist bisher der Frauenanteil auf nachrückenden Führungsebenen. In der Hälfte der befragten Unternehmen liegt der Frauenanteil auf der ersten und zweiten Berichtsebene bei 20 Prozent und niedriger.
Auf der Ebene der Geschäftsleitung sieht es noch dramatischer aus.
Doch ganz gleich wie die neue gesetzliche Regelung beurteilt wird: Die Unternehmen müssen mit ihr umgehen. Angesichts des Umsetzungsdrucks müssen – soweit noch nicht geschehen – die Firmen dazu übergehen, realistische Zielquoten zu formulieren und gestaffelte Maßnahmenpläne zur Zielerreichung auf den verschiedenen Ebenen zu implementieren.
Die Basis für das Erreichen der Zielquoten fehlt oft
Den Unternehmen fehlen häufig die Netzwerke, um qualifizierte Frauen zu finden, die vielleicht abseits der Konzerne und bekannten Mittelständler Karriere gemacht haben. Um den Frauenanteil in Top-Positionen zu erhöhen, setzen deshalb immer mehr öffentliche Unternehmen auf externe Unterstützung: 40 Prozent der befragten Unternehmen wollen Frauen für Geschäftsführerpositionen mit Hilfe von Personalberatern besetzen.
Ein Viertel der Unternehmen beauftragt externe Berater, um geeignete Frauen für Aufsichtsratspositionen zu rekrutieren. Die Förderung interner Potenziale unter anderem durch Schaffen beziehungsweise Verbessern familienfreundlicherer Arbeitsbedingungen ist – so auch die mehrheitliche Sicht der Befragten – nur ein mittelfristig wirkender Hebel zur nachhaltigen Erhöhung des Frauenanteils. Sie muss vielmehr bereits beim Gewinnen und Entwickeln von Fach- und unteren Führungskräften beginnen.
In zwei bis fünf Jahren werden die meisten Firmen die Quote erfüllen
Das Gesetz schreibt nur für rund 100 Konzerne eine feste Quote von 30 Prozent vor. Trotzdem werden nach unserer Kienbaum-Studie öffentliche Unternehmen voraussichtlich Zielquoten von 30 bis 35 Prozent formulieren; jedes vierte Unternehmen strebt sogar Quoten von 50 Prozent an.
Skeptischer sind die Unternehmen beim Tempo der Umsetzung: Etwa drei Viertel der Unternehmen gehen davon aus, dass sie erst in den kommenden zwei bis fünf Jahren die Quote von 30 Prozent erreichen. Bei 19 Prozent der Unternehmen sind auf Anteilseignerseite bereits heute genügend Frauen im Aufsichtsrat präsent, auf Arbeitnehmerseite ist dies in 14 Prozent der Firmen der Fall.
Fazit: Führungsstrukturen werden sich ändern
Unter dem Strich bleibt bei aller, teils nachvollziehbarer, Kritik an der Regulierung keine Wahl: Die Kombination aus Verpflichtung zur Zielquoten-Festlegung und öffentlicher Beobachtung wird ihre Wirkung entfalten.
Es bleibt ohnehin nur die eine Option: die Verpflichtung als Chance zu ergreifen. Wenn sich die Unternehmen aktiv für mehr Frauen in Führungspositionen einsetzen und entsprechend handeln, werden alle Seiten profitieren: auf der einen Seite die Frauen, die nun auch bessere Karrierechancen in öffentlichen Unternehmen erhalten. Und auf der anderen Seite die Unternehmen insgesamt, die durch den weiblichen Faktor in ihrer Führungskultur bereichert und so auch für junge qualifizierte Frauen attraktivere Arbeitgeber werden.
Zu den Autoren:
Monika Berane, Vice President bei Kienbaum Executive Consultants, ist als Personalberaterin spezialisiert auf die Suche und Auswahl von Frauen für Führungspositionen.
Martin von Hören, Mitglied der Geschäftsleitung und Partner bei Kienbaum Management Consultants, berät den öffentlichen Sektor insbesondere im Compensation & Performance Management.


