Die Toilettenpapierrolle verrät das Betriebsklima

Ausnahmsweise mache ich nochmal auf einen Klassiker im Management-Blog aufmerksam, der damals noch bei handelsblatt.com erschien und deshalb etlichen Lesern damals nicht auffallen konnte:

Was die Toilette mit dem Betriebsklima zu tun hat

Ersterscheinungsdatum: 6. März 2008

 

toilettenpapierrolle

 

Keller sind Orte der Wahrheit, sagen Makler gern bei Hausbesichtigungen. Schimmelige Kellerwände sind nämlich ein K.O.-Argument für Kaufinteressenten.

In Firmen dagegen gibt es andere Orte der Wahrheit. Räume, in denen man Rückschlüsse ziehen kann über den wahren Zustand eines Unternehmens sowie über das Betriebsklima: die Toiletten.

Findet man unreparierte Teile vor wie zum Beispiel den eingebauten Seifenspender – und der ist Monate später womöglich immer noch defekt-, so ist das kein gutes Zeichen.

Hat die Firma sich selbst schon aufgegeben? Kümmert sich denn niemand? Irgendwie schon. Vermutlich ist kein Geld da für eine Reparatur zu vergleichsweise geringen Kosten. Oder: Es ist kaum Geld da und das schon gar nicht für so profane Erhaltungs- und Pflegemaßnahmen.

 

Kein Vorzeige-Raum wie der Empfang

Zumal für eine Reparatur, von der – so scheint es auf ersten Blick – nur die Mitarbeiter etwas haben. Und die scheinen es der Firma auch nicht wert zu sein. Geht es doch nur um die Reparatur eines Teils, das gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. Eine Reparatur vor allem von einem Gegenstand, der nicht zur Fassade gehört und nicht für den ersten Eindruck der Besucher zuständig ist. Er gehört nicht zur Glamourfassade, sondern ist eben hinter den Kulissen. Das ist die eine Seite.

 

Der Spiegel für die Rücksichtnahme der Mitarbeiter untereinander

Die andere Seite sind die Benutzer, die Mitarbeiter. Auch die hinterlassen Zeichen – hinter der Kabinentür. Ist die Toiletten-Papierrolle verbraucht bis auf die braune Papprolle und auf dem Spülkasten steht demonstrativ schon angebrochen die neue Rolle, so hat zumindest der letzte Toilettenbesucher nur wenig Team- oder Verantwortungsgefühl. Geschweige denn so etwas wie Fürsorglichkeit. Derjenige, der das letzte Blatt verbraucht hat, dem sind die nachfolgenden WC-Nutzer schlicht egal. Warum soll ausgerechnet er die alte Rolle abziehen und die neue Rolle anbringen? Soll sich doch ein anderer die Mühe machen.

 

Die leeren Rollen sprechen Bände

Einen Tiefstpunkt hat das Betriebsklima erreicht, wenn man dieses Bild vorfindet: Die Rolle in der Halterung ist aufgebraucht und – jetzt kommt´s – auch die Rolle auf dem Spülkasten ist schon zur Hälfte weg. Dieses Bild spricht nämlich folgende Sprache: Zehn oder mehr Leute waren auf dieser Toilette, fanden die leere Rolle in der Halterung vor, suchten und fanden die Ersatz-Rolle, benutzen sie – ließen sie aber schnöde da stehen: auf dem Spülkasten an dem Platz, wo sie nicht hingehört. Weil die Geste, die leere Rolle auszuwechseln, nicht ihnen selbst zugute kommt, sondern dem Nächsten, der die Toilette nutzt. Der x-beliebige Kollege. Für den sind anscheinend zwei Handgriffe schon zuviel.

 

Haltung gegenüber dem Brötchengeber

So wenig schätzen die Mitarbeiter den gemeinen Kollegen wert, den Durchschnittskollegen – denn man weiß schließlich nicht, wer als nächster kommt. So wenig Verantwortungsgefühl haben diese zehn oder mehr Mitarbeiter gegenüber den Kollegen – und gegenüber ihrem Brötchengeber. Denn schließlich kann der ja auch nicht stündlich nachsehen lassen, ob denn auch noch genug Papier auf der Toilettenpapierrolle in der Halterung ist. Merkwürdig, dass so viele Leute so sehr geizen mit zwei, drei Handgriffen in einem Moment, in dem sie ohnehin tatenlos herumsitzen.

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