Vorstandschefs: Jeder fünfte CEO wurde vom Hof gejagt – mindestens

Ausgestiegen Vorstandschefs sind jung wie nie: sie verlieren ihren Chefsessel im Schnitt mit 56 Jahren, zeigt eine Studie von Strategy&. Definitiv unfreiwillig räumten 22 Prozent der Unternehmenslenker ihren Posten, vermutlich weit mehr.

 

Gut jeder fünfte Vorstandsvorsitzende musste im vergangenen Jahr – unfreiwillig oder ungeplant – seinen Posten räumen. Sogar mit Tendenz zu jedem vierten: 22 Prozent errechnete die Unternehmensberatung Strategy& (ehemals Booz & Company) bei einer Analyse von 300 börsennotierten Unternehmen im deutschsprachigen Raum, also für Deutschland, Österreich und Schweiz.

 

Klaus-Peter Gushurst, Sprecher der Geschäftsführung der Unternehmensberatung Strategy& (zuvor Booz)

Klaus-Peter Gushurst, Sprecher der Geschäftsführung der Unternehmensberatung Strategy& (zuvor Booz & Company)

Die Umfrage im Detail: Jeder zehnte Vorstands-Kapitän musste seinen Hut nehmen, weil er gescheitert war. Hierzu zählen Fälle mit schwierigen wirtschaftlichen Situationen wie Roland Koch beim Baukonzern Bilfinger, der nach mehreren Gewinnwarnungen zurücktreten musste. In anderen Fällen war das Vertrauen in die Fähigkeiten des Vorstandschefs verloren gegangen, einen Kurswechsel im Unternehmen zu schaffen. Auch wenn der Vorstandschef eine Strafanzeige wegen einem Vorfall im Job oder einen Compliance-Fall  am Hals hat, kann er deshalb oft nicht länger im Amt bleiben. Weitere zwölf Prozent mussten ihr Unternehmen verlassen, weil es übernommen wurde oder fusioniert hatte.

 

 

Wenn die Company den Vertrag nicht verlängert

Des Weiteren: 78 Prozent der Vorstandschefs verschwanden von der Bildfläche, weil sie entweder die Altersgrenze erreichten oder ihre Verträge ausliefen – und gelten bei Strategy& damit als geplante Wechsel. Selbst wenn ein Top-Manager bei einer Fusion oder Übernahme eine Change-of-Control-Klausel – das ist eine Ausstiegsklausel mit einem Wahlrecht – nutzen kann wie René Obermann: Er war erst wenige Wochen beim niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo, als der US-Riese Liberty Global das Unternehmen übernahm. Der Ex-Telekom-Chef entschied sich, die vertraglich vereinbarte Abfindung zu wählen und war ruckzuck wieder draußen – aber eben nicht geplant.  http://www.wiwo.de/erfolg/management/wenn-sich-die-vorzeichen-aendern-ausstiegsklauseln-in-manager-vertraegen/9405552-all.html

 

Im Schnitt 56 Jahre jung beim Ausstieg

Jedoch: Wenn ein Unternehmen den Vertrag mit seinem Vorstandschef nicht verlängert, bedeutet das ja noch lange nicht, dass der Kandidat nicht tatsächlich gerne auf seinem Posten geblieben und eine Verlängerung freudig unterschrieben hätte. Hierfür spricht insbesondere ihr Alter: Die Vorstandschefs waren laut Strategy&-Studie beim Ausscheiden aus ihrem Amt im Schnitt erst 56 Jahre alt und damit relativ jung. Also keine Rede davon, dass die meisten wegen einer Altersgrenze aussteigen würden.

Hinzukommt, dass die Vertragslaufzeiten von Vorständen in der Tendenz immer weiter gesunken sind und meist nur noch drei Jahre betragen – früher lag diese noch bei fünf Jahren.

 

Durchschnitts-Verweildauer der CEO´s: Sechs Jahre

Im Schnitt ist ein Vorstandschef heute nur noch sechs Jahre auf seinem Posten, belegt die Strategy&-Studie. Eine Schätzung, wie viele von den relativ jungen Vorstandschefs, deren Verträge einfach ausliefen, lieber verlängert hätten, gibt die Strategy&-Studie leider nicht her.

 

Weltweit nur fünf Prozent weibliche CEO´s

Ein interessantes Randergebnis der Studie: Weltweit gibt es bei den 2500 größten börsennotierten Unternehmen nur fünf Prozent Vorstandschefinnen. „Eine ernüchterne Zahl“, wie Klaus-Peter Gushurst, Partner und Sprecher der Geschäftsführung bei Strategy& findet. Obendrein verlieren Frauen auch öfter ihren CEO-Posten: sind es bei den Männern in den vergangenen elf Jahren 25 Prozent, so sind es bei den Frauen 32 Prozent – bei vergleichbaren Profilen.

 

Höllenjob Vorstand:  http://www.wiwo.de/erfolg/management/einsame-spitze-hoellenjob-vorstand/11336286.html

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