BBC-Gastbeitrag zum Frauentag: Interview mit US-Korrespondentin Katty Kay von BBC zum Weltfrauentag – „Ruhig mal unbequem werden“

 

BBC World News hat für den Internationalen Frauentag am 8. März seine
Reporterinnen und Moderatorinnen befragt: Was die wichtigen Themen für Frauen in ihrer Region sind, welche Frau sie inspiriert  und welchen Rat sie einer 20-Jährigen geben würden. Hier als Gastbeitrag das Interview mit Katty Kay, US-Korrespondentin und Anchorwoman von World News America.

Hier der Link zu den Youtube-Videos: https://www.youtube.com/watch?v=4RQRVXruKbY

 

Katty Kay von BBC World News

Anchorwoman  Katty Kay von BBC World News

Aus welchen Orten haben Sie dieses Jahr bereits berichtet?

Hauptsächlich aus den USA, weil ich in Washington lebe, aber ich war vor kurzem auch in Brasilien, Mexiko und Kanada, also vorwiegend in Amerika.

 

Was sind die größten Probleme, die Frauen dort haben?

In den USA wird momentan viel über das Thema gleiche Arbeit gegen gleiche Bezahlung diskutiert. Frauen werden für gleich viel Arbeit schlechter bezahlt als Männer, obwohl Frauen oft eine bessere Ausbildung haben als Männer.

Verrückt, oder? Frauen haben mehr Universitätsabschlüsse als Männer und mehr Doktortitel als Männer, und trotzdem verdienen sie scheinbar weniger und kommen nicht so weit, wie es eigentlich angemessen wäre. Es gibt noch immer wenige Frauen in Führungspositionen und nicht genug Vielfalt in der Chefetage, egal ob in der Politik, in den Medien oder in Unternehmen.Amerika hat momentan weniger ein Bildungsproblem, es ist mehr eine Frage von Strukturen und Institutionen und, warum Frauen nicht mehr erreichen. Warum wir nicht das erreichen, was wir erreichen sollten.

 

Welche Frauen haben Sie bisher getroffen, die Sie wirklich inspiriert haben?

Ich habe dieses Jahr zwei Mal Christine Lagarde interviewt. Eine fantastische Frau. Sehr selbstbewusst. Ich habe sie in unserem Interview auch zum Thema Selbstbewusstsein befragt. Sie ist sehr gut in dem, was sie macht und sehr offen. Sie hat mir erzählt, dass sie ganz tief in ihrem Innern nach ihrem Selbstbewusstsein suchen muss, bevor sie sich mit Finanzministern trifft. Und ich dachte, nicht viele Männer wären selbstbewusst genug, um so etwas offen zuzugeben.

Das wirklich Erstaunliche an ihr ist aber, dass sie auch sehr authentisch wirkt, sehr zugänglich und warm. Man kann locker mit ihr plaudern.  Sie ist ganz bodenständig und braucht überhaupt kein großes Tamtam. Ich habe mich viel mit dem Thema Selbstbewusstsein beschäftigt und mit der Frage, ob sich Nettigkeit und Selbstbewusstsein gegenseitig ausschließen. Sie sagte, Frauen müssen vor allem authentisch sein, sie müssen so sein wie sie sind, und ihre Fähigkeiten erkennen, ohne sich wie ein Mann zu verhalten. Ich glaube, das ist für Frauen eine sehr wichtige Lektion.

 

Welchen Rat würden Sie einer 20-Jährigen geben?

Ich würde ihr raten,  sich nicht so viele Gedanken darüber zu machen, was andere von ihr halten. Sie sollte auch mal unbequem werden.  Und auch mal Fehler machen, schließlich muss man nicht in allem perfekt sein. Fehler machen ist völlig okay. Niederlagen sind nichts Schlimmes. Und es ist auch in Ordnung, nervös zu sein. Wenn man nie nervös wäre, wäre man ein Roboter. Aber wir sind keine Roboter, sondern Menschen.

Ich glaube, ich habe in jungen Jahren viel Zeit damit verbracht zu glauben, dass ich unglaublich selbstbewusst sein und immer über den Dingen stehen muss. Ich war ständig damit beschäftigt, die Karriereleiter empor zu klettern, obwohl ich wusste, dass das für mich der falsche Weg ist. Es machte mich nicht besonders glücklich und ich, wenn ich damals schon an das hätte glauben können, was ich mir eigentlich wünschte, und was zu mir passt, um einiges glücklicher gewesen wäre. Und vermutlich wäre ich damit auch erfolgreicher gewesen.

 

Welche Tipps haben Sie für angehende Journalistinnen?

Sie müssen Risiken eingehen. Sie müssen sich selbst dann auf Dinge bewerben, für die sie sich nicht gut oder erfahren genug halten. Sie müssen sich präsentieren können und sie müssen einen Teil Ihrer Persönlichkeit offenlegen.

Das, was gute Journalisten von mittelmäßigen unterscheidet – egal ob für Zeitungen oder Fernsehen – ist, wie sehr sie bereit sind, etwas von sich selbst zu zeigen, etwas zu riskieren, ihre Persönlichkeit offenzulegen. Frauen haben davor oft zu viel Angst. Ich glaube dennoch, dass es ein Unterschied ist, ob jemand eine Geschichte authentisch erzählt und sie menschlich werden lässt oder sich nur auf die Fakten beschränkt.

 

 

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