Naujoks in New York (VI): 30 Zentimeter Schnee sorgen für -zig Sportgeräte

Naujoks in New York (VI)

Für drei Monate ist Stephan Naujoks, 49, CEO und Co-Gründer des Kieler Start-ups Snapmobl, in New York über das German Accelerator Programm. Snap­mobl transformiert Webseiten von Kleinunternehmen vollautomatisch in Smartphone-optimierte Varianten.  Snapmobl vermarktet diese Lösung seit einem knappen Jahr und hat seitdem rund 4.500 Webseiten transformiert .

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Selfie Stephan Naujoks im Big Apple - Januar 2015

Selfie Stephan Naujoks im Big Apple

 

Was Snapmobl macht

Wir haben in der vergangenen Woche einen riesigen Schritt gemacht, snapmobl in den amerikanischen Markt zu bringen. Damit verständlich wird, was wir getan haben und welche Ergebnisse wir erzielt haben, beantworte ich vorher die Frage: Was genau macht snapmobl?

Snapmobl transformiert vollautomatisch Webseiten in mobile Webseiten. Eine Minute nach Eingabe der Webadresse erhält man die fertige mobile Webseite, die auf eine möglichst einfache Kontaktaufnahme wie Anruf oder Besuch ausgerichtet ist, also perfekt geeignet für Kleinunternehmen mit Laufkundschaft wie Restaurants, Friseure, Zahnärzte undsoweiter.

 

Zum einen haben wir die Direktvermarktung über Google Adwords in den USA gestartet. Test drei Tage, 197 mal wurde unsere Anzeige geklickt, 95 mal wurde eine Webseite mit unserem System transformiert. Das sind 48 Prozent – sensationell!

 

Schnelles Erfolgserlebnis – oder der Kunde ist gleich wieder weg

Nicht sensationell war jedoch die Ausbeute der zahlenden Kunden. Die Analyse zeigte, dass zu wenige der transformierten Webseiten online gestellt wurden. Erkenntnis aus zahlreichen Kundeninterviews: Der Einstieg, um seine Webseite anzupassen, war nicht klar genug, der Benutzer fühlte sich zu wenig geführt. Dabei habe ich den Ausdruck „quick to wow“ gelernt: Es muss ganz schnell gehen, dem Kunden ein besonderes Erfolgserlebnis zu geben. Vergeht dahin zu viel Zeit, ist der Kunde gleich wieder weg.

 

Um das zu lösen, haben wir eine neue Benutzerführung konzipiert, die nun bis nächste Woche umgesetzt wird. Und dann sind wir gespannt auf die Kundenreaktionen.

 

Lange Kundeninterviews

Interessant ist die Definition der Mentoren für Kundeninterview: Da in den USA ja alles kurz und knapp erledigt wird, war ich auf ein einminütiges Telefonat vorbereitet. Es sollten jedoch persönliche Gespräche werden, die auch gern länger als eine halbe Stunde dauern können.

 

Im Hinblick auf das Ergebnis wurde klar: In den Gesprächen sollen alle Annahmen des Businessplans verifiziert werden. Zum Beispiel muss ich erfahren, wo sich ein Friseur über neue Lösungen für sein Geschäft informiert. Und damit das kein Verhör nach Checkliste wird, muss sich eine entspannte Plauderei entwickeln.

 

Das Ergebnis ist verblüffend: Unser Business Model Canvas ist nach einer Woche nicht mehr wiederzuerkennen. Aber das scheint normal zu sein, denn es wird ein wöchentliches Update des Dokuments erwartet.

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Das ist ein deutlicher Unterschied zum Stellenwert des Businessplans wie ich ihn kenne: Bei uns wird detailliert geplant und dann der Fokus auf die Ausführung des Plans gesetzt. Der Nachteil des Systems leuchtet mir ein: Bei einem Start-up mit einem innovativen Produkt gibt es kaum Erfahrungswerte. Der gesamte Businessplan basiert auf Annahmen. Deshalb ist es ein hohes Risiko, zum Beispiel auf Basis einer Umsatzplanung, die nur auf Annahmen beruht, Personal einzustellen. Kommt es dann zu Abweichungen oder Verzögerungen, laufen die Kosten davon.

 

Der Ansatz des Lean Startup geht davon aus, im ersten Schritt das Businessmodell zu validieren bis sichergestellt ist, alle Parameter für eine erfolgreiche Skalierung des Geschäftsmodell zu kennen. Bis zu diesem Punkt werden die Kosten auf einem absoluten Minimum gehalten, um genügend Zeit für die Validierung zur Verfügung zu haben.

 

Nur ausgeben, was eingenommen wurde

„Eat what you can kill“ heisst hier das Motto in dieser Phase. Sprich: Es wird nur das Geld ausgegeben, das auch eingenommen wurde. Und damit werden die Auswirkungen von falschen Annahmen und damit das Risiko für das Unternehmen und seine Investoren auf ein Minimum beschränkt.

 

Erst im zweiten Schritt werden dann Personalressourcen aufgebaut und richtig in den Unternehmensaufbau investiert. Dabei heißt es „klotzen statt kleckern“, um sich schnellstmöglich Marktanteile zu sichern.

 

 Wie Flexibilität beim U-Bahn-Fahrplan funktioniert

Diese Flexibilität als Grundlage allen Handelns fällt mir  in den USA in vielen anderen Bereichen auf: Beispielsweise die U-Bahn. Es gibt keinen Fahrplan, sondern es heisst „alle zwei Minuten“ oder „alle zehn Minuten“.  Zu den Stosszeiten werden dann ab einem bestimmten Punkt weitere Haltestellen ausgelassen. Wer zu einer der ausgelassenen Haltestellen möchte, steigt aus und nimmt den nächsten Zug. Das ist ein sehr wirkungsvolles System und ich habe nicht das Gefühl, dass ich lange warten muss. Anders als bei uns, wo ein detaillierter Fahrplan gilt, der dann nicht eingehalten wird und man schon bei zwei Minuten Verspätung das Gefühl hat, zu lange warten zu müssen.

 

Genauso erstaunt nehme ich das Wochenendabo von Zeitungen wahr: Auch in den USA müssen die Zeitungen um jeden Leser kämpfen. Wenn der Leser jedoch nur am Wochenende bereit ist, die Zeitungslektüre geniessen zu wollen, bietet man das halt genauso an.

 

Außerhalb der Arbeit war das Highlight der Schneeblizzard – der keiner war: Am Dienstag blieben die Schulen und Büros geschlossen. Ich habe bisher keinen Moment in New York kennengelernt, an dem so wenige Läden und Restaurants geöffnet waren. Die Straßen waren leergefegt. Selbst ein Sonntag morgen bei Regen bietet mehr.

 

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Da strahlender Sonnenschein war, habe ich mein Home-Office mittags für einen Spaziergang zum Central Park verlassen. Da war dann allerdings richtig was los: Da nicht nur die Kinder sondern auch die Eltern frei hatten, waren alle Abhänge mit Schlittenfahrern bevölkert.

 

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Und ich war erstaunt, welche Sportgeräte diese 30 Zentimeter Schnee hervorbrachten: Ski-Langläufer. Sogar einen Herrn mit Abfahrtski – er benötigte leider zu viel Zeit zum Anziehen der Skischuhe, so konnte ich nicht verfolgen, welche Abfahrt er sich hinunterstürzte. Schneeschuhe! Und einen Kiter, der sich mit Skiern vom Kite ziehen lassen wollte. Leider zu wenig Wind…

 

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Auf den Straßen wurde das Parken wegen des zusammengeschobenen Schnees zur echten Herausforderung – vor allem, weil es in New York keine Winterreifen sondern nur Ganzjahresreifen gibt.

Dieser SUV-Besitzer brauchte sich keine Sorgen zu machen: Solche freien Parkplätze auf zusammengeschobenem Schnee gab es reichlich.

 

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Nach wie vor habe ich viele Dinge auf der To-Do-Liste, die ich mit Deutschland telefonisch abstimmen muss. Um die Kosten gering zu halten, nutze ich hauptsächlich Skype und Google Hangout. Und ich verzweifle an der Gesprächsqualität: Der Rekord waren gestern sechs Abbrüche bei einem Zwölf-Minuten-Telefonat. Hier mal ein typisches Gesprächsprotokoll:

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