Ein Wiener-Schnitzel-Teller mit Burkhard Schulte: Täglich frühstücken mit der Führungscrew

Bei Burkhard Schulte gibt es keine Meetings. Stattdessen trifft sich der Chef der Steakmanufaktur Schulte + Sohn jeden Morgen mit seinen fünf Führungskräften zum Frühstück. Mal gibt´s Roastbeef, mal Omelette, mal Lachs, schwärmt er. Zubereitet vom Koch der firmeneigenen Kantine, dem 130-Mann-Betrieb in Mönchengladbach-Güdderath. Dasselbe dann am Mittag: Schulte und seine Manager essen zusammen und dabei besprechen sie eben gleich alles, was anliegt. „Nichts verbindet mehr als gemeinsames Essen“, findet er.

 

Lebensfreude auch im Job

Sein Motto: Meine „Firma soll Lebensfreude ausstrahlen und nicht nur aussehen wie eine Fleischfabrik.“ Ursprünglich wollte Schulte ja auch Designer oder Innenarchitekt werden und deshalb sind in seiner Fabrik überall knallbunte Wände – mal in orange, mal in knallblau oder gelb. An den Wänden sind Drucke im Andy-Warhol-Stil und Bilder, die seine Mutter selbst gemalt hat. Schon vor fünf Jahren, als ich im „Handelsblatt“ über das Familienunternehmen Schulte + Sohn berichtete, sagte er mir selbstbewusst: „Als Designer wäre ich nur Durchschnitt geworden, aber in der Fleischwarenbranche ist mein Marketing der Knaller.“ Und dafür wird er auch bewundert, zum Beispiel von Fischer-Appelt-Geschäftsführer Frank Behrendt, der die Fabrik „cool“ findet und dass sie eher wie eine Werbeagentur aussieht.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/familienunternehmen-schulte-sohn-steaks-online-per-post/3263196.html

Burkhard Schulte

Burkhard Schulte, Inhaber von Schulte + Sohn und Gourmetfleisch.de

 

Die Wurzeln waren die Rheydter Stadtmetzgerei

Schon optisch kommt Schulte anders daher als andere Unternehmer: mit seinem dunkelblauer Strickpulli auf den Schultern geknotet, dem Streifenhemd über der Jeans und seinem Schlauchschal mitten im Juni. Da sitzt er in einem Sofa im Zin Zin in Düsseldorf, dem Restaurant gleich neben dem Interconti auf der Kö. Und noch bevor wir uns setzen, rennt  der Temperamentbolzen nochmal schnell halsüberkopf wieder raus, um seine Parkuhr zu füttern. Schließlich kommt er gerade aus Mönchengladbach, der Stadt  mit 17 Autobahnausfahrten. Zu der gehört auch Rheydt, dem Teil, wo Schultes Urgroßeltern schon 1904 die Stadtmetzgerei gegründet hatten. Heute beliefert Schulte & Sohn – das Unternehmen sitzt in Güdderath – unter dem Erfolgs-Label „Weber“ die Metro, Edeka, Rewe und Real. Nebenbei hat er in den vergangenen Jahren den Frischfleisch-Onlineversand Gourmetfleisch.de aufgebaut

 

Historische Stadtmetzgerei Schulte + Sohn

Historische Stadtmetzgerei Schulte + Sohn, die 1904 in Rheydt gegründet wurde

 

Schon scharf auf die Tüte

Der Onlineversand Gourmetfleisch ist Schultes großer Stolz: „Wir sind ganz transparent, wir nennen die Züchter und das sorgt für Vertrauen“, sagt er. 40.000 Kunden habe er inzwischen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden und 130 Steak-Abos. Seinen neuen Katalog hat er auch gleich mitgebracht. „Ich würde am liebsten neben jedem Kunden stehen, wenn er sein bestelltes Fleisch-Paket erhält“, sprudelt er. Wer den Karton bekommt, der müsse begeistert sein. Der Kunde soll „scharf drauf sein, die Tüte im Kühlschrank zu haben – dann diskutiert auch keiner mehr über den Preis.“

 

Nie Olivenöl, immer nur gußeiserne Pfannen

Ausserdem würde Schulte am liebsten jedem einzelnen seiner Kunden beim Zubereiten assitieren, sagt er. Weil so viele Fehlerquellen drohen. Das Fleisch muss immer eine Stunde vorm Zubereiten bei Zimmertemperatur lahgern. Nie mit Olivenöl braten, immer nur mit Rapsöl, Butter oder Schmalz. Oder: Immer eine gußeiserne Pfanne nehmen statt einem Teflonmodell. Beim Grillen ist die Fehlerquote dann geringer. Aber man kann es immer noch zu oft wenden, zu lang oder zu kurz grillen oder bei falscher Temperatur.

schultemitkatalog

Zum Muttertag ein Ausflug mit dem Zug in die Eifel

Aber Schulte – der aus einer Reiterfamilie kommt und auch selbst reitet – ist auch sonst besonders begeisterungsfähig. Etwa wenn er erzählt, wie er für den Muttertag in diesem Mai für seine Mutter und eine handvoll Freunde eine Zugfahrt als Ausflug organisiert hat – von Düren nach Heimbach in der Eifel. Durch Zufall war er auf diese Tour gekommen, als er im Fernsehen beim Zappen in einer Sendung über die schönsten Eisenbahnstrecken in Nordrhein-Westfalen hängen blieb. Schon morgens zuhause schmierte er selbst für alle die Brote als Wegzehrung – mit Salami oder Schinken nach vorheriger Wahl.

Um neun Uhr früh gings los, vorbei an der Rur und tollen Landschaften, schwärmt Schulte. „Würden wir dieselben Landschaften im Ausland sehen, würden wir ausflippen vor Freude – aber nicht hier.“ Die Krönung war dann am Schluß ein Erbeerbecher im Eiscafe´ in Heimach.

Wovon Schulte noch träumt? „Im Hyatt im Düsseldorfer Hafen Kitchen Table mit zehn Freunden machen“. Das hat er schon mal im Waldorf-Astoria in Versailles bei Paris erlebt, wie es ist, in der Küche mittendrin zwischen den Köchen und all dem Trubel selbst zu sitzen und zu essen.

Hier im Zinzin hat der Niederrheiner ein Wiener Schnitzel mit Spargel bestellt – und es kommen mit genau vier Spargelstangen. Aber er findet es lecker und verputzt es auch ruckzuck.

Wiener Schnitzel  mit genau vier Spargelstangen im Zin Zin

Wiener Schnitzel mit genau vier Spargelstangen im Zin Zin

 

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/familienunternehmen-schulte-sohn-steaks-online-per-post/3263196.html

 

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