Ein Glas Wasser mit Vera Geisel: Wie die Frau des Düsseldorfer OB Herausforderers Karneval lieben lernte

Kurz bevor Vera Geisel mit Ihrem Mann Thomas – dem Herausforderer vom amtierenden Düsseldorfer Oberbürgermeister Dirk Elbers – zum Fußball-Gucken mit Hannelore Kraft, der NRW-Ministerpräsidentin, im Szene-Treff Les Halles im alten Güterbahnhof geht, sind wir in der Lounge vom Interconti verabredet.

Vera Geisel

Vera Geisel, Juristin bei ThyssenKrupp

 

WM-Deko im Düsseldorfer Interconti

WM-Deko im Düsseldorfer Interconti

Sofort sind wir bei dem Thema, das für alle Düsseldorfer die ganze Woche schon das wichtigste ist: der Tornado von vergangenem Sonntag – und seine Folgen. Die Stadt ist immer noch im Ausnahmezustand, inzwischen ist schon die Bundeswehr zu Hilfe gekommen bei den Aufräumarbeiten. Drei Kompanien sind angerückt. Immer noch liegen überall umgekippte Bäume und abgebrochene Äste herum, 17.000 sollen es sein. Der Spitzname ist inzwischen Dschungeldorf.

Auch Vera Geisels Auto hat´s erwischt. „Aber kein Baum, sondern ein Dachziegel hat ein Loch in das Glas-Schiebedach geschlagen“, erzählt die 42-jährige Juristin, die bei ThyssenKrupp in Essen arbeitet. Seit ef Jahren lebt sie mit ihrer Familie im Düsselorfer Norden, am Dreieck.

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Bemerkt hat den Schaden zuerst der Nachbar, der ihn den Geisels promt vermeldete. Als der Tornado draussen tobte, war die gebürtige Essenerin mit ihren vier Töchtern – Antonia und Maria (beide 9), die Zwillinge, und Charlotte (7) und Teresa (3) zuhause und hatte nicht realisiert, wie schlimm der Sturm tatsächlich war. Ob es nicht anstrengend sei mit vier Kiddies im Grundschul- und Kindergartenalter? „Schön ist es“, entgegnet sie mit ihrem offenen Lächeln.

 

Vera Geisel als Ernährerin der Familie

Doch damit sie ihren Mann Thomas – er stammt aus Ellwangen in der Nähe von Ulm – noch oft genug zu sehen bekommt, begleitet sie ihn oft auf Abendveranstaltungen. Als Kandidat der SPD „macht er seit einem Jahr Wahlkampf und hat ja kein Amt in der Stadt“ , sagt Vera Geisel. So lange ernährt sie mit ihrem Einkommen die Familie.

Als Juristin arbeitet sie in einem zehnköpfigen Team in der Personalabteilung bei ThyssenKrupp, das mehrere hundert Top-Führungskräfte des Konzerns mit ihren individuellen Verträgen betreut. Dann verfasst sie die Verträge mit komplizierten Vergütungsfragen und beispielsweise für Expats, die in mehreren Ländern gleichzeitg Funktionen haben oder im Heimat- wie dem Entsendungsland richtig versteuert werden müssen. Vieles muss individuell ausgearbeitet werden, erzählt die Juristin, die in Münster studiert, ihre Referendarzeit in Hamburg absolviert und zwischendurch in einer deutschen Kanzlei in Brüssel – bei Bappert Witz Selbherr – gearbeitet hat.

Stilles Wasser im Interconti an der Kö

Vera Geisel orderte stilles Wasser im Interconti an der Kö

In Hamburg hat sie Thomas Geisel kennengelernt – an einem 15.Dezember. Ihr Vater, der bei der Ruhrgas arbeitete, war damals zusammen mit ihm auf Dienstreise in Hamburg, Veras Mutter begleitete ihren Mann. Abends luden die Eltern Vera zum Essen ein und hatten Geisel im Schlepptau. Es folgten viele Telefonate der beiden bis sie sich Anfang Januar alleine wieder in Hamburg sahen, im Cafe´ Engel auf dem Teufelsanleger, erinnert sich Vera Geisel noch sehr genau.

 

„Ich mach mich doch nicht zum Affen“

Dass sie mal zum begeisterten Karnevalisten wird und sogar gerne schunkelt, hat sie sich damals noch nicht träumen lassen. In ihrer Heimatstadt Essen spielte Karneval nie so eine große Rolle wie 30 Kilometer weiter in Düsseldorf:  „Ich wußte nicht, wie Verkleiden geht und dachte erst `ich mach mich doch nicht zum Affen´. Doch dass es im rheinischen Karneval gar nicht darauf ankommt, schön zu sein, sondern man mit seinem Kostüm auch gerne Mut zur Häßlichkeit haben darf, das dämmerte ihr dann so langsam. Zur Karnevalssitzung ging ihr Mann als Charlie Chaplin und sie selbst gab die Marlene Dietrich als Blauer Engel. An anderen Abenden, wo nicht so viel Zeit zum Verkleiden blieb nach einem übervollen Arbeitstag, musste es auch schon mal nur ein Hut tun. Denn Karnevals-Events gab es in dieser Session genug – bis hin zu alternativen Karnevalsveranstaltungen: den Stunksitzungen. Und nicht nur in Düsseldorf, sondern sogar in Köln. Eigentlich im Feindesland – aus Düsseldorfer Sicht.

 

 

PS: Inzwischen hat Thomas Geisel heute die Wahl zum OB gewonnen http://www.spiegel.de/politik/deutschland/stichwahl-in-duesseldorf-spd-stuerzt-cdu-bastion-a-975338.html

 

 

 

 

 

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