Kollegengespräche in Großraumbüros senken die Effizienz – der anderen

Diejenigen, die Großraumbüros anordnen, müssen nicht drin sitzen. Sonst würden sie es vermutlich auch nicht tun. Freiwillig setzen sie sich jedenfalls nicht mit rein, die Top-Manager. Und die Mittelmanager wehren sich nicht dagegen, weil sie ihre Einzelzimmerchen behalten dürfen. Die Hierarchie bleibt also unangetastet und darf ungestört arbeiten. Ausbaden müssen es die anderen.

Und mehr als das: sie müssen Gesundheitsverletzungen in Kauf nehmen. Zivilisierte, aufgeklärte Gesellschaft hin oder her. Wer moppert, wird von den Vorgesetzten und Entscheidern  als Kommunikationsfeindlich attackiert. Oder fortschrittsunwillig. Wohlgemerkt, die, die nicht selbst diese Arbeitsbedingungen aushalten müssen.

Doch wenigstens die Mediziner melden sich jetzt wenigstens ganz zart zu Wort. Ein Experte fürs Hören, Markus Meis – Psychologe und Mediziner am Hörzentrum der Universität Oldenburg – wurde jetzt konkret: Der Lärm in Großraumbüros ist ein unterschätztes Problem.

http://www.aerztezeitung.de/panorama/article/859926/laerm-unterschaetztes-problem-grossraumbuero.html

– Die Leistungsfähigkeit von Großraumbüro-Bewohner könne um fünf bis zehn Prozent sinken – allein durch den Lärmpegel

– Größter Störenfried:. Die Gespräche der Kollegen

Sobald sich zwei Mitarbeiter unterhalten, sinkt die Leistung des Arbeitsgedächtnisses der Kollegen in unmittelbarer Nähe – bis zu zehn Prozent, so Meis.

 

Telefonklingeln kann man ausblenden, Gespräche im selben Raum nicht

Man könne sich daran weder gewöhnen, noch es ausblenden – anders als das ständige Telefonklingeln rundherum.

Wenn schon Großraumbüros bei leidlich anspruchslosen Tätigkeiten ohne größeres Nachdenken sein müssen, so gibt es nur eine Linderungsmöglichkeit für die tagtägliche Gesundheitsverletzung:  Mehr Platz für den Einzelnen.

„Eine Verdoppelung des Abstands zwischen den Schreibtischen bedeutet eine Halbierung des Schalls“ sagt auch Wolfgang Panter, Arbeitsmediziner und Präsident des Verbands der Deutschen Betriebs- und Werksärzte in der „ÄrzteZeitung“ vom 30. April 2014.

Doch entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnisse nehmen die Unternehmen ihren Angestellten immer häufiger die Einzelbüros weg.

 

Immer weniger Quadratmeter für immer mehr Bürobewohner

Und noch mehr: Hatten Mitarbeiter früher noch Anspruch auf zwölf Quadratmeter, so seien es heute nur noch acht.

Und weil das Lärmempfinden letztlich individuell und subjektiv sei, ist – so Georg Brockt, Physiker von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in der „ÄrzteZeitung“ – die Grenze für 55 Dezibel in Büros aus der Verordnung für Arbeitsstätten gleich ganz gestrichen worden.

Konsequent wie unmenschlich.

Und jedenfalls mit dem Menschenbild im 21. Jahrhundert nicht wirklich vereinbar. Aber vielleicht schert es die Unternehmenslenker einfach nicht.

Oder sie halten die Arbeit ihrer Mitarbeiter ohnehin für geist- und anspruchslos.

Und sie wollen einfach heute nicht an die Demografie-Falle denken, die erst morgen zuschnappt. Dass man die qualifizierten Angestellten, die man heute verheizt, morgen nicht so einfach ersetzen kann.

Es sei denn, es ist ihnen egal. Weil sie dann auch nicht mehr an Bord sind und sie selbst ihre Scherflein – und Chef-Prämien – längst ins Sichere gebracht haben.

http://www.aerztezeitung.de/panorama/article/859926/laerm-unterschaetztes-problem-grossraumbuero.html

http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/buerolaerm-ist-ein-groer-stressfaktor-90185344103.php

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