Manager müssen führen können, nicht bester Sachbearbeiter der Abteilung sein – Gastbeitrag von Markus Hornung

Gastbeitrag von Markus Hornung, Chef des Trainings- und Beratungsunternehmen EQ Dynamics

Hornung

Markus Hornung

Führungskräfte sollten aufhören, überall Vorbild sein zu wollen. Jahrzehntelang hat man Ihnen eingetrichtert: Sie müssten mindestens genauso gut sein wie ihre Mitarbeiter. In allem. Unbedingt. Immer.

Wer Held sein will, versagt als Chef

Doch das Gegenteil ist der Fall: Wer versucht, als Führungskraft ein omnipotentes, heldenhaftes Vorbild zu sein – der macht seine Mitarbeiter träge und erreicht genau das Gegenteil von Motivation. Mit anderen Worten: Er versagt.

Die Legende vom „Vorbild Führungskraft“

In den vergangenen Jahrzehnten war die gängige Sicht auf Führungskräfte und Unternehmer vor allem dogmatisch geprägt: Je vorbildhafter das Verhalten einer Führungskraft, desto motivierter und leistungsstärker die Mitarbeiter. Mit gutem Beispiel vorangehen, so sollte es sein.

Vorbild als Massstab aller Dinge – auch der negativen  

An sich eine positive Entwicklung – sie wird dann aber zur Falle, wenn Mitarbeiter dies als Ausrede für eigene fehlende Leistungsbereitschaft anführen: Weshalb fachlich top sein, wenn die Führungskraft fachliche Schwachstellen hat? Weshalb als letzter das Büro verlassen, wenn der Vorgesetzte Dienst nach Vorschrift macht?

Nur Führen ist die Qualifikation

Die Aufgabe einer Führungskraft ist allerdings eine ganz andere. Was Unternehmen dringend brauchen, ist ein differenzierter Umgang mit dem Thema Vorbild. Denn es gibt nur eins, was Führungskräfte deutlich besser können müssen als ihre Mitarbeiter: Führen.

Was Führung meint? Erstens ein Vorbild sein in Haltung und Werten. Die Mitarbeiter zu konkreten Tätigkeiten befähigen, auch wenn die Führungskraft diese selbst nicht beherrscht und somit eigentlich kein Vorbild sein kann.

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Der Vertriebschef muss eben nicht der beste Verkäufer sein

Konkret: Ein Vertriebschef muss nicht selbst am besten verkaufen können, aber seine Verkäufer zu guten Abschlüssen befähigen. Und: Eine wertschätzende Haltung gegenüber Kunden zum Beispiel – die muss er vorleben.

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Wann ein Chef tatsächlich ein Vorbild abgeben sollte

Die Haltung eines Vorgesetzten zeigt sich stets in seinem täglichen Verhalten – Vorbild sollte die Führungskraft also in diesen Situationen sein:

Erstens im Umgang mit Mitarbeitern oder Kunden: Verhält sich die Führungskraft so, dass sein Gegenüber das Gefühl hat, man begegnet ihm auf gleicher Augenhöhe?

  • Zweitens in Krisensituationen: Bleibt die Führungskraft gelassen, geht sowohl emotional intelligent als auch strukturiert vor und behält die Zügel zu jeder Zeit fest in der Hand? Oder verfällt sie in blinden Aktionismus?
  • Drittens: Wie vermittelt sie ihren Mitarbeitern die Sinnhaftigkeit von Entscheidungen oder Anweisungen? Geht sie offen mit Informationen um und erklärt dem Team Einzelmaßnahmen auch in Bezug auf das große Ganze beziehungsweise die übergeordnete Strategie?
  • Viertens: Wie geht der Vorgesetzte mit sich selbst um? Also sorgt er für sich und seine Leistungsfähigkeit durch intelligentes Zeitmanagement, das beispielsweise genügend Freiräume für Mitarbeitergespräche oder strategisches Arbeiten lässt ? Oder durch einen gesunden ausgeglichenen Lebenswandel inklusive Sport und vollwertiger Ernährung? Nach wie vor ist dies ein vollkommen tabuisiertes Thema in deutschen Unternehmen, an dem allerdings der Begriff Vorbild ebenfalls festgemacht werden muss. Es gilt als „vorbildhaft“, wenn eine Führungskraft sich emotional und körperlich vernachlässigt und ruiniert, anstatt für ihre mentale und körperliche Gesundheit zu sorgen – eine bizarre Verschiebung der Wahrnehmungen und Prioritäten.
  • Fünftens: Wie emotional intelligent handelt eine Führungskraft? Gibt sie ihren Mitarbeitern Raum für Emotionen, erkennt sie beispielsweise deren Ärger und spricht sie offen darüber?

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Chefs sind keine Supermänner – aber die richtigen Fragen können sie stellen

Führen bedeutet aber auch, sich abzugrenzen. Sich darüber klar zu sein, nicht alle Erwartungen der Mitarbeiter zu erfüllen: Zum einen müssen Führungskräfte nicht all das können, was sie ihren Mitarbeitern abverlangen. Zum anderen müssen sie nicht für jedes Problem eine Lösung oder auf jede Frage eine Antwort parat haben.

In der Praxis helfen der Führungskraft drei Fragen zur Abgrenzung, die Mitarbeiter beantworten sollten, bevor der Vorgesetzte selbst zur Tat schreitet:

1. Was genau ist Ihr Problem?

2. Was haben Sie bisher unternommen?

3. Welche Lösungsvorschläge haben Sie?

 

Denn Fakt ist: Der Anspruch an Manager ist überzogen. Aber auch Manager selbst müssen aufhören, sich als heldenhaftes Vorbild zu sehen.

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Führungskräfte sollten sich selbst auch nicht als Supermann sehen

Denn auch klar ist: Ein Chef, der immer und in allem ein Vorbild sein muss, kann nur scheitern – und alle, die das erwarten, können nur enttäuscht werden. Deshalb sollten sich Führungskräfte einzig und allein auf das konzentrieren, was sie können muss: Das Führen. Sonst nichts. Denn Führungskräfte sind Führungskräfte und Mitarbeiter sind Mitarbeiter.

 

Zu Markus Hornung, :www.eqdynamics.deZu seinen bisherigen Kunden gehören unter anderem  MAN Bus & Truck Deutschland, LBS Bausparkasse und verschiedene Sparkassen in Deutschland

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Alle Kommentare [3]

  1. Du lieber Himmel, glauben Sie denn, jemand der ein größeres Unternehmen leitet genug Muße findet, um Ihren Katalog zu beachten geschweige denn zu leben? Das ist ja alles ganz hübsch beschrieben, aber es geht in concreto um Entscheidungen und Delegationskunst, die richtigen Leute haben und Marktinstinkt beweisen, Fallen rechtzeitig sehen und vermeiden, und vieles mehr.
    Vielleicht sollte man mal hier ein Bild von „Führung in Japan“ reproduzieren, als Beispiel, wie man „Führung“ nicht praktizieren sollte. Dann würde man auch die Schwachstellen in Europas Führungsetagen deutlicher sehen.

  2. Wertvoller Beitrag, vor allem auch der Aspekt Vorbild in gesunder, ausgewogener Lebensführung zu sein. Emotional intelligent sollte vor allem auch deshalb geführt werden, da es schließlich kein Führen ohne Folgen gibt. Dieses Folgen lässt sich besser durch gute Führung als ein reines Management erreichen.

  3. Zuerst war ich etwas befremdet, als ich den Titel und die ersten Zeilen Ihres Artikels las. Denn in meinen Führungskräftetrainings vertrete ich die Position „Als Führungskraft sind Sie immer Vorbild – ob Sie wollen oder nicht!“
    Als ich dann aber weiter gelesen habe, konnte ich feststellen, dass wir in wesentlichen Punkten übereinstimmen. Als Führungskraft muss ich sicher kein Vorbild sein, was das spezifische Fachgebiet der Mitarbeiter angeht – sicher aber in persönlicher Hinsicht, in den Werthaltungen, in der Kommunikation etc.