Erst die Bahn, jetzt die Polizei: Zu wenig Mitarbeiter, um noch zu funktionieren? Und: Wer genau ist schuld?

Nachdem das Bahn-Personalchaos – oder besser die Auswirkungen jahrelanger Personaleinsparungen des Top-Managements ohne Rücksicht auf Verluste trotz jahrelang bekanntem, kommenden Personalengpasses – in Mainz hochploppte, geht es jetzt weiter. http://www.derwesten.de/politik/gefaehrdet-personalnot-die-sicherheit-aimp-id8309439.html#1351519027

Der nächste Personalengpass-Brandherd: Polizei NRW

„Arbeitsüberlastung“ titelt jetzt die „Bild“ und meint damit die Polizei in Nordrhein-Westfalen, deren Kollaps drohe.  Und deshalb wollen „mehrere Polizeipräsidenten“ in NRW keine Züge ausfallen lassen, aber die Arbeitseinsätze der Polizisten reduzieren: Bei Fällen von „Ruhestörung, häuslicher Gewalt, Verkehrsunfällen ohne Verletzte“ sollen Polizisten gar nicht mehr ausrücken müssen. http://www.bild.de/politik/inland/polizei/polizeipraesidenten-wollen-polizeiaufgaben-loswerden-31844772.bild.html .

Methode: Nicht Aufgaben unerfüllt lassen, sondern Aufgaben streichen

Die polizeiliche Begleitung von Schwertransporten soll danach auch aufhören – und noch mehr. Die Polizeichefs von Düsseldorf, Köln, Dortmund, Münster, Essen und Aachen sollen hinter einer ganzen Liste von Aufgaben stecken, die sie angesichts ihrer Personalknappheit lieber von vornherein absagen wollen.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Und welche Organisation oder welches Unternehmen als nächstes den Offenbarungseid  in Sachen kaputt-gespart ablegt.

Wo sitzen die eigentlichen Täter?

Und wann die Klärung beginnt, wer im einzelnen verantwortlich dafür war, dass zuviel Personal entlassen, früh-berentet wurde oder zu wenig Ersatz ausgebildet und eingestellt wurde.

Wer beim Bahn-Chaos von einer plötzlichen Notlage redet, verkennt, dass schon vor vier Jahren untersucht und bekannt wurde, dass – wenn man nichts dagegen unternimmt – genau dieser Personalengpass eintritt. Und die ganze Chose eben nicht mehr funktioniert, so wie jetzt schon in Mainz. Womöglich bald überall in Deutschland. Eine Notlage ist etwas plötzlich eintretendes – undd as kann man von einer Situation, die vier Jahre lang vorher bekannt ist und nicht verhindert wird, nicht gerade behaupten.

Im Falle der Bahn war jedenfalls Margret Suckale vor vier Jahren Personalvorstand, die heute bei BASF arbeitet. Hartmut Mehdorn war damals ihr Vorstandschef. Ob ihre DB-Verträge ihnen Prämien dafür versprachen, dass sie besonders hohe „Einsparungen“ erreichten? Mich würde es interessieren. Aber soviel Transparenz mögen die Unternehmen dann doch nicht.

Und, wenn dem so sein sollte: darf die Bahn die Prämie wohl zurückfordern – und muss es vielleicht auch? Oder ob die Verantwortlichen da sitzen, wo genau diese Belohnungs-Möhren für Vorstände – und sicher auch die Führungskräfteebenen darunter – gefördert, initiiert oder zumindest gebilligt werden: im Aufsichtsrat.

 

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