Wie bekommt man bloss die Vorurteile aus der Welt? Dass Briten keine Autos mehr bauen etwa. Gastbeitrag von Konsul Scott

von Malcolm Scott, Britischer Generalkonsul in Düsseldorf, Ex-Europa-Direktor bei UK Trade & Investment und Ex-Abteilungsleiter im britischen Wirtschaftsministerium für Luft- und Raumfahrt, Marine und Verteidigung ärgert sich über die unausrottbaren Vorurteile über sein Heimatland (Gastbeitrag).

 

Als Brite freue ich mich auf die Formel 1 am Nürburgring und bin stolz auf britische Spitzenleistungen im Motorsport. Acht der zwölf bedeutendsten Formel 1-Rennställe haben ihren Sitz in Großbritannien und produzieren dort. Hierzu zählen die ganz großen Namen von Caterham, McLaren und Williams über Lotus Renault, Mercedes und Red Bull Racing bis hin zu Force India und Marussia. Die meisten Autofans wissen das.

malcolm Scott, Britischer Konsul in Düsseldorf und Ex-Manager

Malcolm Scott, Britischer Konsul in Düsseldorf und Ex-Manager

Als Britischer Generalkonsul fällt mir aber immer wieder auf: Großbritannien wird hierzulande als Industrie-Standort unterschätzt. Es heisst, dass wir zu sehr auf Dienstleistungen und den Finanzsektor gesetzt hätten – was aber nicht stimmt, jedenfalls so nicht.

 

In Großbritannen sind mehr ausländische Firmen als in Frankreich und Deutschland zusammen

Wir sind die sechst-größte Wirtschaftsnation.Unsere produzierende Industrie gehört zu den zehn größten der Welt. Und in keinem anderem Land Europas sind mehr ausländische Firmen präsent als in Großbritannien:  Bei uns haben mehr Unternehmen ihre europäische Zentrale angesiedelt als in Frankreich und Deutschland zusammen.

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Ein Vorurteil: Briten produzieren keine Autos mehr. Richtig ist: Die Briten sind drittgrößter Autoproduzent Europas

Dass fast alle britischen Automobilhersteller inzwischen von einem ausländischen Mutterkonzern geführt werden heisst auch nicht, dass es in Großbritannien keine Automobilindustrie mehr gibt. Ganz im Gegenteil: Großbritannien ist der drittgrößte Autohersteller Europas – und auf einem guten Weg, in den nächsten Jahren das derzeit zweitplatzierte Frankreich zu überholen.

Deutschland-Werbe-Tour der britischen Prinzessinnen für den Wirtschaftsstandort Großbritannien im Januar in Berlin: Ihre Königlichen Hoheiten Prinzessin Beatrice von York und Prinzessin Eugenie von York.  Copyright: Buddy Bartelsen/impresspicture

Deutschland-Werbe-Tour der britischen Prinzessinnen für den Wirtschaftsstandort Großbritannien im Januar in Berlin: Ihre Königlichen Hoheiten Prinzessin Beatrice von York und Prinzessin Eugenie von York.
Copyright: Buddy Bartelsen/impresspicture

 

Die Absatzzahlen für britische Fahrzeuge sind in den letzten Jahren stark gestiegen und britische Traditionsmarken heute stärker denn je. VW hat die Traditionsmarke Bentley übernommen, BMW ist bei Rolls Royce und Mini in die Produktion eingestiegen.  Ein Drittel aller BMW-Motoren werden in Großbritannien hergestellt. Jaguar und Land Rover haben 2012 so viele Autos verkauft wie nie zuvor. Wir verkaufen Fahrzeuge in über 100 Länder und erwirtschaften damit  Einnahmen von rund 32 Milliarden Euro im Jahr.

Die britische Automobilindustrie hält es also ein bisschen mit der Formel 1. Wir arbeiten uns langsam an die Pole Position heran und der Brite Lewis Hamilton jagt den Titelverteidiger. Ich freue mich auf ein spannendes Rennen auf dem Nürburgring, aber bitte keine weiteren Reifenplatzer.

 

Hier geht´s zu Malcolm Scotts Vita:

https://www.gov.uk/government/people/malcolm-scott.de

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