Warum mein Kiosk nicht so viele „Süddeutsche Zeitungen“ verkaufen darf, wie es könnte

Heute früh im Zeitschriftenladen, Düsseldorf, ein Dialog, der einen in tiefes Erstaunen versetzt: „Von der Süddeutschen könnte ich fünfmal so viel hier verkaufen,“ regt sich die Dame auf. „Aber ich kriege sie nicht.“

Und wieso nicht? Ich hab´da schon so oft angerufen, aber es ist immer dasselbe. Dann bekäme sie mal ein paar mehr, aber sobald Ferien seien und die Käufer für ein paar Tage ausblieben, bekäme sie sofort wieder die zu geringe Zahl zugeschickt.

Das Spiel sei ein paarmal hin und her gegangen, nun lasse sie´s . Dann werden eben keine Süddeutschen verkauft. Schade auch.

Der Fehler schein ein kleines Sandkorn im Getriebe zu sein: Computer reagieren anscheinend sofort auf Remittenten und passen an – und woher sollen die auch die Gesetzmäßigkeiten der Branche kennen. Dass Rückgänge in Ferienzeiten normal und hinzunehmen sind – statt darauf zu reagieren. Klar, mitdenken können eben doch nur Menschen, aber die werden ja seit Jahren lieber entlassen und durch sie ersetzt.

Und bei anderen Blättern? Da ist´s dasselbe sagt sie.

Nur bei einer Kategorie nicht: Den Taschenbuchromanen, die Schnulzen für Ältere. Damit werde sie konktinuierlich zugeschmissen und da helfe auch keine Bitte, weniger zu schicken.

Ich mache also folgende Lernkurve durch: Das Ersetzen der Menschen durch Computer kann für weniger Absatz sorgen – und mit Sicherheit merkt´s die Verlagsspitze, der Vertrieb und die Redaktion nicht.

Die wundern sich vermutlich nur über stagnierende und rückläufie Zahlen. Und die Unternehmensberaater, die finden ohnehin keine Sandkörner im Getriebe, wie´s scheint.

Schließlich sollen diese hochbezahlten Leute auch nur für große Würfe da sein, die dann leiderleider doch keine werden. Ob die mal an der Basis nachgefragt haben, wie´s denn so läuft? In ihrem eigenen Kiosk zum Beispiel?

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Alle Kommentare [3]

  1. Und dabei soll doch ausgerechnet das in Zeiten von Big Data und Co. überhaupt nicht passieren. Sagen zumindest die Marketingabteilungen großer IT-Konzerne und die sollten es doch eigentlich wissen… Oder doch nicht?

  2. Das klingt definitiv nach Beratungsbedarf in der Bedarfsplanung des Vertriebs. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Kapazitätsanpassungen an saisonale (und somit im Rahmen durchaus prognostizierbare Nachfrage) in einigen Branchen bereits der Regelfall sind und auch gut funktionieren können.

  3. Traurig aber war. Es ist in unserer Branche der Unternehmensberatung viel Geld verdient, wenn man langjährige Techniker oder Kundenberater feuern lässt.

    Es ist ja auch peinlich die Kunden zu fragen: Wie gut ist unser Service?

    Es ist wohl auch ausgesprochen unbeliebt nach Doppelarbeiten zu suchen und gleichzeitig sinnvolle Weichen in Richtung Kundenorientierung zu stellen.

    Will gar nicht tiefer in den Kostenbereich und auch nicht in die Umsätze eintauchen. Wollte nur kurz und beispielhaft zusammenfassen.

    Natürlich bringt es keinem Unternehmen was, wenn die Reisekosten „umorganisiert“ werden. Das fällt m.E. unter Abfallprodukt.

    Wenn schon sinnvoll umorganisiert wird, dann sprechen meine Kolleginnen und Kollegen nicht einmal mit den Betroffenen. Für mich ist das lediglich die Vorbereitung einer Totgeburt um dem nächsten Berater Gelegenheit das Rad einfach zurück zu stellen.

    Beratung ist Kommunikation. Das ist eine elementare Aufgabe.

    Daraus wird dann gern eine Kundenschelte gedreht. Kunden würden von eigenen Fehlern nichts wissen wollen. Zu oft kommen die zweite oder dritte Reihe und legen Steine und Knüppel in den Weg. So und so ähnlich das „Leid“ dieser „armen“ Unternehmensberaterinnen und -Berater.

    Unabhängig davon kann man Totschlagargumenten und anderen Torpedo-Aktionen so gut entgegen wirken. Dabei ist es unerheblich ob ein Einzelunternehmer ohne Mitarbeiter oder ein mittelständisches Unternehmen eine Beratung brauchen.

    Worthülsen, Feig- und Faulheit, alte Wein in neuen Schläuchen und ein Mangelhafter Einblick in unterschiedlich Abteilungen bei Handwerk und Industrie zeigen hier Früchte.

    Nach meiner Beobachtung liegt dieses an einer rational nicht verständlichen vollständigen Überbewertung von Studium und Dr.-Titel.

    Auf der anderen Seite bin ich froh, dass es diese Einschätzung auch auf der Kundenseite gibt. Dabei trifft dann häufig eines zu: Wenn sich „Gleich zu Gleich“ gesellt habe ich meine Ruhe davor. Dafür haben meine Kunden und ich dann andere Prioritäten.