Smartphones stressen Manager – doch die wollen nur „einen richtig guten Job machen“

Immer im Bereitschaftsdienst, das ist der Modus der meisten Manager. Inoffiziell, versteht sich. Denn Dienstanweisungen gibts dafür nicht. Natürlich nicht. Solche Ideen, dass diese Zeit irgendwie gutgeschrieben werden könnte, wären hierzulande so etwas ähnliches wie anarchistisch. Aber jedenfalls wäre die Idee karrierefeindlich.

Fast alle Führungskräfte sind zumindest zeitweise auch am Feierabend für berufliche Anliegen erreichbar: Fast 70 Prozent sind häufig oder dauernd via Smarthone telefonisch erreichbar, und noch mehr Manager checken abends und am Wochenende damit ihre Mails.

Denn: 70 Prozent der befragten Führungskräfte nutzen ihr Smartphone beruflich wie auch privat. Diese Verknüpfung führt dazu, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zusehends verschwimmen, bilanziert eine Studie der Unternehmensberatung Mercer zusammen mit der Technischen Universität (TU) MünchenEnde 2012. Befragt wurden 150 deutsche Manager aus Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen.

Selbst in ihrem Urlaub sind 25 Prozent der Manager noch auf Empfang – und zwar jederzeit oder wenigstens häufig. Insgesamt sind sogar 84 Prozent der befragten Führungskräfte zumindest zeitweise erreichbar.

Diese ständige Verfügbarkeit per Smartphone sorgt bei 90 Prozent der Manager für spürbare Mehrbelastung: Mehr als 33 Prozent der Befragten empfinden dadurch einen höheren Stresspegel – und zwar oft oder sogar dauernd.Fast 70 Prozent der Führungskräfte empfinden es zumindest zeitweise als störend, wenn auch ihre Mittags- oder andere Pausen avon Kunden und Kollegen „jederzeit unterbrochen oder ganz beendet“ werden können, zeigt die Befragung von Mercer und der TU München.

 

Drei Fragen hierzu an Unternehmensberater Volker Nürnberg von Mercer:

Management-Blog wiwo.de: Haben die Manager denn alle Angst um Ihren Job, wenn sie ständig auf Empfang bleiben? Dreht heute alles so schnell, dass sie Angst haben müssen, zu haften, weil sie mögliche Schäden nicht verhindert haben könnten?

Ich glaube nicht, dass die Angst, den Job zu verlieren, Manager dazu treibt, ständig erreichbar zu sein. Und auch die Befürchtung, für Schäden haften zu müssen, die durch Nichterreichbarkeit entstanden sein könnten, dürfte kaum eine Rolle spielen. Denn viele Führungskräfte sind durch eine D&O-Versicherung gegen Fahrlässigkeit abgesichert. Ich denke, die meisten Führungskräfte versuchen tatsächlich einfach, einen richtig guten Job zu machen und gute Ergebnisse zu erzielen. Da kommt natürlich auch die  – finanzielle – Beteiligung am daraus resultierenden Unternehmenserfolg zum Tragen.

Aber die Motivation geht oft über Boni hinaus – es gibt sicher viele Manager, insbesondere in den höheren Etagen, die sich mit ihrem Unternehmen und ihrer Arbeit identifizieren und auch gut mit Stress umgehen können. Das ist dann auch eine Typfrage.

 

Management-Blog wiwo.de: Oder ist es die Erkenntnis der Manager, lieber dauernd erreichbar zu sein und dadurch einen Schaden gleich verhindern zu können – ehe es später viel mehr Zeit und Geld kosten würde, ihn wieder zu beseitigen?  

Man sollte sich manchmal vielleicht fragen, ob es immer zu besseren oder schnelleren Ergebnissen führt, wenn man zu jeder Tages- und Nachtzeit seine Mails liest und beantwortet. Es kommt ja auch vor, dass Probleme, die anfangs riesengroß erscheinen, oder gar Katastrophen mit ein wenig Abstand plötzlich nicht mehr ganz so bedeutend sind oder sich sogar erledigt haben.

Außerdem betrifft eine ständige Erreichbarkeit in den seltensten Fällen nur die Führungskraft selbst, sie zieht mitunter weite Kreise: Ist der Chef ständig erreichbar, färbt das oft auch auf seine Mitarbeiter ab, die sich dann womöglich gezwungen sehen, sich anzupassen. Das ist dann so eine Art Gruppenzwang, der entsteht, und das kann mitunter riskant sein, denn nicht alle Mitarbeiter können mit einem solchen Druck umgehen und dann kann sich letztlich negativ auf die Leistungsfähigkeit von Teams auswirken.

 

Management-Blog wiwo.de: Spielen auch die vielen Entlassungswellen der vergangenen 15 Jahre eine Rolle, weil es heute keine Stellvertreter mehr gibt?

Es wird in der Tat immer schwieriger, eine geeignete Vertretung zum Beispiel für den Urlaub zu finden, denn viele Arbeitsgebiete sind mittlerweile hochspezialisiert. Wenn man dann keinen gleichwertigen oder gar überhaupt keinen Stellvertreter findet, überlegt man sich natürlich zweimal, ob man sein Smartphone im Urlaub zu Hause lässt. Schließlich ist zu erwarten, dass sonst wirklich alles liegen bleibt und der erste Arbeitstag nach dem Urlaub zum Alptraum wird.

Allerdings kann man auch in diesem Fall Wege finden, die freie Zeit nicht in einem inoffiziellen Bereitschaftsdienst zu verbringen. Man kann sich zum Beispiel einige wenige und vor allem feste Zeiten setzen, in denen man seine Mails liest und bearbeitet, beispielsweise zweimal täglich 30 Minuten, die dann auch reichen müssen.

Nürnberg Mercer

Volker Nürnberg, Leiter Health Management bei Mercer

http://www.mercer.de/articles/smartphones

 

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