Firma Mysugar.com: Mit Monstern Diabetis bekämpfen

Es klingt nach einer App, aber Mysugr.com ist ein Medizinprodukt – weil es im Therapiealltag eingesetzt wird. Und deshalb verlangten die Wiener Behörden von Frank Westermann, 35, dass er eine eigene Prüfung ablegte, um Mysugr.com führen zu dürfen. Das Statup gründete er zusammen im Februar diesen Jahres mit Fredrik Debong, 35, Gerald Stangel, 33, und Michael Forisch,36. Als Business Angel erwarb Johann Hansmann Anteile von ihnen.
Mit ihrer App für Diabetis-1-Patienten – aus der später ein Portal auch mit Communityfunktion sowie für die betreuende Ärzte werden soll – will Mysugr.com Patienten helfen, ihr Leben als chronisch Kranke zu meistern. Ist doch gerade bei ihnen die Depressionen-Quote hoch, weil sie mit den vielen medizinischen Vorschriften, dem lästigen Tagebuch-Führen, Broteinheiten ausrechnen und Dosieren des Insulins schnell überfordert sind.
Strenge Führung ist aber wichtig: Wer „schlecht eingestellt ist“, wie es der geborene Rheinländer Westermann nennt, riskiert, dass ihm irgendwann seine Füße amputiert werden müssen, die Nieren nicht mehr funktionieren oder dass er erblindet.
Westermann weiß, wovon er spricht, da er so wie sein Mitgründer Debong unter Diabetis leiden: „Zwei Tage ohne Insulin und ich wäre tot“, sagt Westermann. Deshalb müssen Diabetis-1-Patienten wie er auf ihre Blutzuckerwerte laufend acht geben und dafür ihre Zuckerwerte und Aktivitäten minutiös in die App eingeben – um den nötigen Überblick zur Berechnung der richtigen Insulin-Dosis zu bekommen. Damit die Patienten diese lästigen Dinge gerne machen, bekommen sie Punkte von der App – mit 50 Punkten ist das Diabetis-Monster besiegt.
„Die App soll am Ende ein umfassendes System mit einem Portal mit Communityfunktion werden, auf das auch die betreuenden Ärzte zugreifen“, ist Westermanns Plan. Inzwischen hat das Start-up zwölf Mitarbeiter, von denen vier ebenfalls selbst Diabetiker sind. Geld fließt von verschiedenen Stellen: Diabetiker kaufen die App für 39 Euro im Jahr, Pharmaunternehmen wie der Mysugr.com-Partner Sanofi können die App im Marketing einsetzen und Krankenkassen buchen sie in größeren Kontingenten für ihre Mitglieder. Die Katheter, das Insulin und alles was Diabetiker brauchen ist sehr teuer und „ein riesengroßer Markt mit vielen verschiedenen Interessen“, sagt Westermann. Acht Millionen Deutsche und 500 000 Österreicher haben Diabetis, in arabischen Ländern sind 20 Prozent der Bevölkerung betroffen und weltweit sogar 350 Millionen Menschen.
Deshalb ist Mysugr.com seit Oktober mit einem Büro in Berlin vertreten und wird im Feburar eine Niederlassung in San Francisco eröffnen. In der ersten Finanzierungsrunde kam Geld von der AWS – das ist die österreichische KfW -, gab 125 000 beim Start. Jetzt gibt es vom Wiener Bundeswirtschaftsministerium 750 000 Euro als AWS Seedfinancing in Tranchen. Das Umsatzziel von mysugr.com liegt bei einer Million Euro in 2013.
