Ein Teller Gamberoni-Ruccolasalat mit Polizeipräsidentin Elke Bartels – und ihre Einsätze mit Riesen-Ratten

 

 

 

Elke Bartels ist eine von acht Frauen, die es in NRW bis zur Polizeipräsidentin gebracht haben – gegenüber zehn Männern. Immerhin, fast pari-pari und damit ist kein übler Schnitt. Soweit muss die freie Wirtschaft erst noch kommen. Und das ist nicht das einzige Vorbildliche: Bartels Mitarbeiter bekommen an einem polizeiinternen Burn-Out-Tag Vorträge von Ärzten und Psychologen gehalten. Das Ziel: Sie sollen lernen, die Anzeichen für einen Burn-Out bei ihren Kollegen zu erkennen. Zum Beispiel daran, dass sich jemand verzettelt, fahrig wird und das Gefühl äußert, dass ihm die Luft abgeschnürt wird. Ist das der Fall, wird der Betreffende zu Polizisten-Kollegen geschickt, die besonders geschult sind. Und leider auch recht gut ausgelastet.

 

Befördert in einen Hexenkessel

Und Elke Bartels erzählt von den Besonderheiten bei der Polizei. Von den Kollegen als Gefahrengemeinschaft, die sich auf einander total verlassen können müssen. Sich gegenseitig den Rücken freihalten, wenn´s ernst wird. Früher waren ihr, die zuvor beim Regierungspräsidenten von Düsseldorf gearbeitet hat, diese Themen auch nicht so vertraut. Doch der Job als Polizeipräsidentin ereilte sie quasi über nacht und Nein-Sagen ging nicht. Ob diese Beförderung ein schierer Anlass zur Freude war? Immerhin versetzte sie sie doch in einen Hexenkessel. Doch die Ehre ist jedenfalls eine große Herausforderung und die nahm sie an. Die Katastrophe der Love-Parade und ihre Folgen sind noch lange nicht aufgearbeitet, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind noch nicht abgeschlossen.

 

Mit Mafiabossen verhandeln und mit Kindern Kakao trinken

Doch der Mut, auch so etwas anzupacken, zeichnet Bartels aus. Schließlich kommt es vor, dass sie mit Mafiabossen verhandeln muss – ebenso wie viele Termine, die gesellschaftlich bedeutsam sind: etwa wenn einmal im Jahr Kinder, die als ehrliche Finder irgendetwas auf dem Fundamt abgegeben hatten statt sich einzustecken, zum Kakao-Trinken in ihre Büroräume eingeladen werden. Oder wenn die Polizei ihren Karnevalsball feiert. Für schüchterne Typen, die sich lieber hinter Gesetzestexten verstecken, wäre der Jobs nichts.

Wir treffen uns also bei Due Milla, einem Italiener an der Niederrheinstraße im Düsseldorfer Norden, nah am Flughafen. Bartels wählt Gamberoni auf Ruccolasalat, die sie auch durchaus überzeugen. Mehr soll´s heute Mittag nicht sein, zumal sie abends noch einen Diensttermin hat, wo es auch wieder etwas zu essen geben wird.

 

 

 

40 Zentimeter lange Ratten

So angenehm wie unserer sind aber nicht alle ihre Termine. Zum Beispiel, wenn sie nachts eine Streife begleitet. Das macht sie „turnusmäßig“, erzählt sie. Dann zieht sie ihre Jeans mit Boots an und lässt ihr Kostüm mit Pumps im Schrank. Schließlich liefen ihr beim letzten Mal 40 Zentimeter lange Ratten über den Weg. Als sie mit ihren Leuten rausfuhr, um „anzusehen, worüber ich urteile“, sagt sie.

 

Nachbarn, die sich fürchten und Behörden, die sich machtlos fühlen

Wenn die Bürgerinitiativen oder Duisburger Nachbarn sich massiv beschweren, wie neulich über die Zustände im Ortsteil Bergheim. Wo „die Situation eskaliert“ und die Behörden sich machtlos fühlen. Die Menschen dort können die Situation nicht mehr ertragen, sie gründen Bürgerinitiativen gegen ihre osteuropäischen neuen Nachbarn: Denn in Duisburg sind neuerdings über 5000 Armutsauswanderer, davon circa 1500 Bulgaren und circa 3500 Rumänen. Zum Beispiel in dem Hochhaus In den Peschen, vor dem sich Müll, Unrat, Elektroschrott und Sperrmüll türmt. Wo der Müll nicht so schnell abgeholt werden kann, wie er sich ansammelt. Wo sich die Nachbarn fürchten – vor einem Brennpunkt.

„Das Problem ist, dass die Armutsauswanderer nicht sozialisiert sind.“ Sie werfen ihren Müll auf die Straße und urinieren dort auch gleich. Bartels vergleicht: „Alles, was wir hier haben, ist ein Paradies gegen ihre Heimat.“

 

146 Polizeieinsätze im selben Haus

Das Problem: „Die Stadt Duisburg hat zu wenig Geld, um beim Ordnungsamt so viele Leute einzustellen, dass jene dort permanent nach dem Rechten schauen können“, erzählt die Juristin. Das Hochhaus In den Peschen zum Beispiel hätte es nötig: In den Sommermonaten musste die Polizei wegen Anrufen der Anwohner 146 mal ausrücken – wegen Ruhestörung. Weil die Menschen vor dem Haus sitzen, herumpöbeln. Und wenn dann die Polizei kommt, ist entweder vorübergehend Ruhe oder es gibt Ansagen – und hinterher machen sie einfach weiter wie vorher. Jedenfalls sind die Polizeieinsätze nutzlos. Denn die Armutsauswanderer sind ohnehin nur selten der deutschen Sprache mächtig, erzählt Polizeipräsidentin Bartels.

 

Matratzen wochenweise vermietet

Seit in der EU Freizügigkeit herrscht, gibt es in Duisburg diese Probleme, klagt Bartels. Drei Monate dürfen sich die Armutsauswanderer frei bewegen in Deutschland und brauchen nur eine Adresse angeben. Gemeldet sind  in dem Hochhaus in Duisburg Bergheim rund 100 Menschen – doch tatsächlich leben dort viel mehr.  Etwa in Duisburg Hochfeld. Abgewrackte, abbruchreife Häuser, deren Inhaber die Lage ausnutzen, seien dort: Die Eigentümer dieser Immobilien vermieten den Bulgaren und Rumänen einzelne Matratzen – und zwar wochenweise. Ohne funktionierende sanitäre Anlagen für 100 Euro pro Woche.

„Man müsste an diese Hausbesitzer herankommen in einer konzertierten Aktion“, schwebt Bartels vor. Schulamt, Ordnungsamt, Finanzamt, Bauordnungsamt undsoweiter Dabei: Die Hausbesitzer sind auch nicht einmal unbedingt deutscher Nationalität. Türken sind es ebenso – die nicht selbst in diesen Häusern wohnen.

 

Kriminelle Banden von Rumänen und Bulgaren

Doch wäre es nur das – Ruhestörungen und Müll -, ginge es vielleicht so grade noch. Aber inzwischen bilden die Bulgaren und Rumänen kriminelle Banden – wobei: „Die viel weniger Rumänen begehen laut Statistik viel mehr Straftaten als die Bulgaren“, beobachtet Bartels. Sie klettern zu zehn Mann in einen Bully – der natürlich keine gültige TÜV-Plakette hat – und los geht´s auf Diebstour zu Einbrüchen und Handtaschendiebstählen. Dann legt die Polizei die Fahrzeuge zwar still, aber die Auswanderer haben ruckzuck neue Autos – deren Benzin sie selbstverständlich klauen. Und sie legen unter den Augen der Polizisten als erstes einen Kavalierstart hin.

Die Anwohner sind ziemlich verängstigt und fürchten schon um Leib und Leben. Deshalb lässt Bartels dort mehr Fußstreifen passieren, mehr Präsenz zeigen mit Polizeibeamten – Personalstunden, die an anderer Stelle weggenommen werden müssen.

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