A[email protected] Palais

„Wenn Aufträge nach erfüllten Frauenquoten in Führungsetagen vergeben werden, haben wir allerbeste Karten“ witzelt Corporate-Anwalt Thomas Austmann. Fürwahr. Begegnet man Partnerinnen ansonsten schon recht selten in freier Wildbahn, so hat sich Austmann gleich mit zwei Kolleginnen von Allen & Overy selbständig gemacht: Nina Böttger, 38, und Sorika Pluskat, 40. Drei weitere Anwälte – Ulf Marquardt und Philip Wiegand, der dritte wird noch nicht verraten – sind mit im Gefolge.

Thomas Austmann, Ex-Allen & Overy-Partner

Weit hatte es das Team nicht, das jetzt als Austmann & Partner firmiert. Gerade mal einen Stock höher sind sie auf der Düsseldorfer Breite Strasse gezogen –  im Rheinischen Palais, das nur so heißt, aber nicht so aussieht. Aber es bietet Erweiterungsmöglichkeiten für die nächsten Anwälte die noch kommen.

Untergebracht werden müssen aber erst mal die eindrucksvollen Fotografien von Austmann – und das sind sie beileibe nicht nur wegen ihrer monumentalen Größe. Es sind schwarz-weiß-Fotos von Industriebrachen oder Menschen auf der Strasse – meist in den Vereinigten Staaten. Da werden seine Werke übrigens auch von einem Galeristen gehandelt – unter einem Pseudonym, das er streng hütet. Noch sind die Wände im neuen Büro leer, aber das dürfte nicht lange so bleiben. Bilder hat er schließlich genug – sie alle hingen bei Allen & Overy, selbst die Konferenzräume waren nach ihnen benannt.

 

Fotografie von Thomas Austmann

Fotograf Austmann

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Austmanns neue Konferenzräume sind bestückt mit Scheinwerfern wie beim Film und werden deshalb auch nach Kinofilmen wie Casablanca, Metropolis oder Fitzcarraldo benannt.

Dem Startteam sind „alle Mandanten zu 100 Prozent“ gefolgt, wie sie stolz berichten. Zu denen gehören immerhin Namen wie der Entsorger Remondis, der Bell-Konzern oder der Hidden Champion Blücher-Gruppe.  Und bei der kommt er ins Schwärmen, über deren Produkte wie geruchseliminierendeTextilien die Jägern helfen, nicht vom Wild gewittert zu werden. Oder ihren schußsicheren oder stichfesten Westen und Atemschutzmasken.

Allzu lange hat es Austmann nicht bei den Briten gehalten: Erst 2007 hatte er für Allen & Overy das Düsseldorfer Büro eröffnet.

Laut Wikipedia ist „Allen & Overy ist eine weltweit agierende Rechtsanwaltskanzlei mit Sitz in London.“ Sie „wird zum Magic Circle führender britischer Kanzleien gezählt und berät große Unternehmen, Finanzinstitutionen und Regierungen.Seit ihrer Gründung im Jahr 1930 hat sie sich zu einer der größten Kanzleien der Welt mit 5000 Mitarbeitern, davon 2700 Anwälten weltweit entwickelt.“ In Deutschland ist die Kanzlei laut Wikipedia „mit 175 Rechtsanwälten in Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Mannheim und München vertreten und machte im Geschäftsjahr 2011/12  rund 113 Millonen Euro Umsatz“. Vorher waren zumindest Austmann und Nina Böttger bei Freshfields.

 

Austmann & Partnerinnen Nina Böttger (l.) und Sorika Pluskat

Warum Austmann & Co. von dannen zogen? Natürlich hat man sich in aller Freundschaft getrennt. Klar. Würde jeder sagen. Hat man sich womöglich auch schriftlich zugesichert.

Aber ein wenig spekulieren wird erlaubt sein. Vielleicht ist für Juristen wie Austmann, die ein Typ sind – so viele Top-Anwälte stellen sich keine Musikinstrumente in ihr Zimmer – eine britische Kanzlei irgendwann zu eng. Denn die streben eher mal nach dem Brand, wo der einzelne Charakter bitteschön nicht unbedingt eine starke Rolle spielen soll. Ist er doch schlechter austauschbar und läuft auch überhaupt nicht brav genug auf der Spur.

Einer wie Austmann hat seine eigenen Mandanten und das ist bei britischen oder amerikanischen Law Firms vielleicht gar nicht so gewollt. Da reichts womöglich, die Mandate, die übers Netzwerk kommen, abzuarbeiten.

 

Nur eins lässt Austmann raus: Dass es gefühlt bei jedem zweiten Mandant eine Kollision gab, dass schon irgendein anderer Anwalt von Allen & Overy bereits auf der Gegenseite tätig war. Und wenns in noch so kleinem Umfang ist, den Mandanten muss man wegschicken. Das macht keine Freude, gerade wenn die Zahl der Banken in den vergangenen Jahren gesunken ist.

Und wer meint, Austmann sei doch bei Hengeler Mueller, der irrt. Zwar arbeitet Andreas Austmann keine 300 Meter weiter um die Ecke. Doch der Austmann, der dort Partner ist, heißt mit Vornamen Andreas – auch Corporate-Anwalt und ebenso humorvoll und souverän.

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