Die Beförderungspipeline ist schuld – Unternehmen bemerken nicht, dass sie genug Frauen an Bord haben, die nur auf Beförderung warten, zeigt eine BCG-Studie

Studien zum Reizwort Frauenquote gibt’s inzwischen so manche – in unterschiedlichster Form und Qualität. Doch so langsam kommen die ersten zutage, die den Tatsachen mal auf den Grund gehen. Sie versuchen zu klären, wieso gerade die Deutschen peinlicherweise ihre Frauen so schlecht behandeln und über Jahrzehnte im Job diskriminieret haben – so dass in den Führungsetagen immer noch fast keine sitzen, obwohl sie seit Jahrzehnten die besseren Abis und Uni-Examina hinlegen. Und Mutter wurde auch nur jede zweite Frau, so dass die andere – jede zweite – durchaus für eine Männerkarriere zur Verfügung stand und steht.

Von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) kam heute eine kluge Untersuchung mit dem Fazit: Das ganze Dilemma manifestiert sich beim Thema Beförderung. Befragt wurden 44 international agierende Konzerne aus verschiedensten Ländern wie USA, Indien und vor allem aber Norwegen – wegen der Frauenquote, die da seit Jahren gilt. In Deutschland war jedoch die Schwerpunkt-Untersuchung angelegt, allein 15 der Dax30-Konzerne wurden von BCG eingehend befragt.

 

Fehlendes Problembewusstsein

Danach sind die größten Hinderungsgründe, die Frauen von Top-Managementpositionen bislang ausschließen, laut Rainer Strack, Partner bei BCG:

– „Den Managern fehlt häufig das Bewusstsein, dass Frauen in ihrem Unternehmen überhaupt  benachteiligt werden“, sagt Strack. Im Klartext: Die Entscheider sind auf dem Auge blind – warum auch immer, ihnen mangelt es am nötigen Problembewusstsein.

– Immer noch glauben – vor allem die Männer an der Spitze -, man brauche nur das Kinderbetreuungsproblem lösen und habe damit auch den Weg für Frauenkarrieren auf breiter Front frei gemacht. „Das ist aber häufig ein Irrtum, es gibt ja auch viele Frauen in der Unternehmenswelt über 50 Jahre, die keine dieser Angebote brauchen“, so Strack. Und das sehen die Frauen, das belegt die BCG-Studie – vor allem auch selbst so: Kindergartenplätze sorgen keinesfalls für Frauenkarrieren. Denn nur für die jüngeren Frauen sind die ja überhaupt ein Thema – eine gewisse Zeit lang.

Stracks Erklärung: „Männer schauen anders auf dieses Thema. Sie brauchen erst mal eine Analyse und Zahlen, damit es bei ihnen ankommt.“

Rainer Strack, Partner der Unternehmensberatung Boston Consulting Group

 

Männliche Auswahlbrille

Doch was ist es nun, was die große Blockade darstellt? Stracks Analyse: „Es liegt am inadäquaten Management der Talente-Pipeline. Es ist vor allem ein Beförderungsthema.“ Denn die Unternehmen rekrutieren durchaus auch viele Frauen, diese kommen aber nicht oben an. Schuld ist die männliche Auswahlbrille, wie Strack urteilt. Männer befördern, wer ihnen selbst ähnlich ist – also Männer. Frauen dagegen werden viel langsamer – wenn überhaupt – befördert.

Das belegt ein sehr interessanter Vergleich innerhalb der BCG-Studie: Ein deutscher Konzern hatte vor sieben Jahren 100 Männer und 100 Frauen eingestellt für erste Management-Funktionen. Im Jahre 2011 aber zeigte sich, dass von diesen Nachwuchsleuten – die im Unternehmen geblieben waren – die Frauen viel seltener befördert worden waren und viel länger auf den einzelnen Stufen stehen geblieben waren. „Obwohl  die Frauen besser performed hatten als die Männer.“

Stracks Vorschlag – um dem Dilemma abzuhelfen, ist: Die Beförderungsgremien sollten pari-pari mit Männern und mit Frauen besetzt werden. Dann würden auch mehr Frauen schneller zum Zuge kommen auf der Karriereleiter.

 

Keine Frauenförderung von Frauen, die´s geschafft haben

Da die Managerinnen, die bislang den Weg an die Spitze schafften, sich aber allesamt keinen besonderen Ruf als Frauenförderinnen gemacht haben, ist dieser Ansatz sicher eine Idee. Aber ob es wahrscheinlich ist, dass Frauen plötzlich für mehr Frauenbeförderungen sorgen? Eher nicht – wie die vergangenen Jahre gezeigt haben.

 

Warum sollen es andere Frauen leichter haben?

Zumal gerade unter den weiblichen Vorständen noch keine einzige für eine Frauenquote eingetreten ist, sondern im Gegenteil. Meist sitzen sie im Schmollwinkel mit der unrühmlichen Haltung: Ich musste kämpfen, ich musste mich alleine hochboxen, warum sollen es andere leichter haben?

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Alle Kommentare [3]

  1. Diese Aussage ist ohne Relativierung so wie sie geschrieben wohl ziemlicher Unsinn. Wer heute an Hochschulen in die Vorlesungen mit technischen Fächern sieht findet auch heute kaum Frauen dort trotz langjährigen girlsdays etc.. Frauen interessieren sich bis heute wenig für die Fakultäten, die unsere Industrie nun mal ausmachen. Da steckt der Hauptgrund.
    Pipeline gibt es übrigen auch an Schulen und Unis, nur dort werden diese staatlich gestützt und sie richten sich gegen Jungens und junge Männer. Pädagogik Professorinnen und Lehrerinnen sagen ganz offen, dass sie Jungens diskriminieren, ohne, dass dies Konsequenzen hätte. Z.B. Frau Faulstich-Wieland breitet (etwa vor 1-2 Jahren) dies in einem offen Interview in der Zeit (auch online) aus. Seltsamerweise ist das Wort Diskriminierung und Gleichstellung ausschließlich für Frauen definiert. Und trotzdem darf diese Frau weiterhin Lehrerinnen ausbilden.
    Über gesetzliche Maßnahmen gegen Diskriminierung von Männern wird nicht einmal diskutiert, denn trotz Bildungsbevorzugung von Frauen gibt es an allen(!) Bildungseinrichtungen nur weibliche Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte, die auch ausschl. Frauen fördern. Der Unterschied zwischen beiden kann z.B. im HGlG dem hessischen Gleichstellungsgesetz nachgelesen werden.

  2. Der Fakt, dass es weniger Frauen gibt, die sich für die technische Fakultäten interessieren ist offensichtlich. Darum geht es auch nicht. Es wird ja auch über die Branchen gesprochen, wo sowohl Männer als auch Männer gleichgestellt sind, wie z. B. Medien- Branche. Noch eine Vermutung, warum die Frauen weniger befördert werden äußert der Artikel von Stefanie Senfter der Redakteurin einer Wirtschaftszeitung: „Frauen treten nicht auf die Füße ihres Chefs, um aufzusteigen oder mehr Gehalt zu bekommen. Aber sie erwarten es“. Das heißt – die Frauen wollen nicht darüber reden, die Männer wollen nicht darüber denken: https://www.marktundmittelstand.de/kommentare/der-wille-der-frau/
    Wiellicht ist das eine rein psychologische Einstellung?

  3. Klasse Blog und guter Artikel über eine interessante Studie von BCG. Auch wenn es inzwischen so viele Studien gibt und wir es eigentlich längst wissen. Es ist schön, dass ein Mann aufsteht und sagt, dass seine Geschlechtsgenossen einfach nichts verstanden haben … und viele Frauen auch nicht. Bei den Männern ist es blos schlimmer, weil sie in den Machtpositionen sind.