Arme, junge CEO´s – denen unter anderem das Tempo der Nachrichtenströme das Leben schwer macht

Es ist schon vertrackt mit den Anforderungen der neuen Medien, besonders für Bosse. „Der äussere Druck auf die Unternehmenslenker hat massiv zugenommen.“ Vor allem: „Die meisten CEO´s stehen der Grundgeschwindigkeit, wie man mit den neuen Medien umgehen muss, unsicher gegenüber,“ berichtet Klaus-Peter Gushurst, Deutschand-Chef der Unternehmensberatung Booz & Company. Und dass sie klagen, der Umgang mit den neuen Medien sei für sie eine Belastung.

Denn: Der mediale Druck ist gestiegen und wie man kommuniziert, ist kompliziert geworden. Gushurst schildert : „Wie reagiert man adäqaut und mit welchem Medium auf irgendwelche Gerüchte?“ ist eine der zentralen Fragen heute – und leider ohne jede Patentlösung. Für die PR-Abteilungen ist es ebenso Neuland wie für die Unternehmenslenker.

Und Gushurst skizziert, wie die Geschwindigkeit der Nachrichtenströme den Managern heute zusetzt: So ein Konzern-Chef sei schon arm dran, wenn er etwa eine Betriebsversammlung abhält. Schon eine Stunde später wird im Netz verbreitet, was er gesagt hat- und was nicht. Die Erfahrung, wie man aber mit solchen schnellen Medien umgeht, ist bei den CEO´s noch nicht angekommen.

Das Problem nämlich ist: Kokettieren sie meistens doch sogar noch damit, dass sie lieber nicht auf Twitter oder Facebook alles von sich preisgeben wollten. Und sie zeigen schon damit, wie wenig Ahnung sie von beidem haben. Und wie wenig sie begriffen haben, wovon sie sich gerade so gefällig belächelnd distanzieren.

 

„Ach wissen Sie, ich bin old fashioned“

Meist grinsen sie dann triumphierend, wenn sie dann sagen „Wissen, Sie, ich bin old-fashioned. Ich mach´so was nicht.“ Fast, als wäre es etwas Unanständiges. Gemeint ist aber: Ich will mir keine Mühe geben, zumindest zu verstehen, worum es jeweils geht. Dass es zum Beispiel der Tweet eines Studenten war, der den Stein ins Rollen brachte, weswegen letztlich der Ex-Bundespräsident Horst Köhler zurücktrat – das hat fast keiner realisiert. Oder ganz schnell vergessen.

Auch dass es Tweets waren, die die New Yorker Redaktionen auf den notgelandeten Flieger auf dem Hudson-River erst aufmerksam machten.

Oder trauen sich Top-Entscheider einfach nicht? Nach einem Business-Frühstück zum Thema Social Media der Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons in Düsseldorf in aller Frühe tauschten sich im Fahrstuhl ein Geschäftsführer und seine Assistentin aus. Der Herr offenbarte ihr, dass es ihm Angst und Bange sei bei dem, was da auf ihn zukäme mit Dingen wie Facebook oder Twitter.

Dabei haben die neuen Medien durchaus Vorteile und das hat die Presse den managern in den vergangenen Jahren auch nicht vorenthalten. Unternehmensberater Gushurst erinnert an Obama, der im Präsidenten-Wahlkampf 2008 die neuen Medien sehr gut zu nutzen verstanden habe. Ihm war es gelungen, via Internet Wähler zu gewinnen. Schlüsse für ihre eigene Arbeit haben die Wirtschaftsbosse hierzulande daraus nicht gezogen.

Anders als Bill Gates zum Beispiel ist kaum einer von ihnen bei Twitter vertreten – eher schon Politiker wie Dagmar Wöhrl oder Hannelore Kraft.

Früher reichte ein Zeitungs-Interview

Der Münchner Gushurst berichtet: „Früher traf ein Unternehmenslenker eine unpopuläre Entscheidung, dann gab er zwei Tage später großes Interview in einer der großen überregionalen Zeitungen – und die Sache war klar. Man konnte danach wieder zur Tagesordnung übergehen.“ Damit ist es heute nicht mehr getan, vergleicht er.  Es gebe ein generelles Thema rund um die Authenzität, so Gushurst. Die Bevölkerung will heute nämlich zum einen nicht mehr belogen werden. Und zum anderen wollen sie „keine weichgepülten Nachrichten mehr bekommen“.

Noch aus Betriebsversammlungen senden die Mitarbeiter die ihnen verkündeten, heissen Nachrichten  per SMS, Mail, Facebook oder Twitter raus aus dem Firmengelände in alle Welt. An unbestimmte Adressaten und an Info-Kanäle, die vor allem die Journalisten als fortlaufenden Informationsstrom schätzen. Ebenso wie sie selbst permanent Infos hinein geben.

 

Rauer Wind, gefeuerte Manager

Ganz schnell wird es für Manager dann nämlich ruckzuck ungemütlich. Dem sie manchmal auch zum Opfer fallen: „Sobald der Wind rauer wird, werden die Vorstände gefeuert“, resümmiert Booz-Chef Klaus-Peter Gushurst. Ist die konjunkturelle Lage gut, dürfen die Chefs auf ihren Posten bleiben. Doch sobald ein Unternehmen restrukturiert werden soll, werden neue Manager von aussen an Bord geholt, erzählt der Spezialist für die Autobranche. Die Externen sind denn auch in den ersten zwei Jahren erfolgreich – anscheinend. Erfolgreicher als Manager, die intern die Karriereleiter hochgeklettert sind. Die externen Manager greifen schneller und härter durch, als es diejenigen Top-Manager täten, die schon lange in der Company sind. „Doch in einem stabilem Umfeld, sind regelmässig die Manager erfolgreicher, die innerhalb ihrer Firma an die Spitze geklettert sind.“

Auf Restrukturierungsmanager folgen Strategen

Externen Managern passieren dagegen regelmässig diese Fehler: „Sie kennen die Firma nicht so gut, sie fördern die falschen Führungskräfte – und sind bei Handlungsbedaf unbefangener“, beobachtet Gushurst. In den Vereinigten Staaten müssen diese Restrukturierungsmanager meist nach zwei Jahren wieder gehen, dann haben sie ihre Hausaufgaben erledigt und für die Firma wird es Zeit, sich jetzt wieder einen Strategen zu suchen. Denn: Wer ein Unternehmen strategisch neu ausrichten will, muss es gut kennen – so wie Ex-Chef von BASF Jürgen Hambrecht und sein Nachfolger Kurt Bock.

 

49,5 Jahre alt und schon CEO

Wenn also Manager nur noch für Phasen des Unternehmens gebraucht werden und ihr Verschleiß steigt, ist es kein Wunder wenn die CEO´s  immer jünger werden: 49,5 Jahre ist heute – so hat es Booz kürzlich in einer Studie erforscht – das Durchschnittsalter, mit dem Vorstandschefs auf ihrem Posten landen.

 

Sieben Jahre bleiben CEO´s heute im Schnitt im Amt

Das Prinzip „Hire and fire“ wird in Deutschland gelebt, weniger in den Vereinigten Staaten, vergleicht Gushurst. Auch wenn hierzulande die Verweildauer – der Ausdruck klingt eigentlich zu gemütlich – der CEO´s wieder auf sieben Jahre angestiegen, nachdem er vor vier Jahren auf 4,5 Jahre gesunken war. Der Grund: Renditen, Aktienkurse und Umsätze stimmen.

Zumal, so meint Gushurst aus seiner langen Beratererfahrung, ein Wechsel unter fünf Jahren keinen Sinn hat. Zum Vergleich: Die Verweildauer von CEO´s beträgt international im Schnitt 6,5 Jahre.

Im deutschsprachigen Raum lag die Fluktuationsquote bei 16,7 Prozent – und hat sich damit von 8,7 Prozent in 2010 verdoppelt.

Im Detail: Der Health-Care-Sektor hatte 2011 die höchste CEO-Fluktuationsquote mit 33,3 Prozent. Bei der Bank- und Versicherungswirtschaft lag sie bei 11,1 Prozent, in der IT-Branche bei 15 Prozent.

 

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