Das Finale der Serie – und ihre Auflösung: „Aussterbende Insignien der Macht“ (10) von Frank Dopheide, Agentur Markenarbeit

Die neuen Insignien der Macht

Frank Dopheide, Gründer und Chef der Düsseldorfer Agentur Deutsche Markenarbeit  hat – vielen Dank nochmal an dieser Stelle dafür! – in den vergangen neun Folgen gezeigt, welche Insignien der Macht ausgedient haben. Zum Abschluss der Serie verrät er, woran man heute erkennt, wer tatsächlich Macht hat: 

Wenn goldenen Manschettenknöpfe, Monogrammbestickte Hemden, und Siegelringe als Insignien der Macht nicht mehr zeitgemäß sind, drängt sich die Frage auf, woran erkennt man die wichtigen der Welt denn heute noch. Was löst die aussterbenden Insignien ab?

 

Frank Dopheide, Gründer und Chef der Agentur Deutsche Markenarbeit

Die Insignien der Macht sind subtiler und hintergründiger geworden und wertvoller. es sind keine schnöden Gegenstände mehr, die sich jeder Trittbrettfahrer und Möchtegern-Mächtige zulegen kann.

Hier die Top-3 der Zeichen, um die fleißige Spreu von dem entscheidenden Weizen zu trennen.

 

Nummer 1. Zwei persönliche Assistenten/innen. In Zeiten globaler unerbittlicher Controler-Herrschaft hat die gesamte zweite Führungsebene ihre geliebte persönliche Assistenz verloren. Im besten Fall teilt sich ein ganzes Team eine Kraft, aber meist ist es heute an dem Manager selbst, seine Präsentationen zu schreiben, die Reisekosten nachzuhalten und den Geburtstag der Gattin gut sichtbar in die Wiedervorlage zu platzieren.

Nur das Top Management hat sich diese wirkliche Rettungskraft, bei einigen auch Tagesmutter, erhalten. Und nur der CEO, der Bundespräsident und Uli Hoeness haben ihrer zwei. Sie schaffen viel weg, halten den Kopf des Chefs frei von lästigem Kleinkram und sind Herrin über Kalender, Abrechnungen und soziale Termine. Nie waren sie so wertvoll wie heute.

 

Nummer 2. Der Herrscher der Zeit. Im Universum der Getriebenen und Gehetzten ist er der Taktgeber. Das Büro, das Unternehmen und der Großteil der westlichen Welt richtet sich nach ihm. Er ist der Sekundenzeiger und Taktgeber, der den Rhythmus seiner globalen Produktionsmaschine vorgibt.

 

Nummer 3. Er ist der Erreichbarkeitsfalle entkommen. Während flotte Arbeiter jederzeit (bis zum anders lautenden Gerichtsurteil) auf dem Sprung und am Blackberry- oder iPhone-Drücker sind, ist der CEO im geschützten Raum unterwegs. Seine Mails werden abgefangen, sortiert, bearbeitet und nur die wichtigsten zur Vorlage gebracht. (Was für eine wunderbare Vorstellung – keine cc mails der sicherheitsbedürftigen „Forwarder“ lesen zu müssen). Die besten unter ihnen, nutzen ihr Handy nur zum telefonieren. Karl Lagerfeld hat gar keins, das verschafft ihm Luft zum Denken und Schaffen. Uli Hoeness hat eins, braucht aber keine Mailbox, denn wie er mir sagte: „Wenn es wichtig ist, rufen die schon wieder an“.

 

Daran erkannt man wahre Größe.

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Alle Kommentare [1]

  1. Ein gelungener Beitrag. Ich finde es klasse, dass sich ein kreativer Markenprofi wie Frank Dopheide mit dem Thema ‚Mensch als Marke“ so unkonventionell und dennoch kritisch auseinander gesetzt hat. Warum sollten für Menschen andere Spielregeln gelten als für Marken? Bei beiden haben gewisse Insignien irgendwann ausgedient bzw. wirken sogar kontraproduktiv. Man denke nur an Werbefilme von vor 30 Jahren, in denen der Hausfrau ein schlechtes Gewissen eingeredet wurde, weil sie nicht mit einem bestimmten Weichspüler gewaschen hat… ich denke heute würde man mit dieser Kampagne nicht eine Flasche mehr verkaufen… und das gleiche gilt für „aus der Mode“ gekommene Insignien der Macht bei Personen….sie wirken nicht mehr, der gewünschte Erfolg bleibt aus. Toller Beitrag. Danke!