Gribkowskys langer Weg zurück in die Rechtsgemeinschaft – der ihn nicht bewahrt vor 8,5 Jahren Haftstrafe

Dass Gerichte in den Vereinigten Staaten hohe Strafen für Korruptions-Täter verhängen, ist bekannt. Doch dass ein Gericht wie das Landgericht München nun ebenso vorprescht und Gerhard Gribkowsky – den Ex-Vorstand der Bayern LB – gleich zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, überrascht denn doch. Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung von 15 Millionen Euro heißen die Vorwürfe. Höher war die Strafe deshalb nicht ausgefallen, zum Beispiel auch weil er gesundheitliche Probleme mit dem Herzen hat – denn eigentlich hatte die Staatsanwaltschaft zehn Jahre Freiheitsstrafe beantragt. Das Höchstmaß wäre gar 15 Jahre gewesen.

Diese hohe Strafe dürfte „in deutschen Vorstandsetagen für hohe Aufmerksamkeit sorgen“, schätzt Markus Rieder, Compliance-Experte der Kanzlei Shearman Sterling in München, der sich einen Namen machte durch seine Beteiligung an den Korruptionsfällen bei Daimler und bei Ferrostaal. „Das höchste der Gefühle waren in  jüngerer Zeit  wohl fünf Jahre für einen Ki.Ka-Manager im Jahr 2011 wegen Bestechlichkeit und Untreue“, vergleicht Rieder.

Warum sie in diesem Fall gerade so exorbitant hoch ausfällt, darüber kann man derzeit nur spekulieren – das Urteil liegt in Schriftform mit allen Begründungen noch nicht vor.

Natürlich war die Summe besonders hoch: 44 Millionen Euro hatte der Banker Gribkowsky zwischen 2005 und 2007 an Bestechungsgeld kassiert von Formel-1-Chef- Bernie Ecclestone. Zum Schaden seiner Bank: Der wird auf 32 Millionen Euro beziffert. Dass Ecclestone als nächster vors Gericht muss, wird nun spekuliert.

Bemerkenswert ist aber eins: Gribkowsky ließ acht Monate lang alle anderen schuften, mühsam Beweise zusammentragen und Gutachten erstellen – und bequemte sich erst ganz am Schluss der Verhandlung sein Geständnis abzulegen. Acht Monate lang schaute er den Bemühungen der anderen schweigend zu – doch die Richter kommen sich jetzt nicht mal vorgeführt vor? Mitnichten, sie lobten bei der Urteilsverkündung ausdrücklich seinen Weg zurück in die Rechtsgemeinschaft.

 

Markus Rieder, Compliance-Anwalt bei Shearman Sterling

Hauptsache, es kommt

Die Richter scheinen da eine andere Denke drauf zu haben: „Ein Geständnis findet ein Richter immer relevant, auch am letzten Tag“, erklärt Anwalt Rieder. Warum das Geständnis überhaupt noch kam, wo es eigentlich an allem nichts mehr änderte und dem Gericht auch keineswegs die Arbeit erleichterte? „Womöglich nur, um nicht alleine bestraft zu werden“, überlegt Rieder.

 

Bestochene haben´s besser als Kartellsünder

Kartellsünder haben es da schwerer, wenn sie die Kronzeugenregelung beanspruchen und gestehen wollen. Sie müssen sich einem Windhundrennen stellen, um überhaupt eine Chance zu haben auf eine Reduzierung ihrer Strafe.

 

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ex-bayernlb-vorstand-gribkowsky-zu-acht-jahren-haft-verurteilt-a-841354.html

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Alle Kommentare [1]

  1. Die „Strategie“ der Verteidiger Gribkowskys ist zudem wohl ziemlich „in die Hose gegangen“, nun ja, war wohl auch nicht gerade Bundesliganiveau….