Wenn Piloten im Cockpit einschlafen und Ärzte Papierkram abarbeiten statt zu heilen

 
 
Die Vereinigung Cockpit offenbarte vor einigen Tagen Ungeheuerliches: Kaum ein Pilot sei noch nicht im Cockpit eingenickt oder musste schon einen eingeschlafenen Kollegen wecken. Die „Frankfurter Rundschau“ zitierte eine Pilotin namens Julia Hansen, dass „70 Prozent aller Flugunfälle wegen Übermüdung enstehen“. Und Ilja Schulz, Chef der Vereinigung Cockpit, packt im selben Artikel sogar aus: 37 Prozent der Piloten hätten intern schon zugegeben, dass sie schon aus Übermüdung im Cockpit eingeschlafen seien. Hintergrund der rückhaltlosen Offenheit: Die Arbeitszeiten der Piloten sollen europaweit neu geregelt werden und ab dem nächsten Jahr auf elf Stunden erhöht werden. Obwohl schon jetzt die wissenschaftlichen Erkenntnisse laut Pilotenvereinigung Cockpit zeigen, dass die menschliche Belastbarkeitgrenze schon jetzt erreicht sei.  http://www.derwesten.de/nachrichten/piloten-sehen-wegen-uebermuedung-sicherheit-im-flugverkehr-gefaehrdet-id6583938.html

 
Und deshalb demonstrierten vergangene Woche 300 Leute – zumeist Piloten – vor der Zentrale der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) in Köln.
 
 
Schnarchende Piloten bekommen weniger Aufmerksamkeit als eingeschaltete Handys
 
Danke sehr. Ich frage mich gerade, wie lange LKW-Fahrer am Stück am Steuer sitzen dürfe, wie viele Brummifahrer im Halbschlaf auf Stauenden brettern, dabei zig Menschenleben gefährden oder auch auf dem Gewissen haben und wie oft ich schon besorgt in den Rückspiegel geschaut habe, ob auch kein LKW hinter mir auf mich aufzufahren droht. Was werde ich nächstes Mal im Flugzeug überlegen?  Ob der Pilot ausgeschlafen ist? Wieviele Einsätze er gerade hinter sich hat, ob beide Piloten gar einträglich schnarchen mögen – Gähnen ist ja bekanntlich ansteckend? Und wenn man dagegen bedenkt, wieviel Theater an Bord ums Ausschalten der Handys veranstaltet wird – obwohl klar ist, dass kein Flugzeug abstürzt wegen eines eingeschalteten Mobiltelefons. Doch wenn der Pilot vorne schnarcht und viele Menschenleben gefährdet sind, -ist nicht so wild?
 
In ähnliche Richtung geht das, was grade die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zu einer Umfrage des NAV-Virchow-Bundes zu sagen haben: Danach haben die Kassenärzte im Schnitt eine 55-Stunden-Woche.  laut „Rheinischer Post“  http://www.rp-online.de/gesundheit/news/kassenaerzte-haben-eine-55-stunden-woche-1.2840018?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=wirtschaft
 
 
Na  Bravo. Jetzt würde mich interessieren
a) ab der wievielten Arbeitsstunde die Fehlerhäufigkeit am lebenden Objekt überproportional ansteigt und
b) wieso man sich diesen Unfug – den Verschleiß von Medizinern – leistet, wenn doch die Demographie und der aufziehende Ärztemangel erforderlich machen,  auch die alten Hasen noch möglichst lange im Einsatz zu halten?
 
 
Viel Arbeit ist das eine, aber die Hälfte unproduktive, jobfremde Bürokratie ist eine Zumutung
 
Und weiter gehts im Text über den alltäglichen Wahnsinn: Ein wachsender Anteil der wöchentlichen Arbeitszeit – wissenschaftliche Studien gingen schon vor Jahren von bis zu 50 Prozent aus – gehe für die Kassen-Bürokratie drauf. Und die logische wie traurige Folge: Das ist die Zeit, die den Patienten an Zuwendung und Aufmerksamkeit flöten geht. Schlißlich kann sich keiner klonen, sondern seine Zeit nur einmal vergeben, entweder an Kranke oder für Papierkram für die Krankenkassenverwaltungen. Fragen Sie mal die Patienten, was Ihnen lieber ist – und um die sollte es doch eigentlich gehen, oder? – ob ihr Arzt Formulare ausfüllt, Diagnosen verschlüsselt undsoweiter oder ob er sich um sie und ihre Gesundheit kümmern soll.
Oder kann die Krankenkasse oder die Kassenärztliche Vereinigung irgend jemand kurieren?
 
 

PS: Das DIW wartet mit einer neuen Information auf, die hierz passt: Danach arbeiten insgesamt fast 900.000 Geringverdiener mindestens 50 Wochenstunden – zum Beispiel Kraftfahrer, Lagerarbeiter und Beschäftigte im Gastgewerbe. http://www.stern.de/panorama/geringverdiener-arbeiten-50-wochenstunden-und-mehr-1830741.html

 

 

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