Der Drilling – Gastbeitrag Frank Dopheide von Deutsche Markenarbeit zur Serie „Aussterbende Symbole der Macht“

 

Serie „Aussterbende Insignien der Macht“ Teil 3: Der Drilling – Gastbeitrag von Frank Dopheide, Gründer und Chef der Agentur Deutsche Markenarbeit in Düsseldorf.

Wer in Deutschlands Vorständen etwas auf sich hielt, war in seiner Freizeit gerne in der Natur unterwegs. Am liebsten im eigenen Jagdrevier. Ein großes Stück Land mit Wald und Wild – herrschaftlich und ursprünglich. Eine eigene Welt, in der die Männer unter sich blieben, Geschäfte machten und nebenbei so manches Stück Wild erlegten. Das eigene Revier wurde zur Eintrittskarte in den erlauchten Kreis der Wirtschaftsführer. Reviere waren teuer, heißbegehrt und schwer zu bekommen.

 

Teckel und Drilling

Als Erkennungszeichen dienten Teckel und Drilling. Des Jägers liebster Begleiter. Wie uns wikipedia erklärt: eine Kipplaufwaffe, die drei Gewehrläufe, Schrot- und unterschiedlich kalibrige Kugelläufe in einer Waffe kombiniert. Für Jäger, die bei ihrer jagdlichen Arbeit im Revier mit verschiedenen Wildarten in Berührung kommen.

 

Frank Dopheide, Deutsche Markenarbeit

Keine Geweihe mehr im Wohnzimmer

Aber die Zeiten änderten sich. Das Geweih wurde aus dem Wohnzimmer verbannt. Der eigene Nachwuchs schlug sich auf die Seite der Tiere. Die Bauern entdeckten den Wildschaden als neue Einnahmequelle. Und der Teckel wurde der treue Begleiter von Hausmeister Krause. Gleichzeitig wuchs die Belastung im Job und das Zeitfenster für das jagdliche Revier wurde kleiner. Der Vorstand tauschte seinen Drilling gegen den Driver. Das Golfrevier liegt vorteilhaft gleich vor der Haustür, ist weniger schadensanfällig und ebenso geeignet, um gute Geschäfte zu machen. Und sollte man jemals einen Pokal „erlegen“, darf dieser mit dem Segen der Ehefrau offen im heimischen Wohnzimmer ausgestellt werden.

 

Ein Vorstand ohne einen Jäger?

So kam, was kommen musste, der jagende Wirtschaftsboss wird selbst zur aussterbenden Rasse. Seine liebste Waffe, der Drilling, fristet ein kümmerliches Dasein im dunklen Waffenschrank. In den Vorstandsetagen gilt das Gesetz der Wildnis nicht mehr, oder wie mir kürzlich eine Mandantin erzählte: „Zum ersten Mal in der hundertjährigen Geschichte unseres Unternehmens haben wir keinen Jäger im Vorstand. Wir sind auf einem guten Weg“.

Weidmannsdank.


http://www.deutschemarkenarbeit.de/

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