Heiteres aus den Agenturen: Eine „Großelternzeit“ als Job-Auszeit?

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder sorgt schon wieder für Heiterkeit. Nach der Soft-Frauenquote, bei der sie sich anscheinend anfangs selbst nicht überlegt hatte, was das sein soll, wartet sie jetzt mit einem neuen lustigen Vorschlag auf. Da vermeldet gerade die Nachrichtenagentur dda: „Schröder will Großelternzeit
einführen“.

Da werden sich die Unternehmen freuen: Planungsunsicherheit und neue Bürokratie

Großartig. De Unternehmen, die gerade bemerken, dass ihnen nichts anderes übrig bleiben wird, als ihre alten Hasen nolens volens doch zu behalten und lieber nicht weiter in großem Stil ab dem 53. Lebensjahr in die Pampas zu schicken – weil ihnen nämlich die Fachleute dann fehlen – sollen diese jetzt hergeben wollen für die Hege und Aufzucht der nächsten deutschen Baby-Generation? Na die werden sich freuen. Neue Bürokatiemonster, neue Unsicherheiten und die erfahrenen Leute, die den Schlingerkurs junger hungriger Wölfe – so nennt man die jungen Kollegen gerne, um Gestandene auf die Palme zu bringen –  irgendwann zu korrigieren, sind für die Unternehmen dann auch nicht mehr einplanbar, sondern ratzfatz weg an die Wiege der Enkelkinder. Zur Freude der Personalabteilungen, denen auf dem Wege die Arbeit zwar nicht ausgeht, aber zu konstruktiven vorwärts gerichteten Aufgaben kommt man so nicht mehr. Denn ganz sicher sind solche Konstruktionen mit vielen formularen und Fußangeln dann verbunden, wenn´s soweit kommt.

Das Ganze klingt wie aus tausenundeiner Nacht, nämlich wie ein Märchen: Da sollen junge Omas und Opas – die ich im Arbeitsalltag übrigens kaum treffe wg Aussortiert – nochmal und vielleicht sogar erstmals bei Männern ins Windeln und Baby-Füttern einsteigen. Fragt sich nur, ob die das wollen und ob die Mamis und Papis das ebenso wollen.

Zum einen wohnen die Generationen ja oft gar nicht mehr als selben Ort – wir huldigen schließlich der flexiblen Gesellschaft, in der Arbeitnehmer  jedem Unternehmen an jeden Ort folgen sollen. Soll dann also die junge Oma, die noch keine 60 ist in ihrem Wohnort in Frankfurt alles stehen und liegen lassen und sich für ein halbes Jahr bei Tochter und Sohn in Stuttgart einnisten? Das wird eng und der Familienknatsch ist vorprogrammiert. ganz abgesehen vom jungen Opa, der auch nicht alleine in Frankfurt bleiben will so lange.

Die ganz andere Frage ist, ob die frischgebackenen Eltern diese Auszeiten nicht lieber selbst nutzen wollen und die Zeit „mit dem Kind genießen“, wie es immer so schön heißt? Die ist ja tatsächlich ruckzuck um: „Kinder sind ein durchlaufender Posten“, sagte mir erst kürzlich so eine Großmutter wehmütig, die sich für ihre Enkelkinder über die Massen der Normalos etliche Jahre vier Tage die Woche (jedes Kind bekam 2 Tage) eingesetzt hat. Spätestens mit 16 Jahren entfernen sich die Kinder im Affenzahn von den Rockschössen der Eltern und wohnen mitnichten wie in Italien bis zum 30.Lebensjahr und länger mit den Eltern unter einem Dach.

Dazu kommt: ich kenne nicht viele Fälle, in denen sich Großeltern so einbringen wollen – oder einbringen können. Sind die Kinder Akademiker, sind die Großeltern mindestens 65 Jahre und künstliche Hüften oder sonstwelche Malessen stehen im Wege. Die kann Frau Schröder also auch nicht meinen, denn die können mit ihrer Zeit ohnehin machen was sie wollen und sind längst nicht mehr im Arbeitsalltag eingebunden.

Und wollen die anderen das überhaupt? Wer geht dann auf die Kreuzfahrten?

 

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