Krankheiten, die amtliche Behinderungen sind, muss man dem Chef offenlegen

es ist ein zweischneidiges Schwert mit den Behinderungen bei Arbeitnehmern. Einerseits gibt es viele Behinderungen, die nicht mal weiter auffallen müssen von Diabetis bis Schwerhörigkeit. Andererseits stellen die Unternehmen kaum mehr Behinderte ein und bei den meisten ist die Zhl der behinderten Arbeitnehmer noch viel rascher gesunken als die von Nicht-Behinderten. Wer – was allzu oft als politisch korrekt hochgejubelt wird und in Talk-Shows zur allgemeinen Unterhaltung gern vorgeführt wird – zum Beispiel seine Krebserkrankung offen zugibt, wird bei Bewerbungsgesprächen prompt abgestraft mit absagen. Selbstverständlich aus ganz ganz anderen Gründen, versteht sich. Ein Schelm, der Arges dabei denkt.

Liest man aber die Pressemitteilung über das heutige Bundesarbeitsgerichtsurteil (Aktenzeichen 6 AZR 553/10), so lernt man als Erkrankter Neues dazu:

1. Im Bewerbungsgespräch kann man noch lügen – egal ob aus Scham oder um die Chancen nicht zu schmälern.

2. Hat man die Probezeit hinter sich – vorher kann man schließlich ohne Angabe von Gründen die Tür gewiesen bekommen – , sollte man peinliche Gefühle oder falschen Ehrgeiz sein lassen und die Karten auf den Tisch legen, oder besser den Behindertenausweis.

Denn: Wer sich vorher nicht als Behinderter zu erkennen gab, darf sich nach dem Rauswurf im Kündigungsschutzprozess nicht auf diese Behinderung berufen. Denn, so die höchsten Arbeitsrichter: beim erstellen des Sozialplans braucht das Unternehmen Planungssicherheit und muss um diese Umstände wissen. Die Nachrichtenagentur dpa schreibt: „In einem bestehenden  Beschäftigungsverhältnis kann der Arbeitgeber nach einer Schwerbehinderung fragen, wenn die
sechsmonatige Frist zum Erwerb des Sonderkündigungsschutzes für behinderte Menschen verstrichen sei,“ erklärten die Bundesrichter.

Ganz clevere Unternehmen entdecken übrigens die Behinderten als Profit-Center und knöpfen ihnen Stellplatzmieten für den Behindertenparkplatz von rund 100 Euro ab. Die Behindertenparkplätze müssen sie sowieso einrichten – und dann kann man die Rechnung auch gleich den Betroffenen aufbrummen.  

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