Alle M&A-Partnerinnen der Law Firms passen in einen VW-Bus

Barbara Mayer aus dem Corporate-Team der Kanzlei Friedrich Graf von Westphalen & Partner aus Freiburg/ Köln ist – zusammen mit Manuela Roeding von Hengeler Mueller – die erste Frau, die jetzt in den Ausschuss Gesellschaftsrecht* in der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) einzieht. Handelte es sich hierbei doch bislang um eine reine Männerveranstaltung – die wohl jetzt erstmals gezielt die andere Hälfte der Menschheit in ihre Auswahl einbezogen hat. Für den Management-Blog plaudert sie ein wenig aus dem Nähkörbchen:

Frau Mayer, eine Kollegin von Ihnen erzählte mir erst kürzlich, dass diejenigen Frauen im Bereich Corporate/M&A, die es geschafft haben, Partnerinnen zu werden,  locker in einen VW-Bus passen würden. Wer ist das aus Ihrer Sicht?

Es wurde Zeit, dass sich die Bundesrechtsanwaltskammer auch für Frauen öffnet, repräsentiert sie doch einen Berufsstand mit einem hohen Frauenanteil. Aktuell passen tatsächlich die weiblichen Partner der Großkanzleien aus dem Bereich Corporate / M&A noch locker in einen VW-Bus.

Barbara Mayer

…und wem begegnen Sie da so?

Mir fällt keine einzige Frau ein, der ich bei Verhandlungen in zahlreichen Transaktionen schon einmal gegenüber gesessen hätte. Wenn Frauen in unserem Bereich auftauchen, dann häufiger als Unternehmensjuristinnen. Insbesondere übrigens bei internationalen Unternehmen. Die wenigen Frauen, die im Bereich Corporate / M&A auf Partnerebene tätig sind, kenne ich von Veranstaltungen, vom Hörensagen oder wegen ihrer Veröffentlichungen. Das sind Daniela Weber-Rey von Clifford Chance, Daniela Favoccia von Hengeler Mueller (die kenne ich noch von der Uni). Bei Freshfields gibt es gleich drei Partnerinnen: Stephanie Hundertmark (auch die kenne ich von der Uni), Annedore Streyl und Hildegard Bison. Darüber hinaus gibt es noch Gabriele Rosskopf von Gleiss Lutz, Ulrike Friese-Dormann von Milbank, Gabriele Apfelbacher von Cleary Gottlieb, Ulrike Gantenberg von Heuking Kühn und Hildegard Ziemons (die kenne ich aus der Arbeitsgemeinschaft Handels- und Gesellschaftsrecht im DAV).

 

Können Sie sich dieses Phänomen erklären, wenn doch die Frauen schon seit Jahrzehnten die Unis bevölkern und durchaus gute Examina machen?

Grundsätzlich fehlt es – wie die kurze Liste zeigt – an Vorbildern. Gerade darum ist der Schritt der BRAK so wichtig, in den Ausschuss Gesellschaftsrecht erstmals zwei Frauen zu berufen. Aber es gibt auch andere Gründe für den Frauenmangel im Bereich Corporate / M&A: Frauen stürzen sich traditionell und immer noch bevorzugt auf Rechtsgebiete, die eher einen sozialen Touch haben. In den Großkanzleien ist das zum Beispiel das Arbeitsrecht, aber auch das öffentliche Recht. Partner werden Anwälte in aller Regel zwischen 30 und 40 Jahren. In dieser Phase sind aber viele Frauen mit ihren Kindern befasst und deshalb häufig nur in Teilzeit tätig.

 

…und Teilzeit-Partner sind nicht gerade erwünscht in Law Firms.

Sie führen jedenfalls Teilzeit-Partnerschaften erst in jüngster Zeit ein und waren vor zehn oder 15 Jahren noch undenkbar, jedenfalls gab es kaum welche. Wer im entscheidenden Moment in der Kanzlei nicht oder zu wenig präsent ist, hat wenig Chancen, seine Karriere fortzuführen. Und weil das so ist, haben viele meiner guten Kommilitoninnen sich damals gleich für den öffentlichen Dienst oder für die Tätigkeit in einem Unternehmen entschieden.

 

Sie hatten nie Probleme, weil Sie eine Frau sind?

Ich habe nicht das Gefühl, als Frau jemals übergebügelt worden zu sein. Das einzige, was ich berichten kann, ist die Verwechslung mit meiner Sekretärin oder der Sekretärin des Partners, bei dem ich als junge Anwältin gearbeitet habe. Deswegen rate ich allen tüchtigen jungen Anwältinnen zum Doktor-Titel. Das mindert die Verwechselungsgefahr und schafft Respekt.

 

Wie haben Sie reagiert, wenn man sie mit Ihrer Sektretärin verwechselt hat oder für eine Sekretärin hielt, eben weil sie eine Frau sind?

Wenn ich irgendwo angerufen habe, haben mich die Vorzimmerdamen meiner Gesprächspartner ab und zu erst malgefragt, mit welchem Anwalt sie denn verbinden dürften. Ich habe mir dann manchmal einen Spaß draus gemacht und gesagt, dass ich gleich mit Frau Dr. Mayer verbinden würde. Dann habe ich etwas gewartet und auf dem Schreibtisch geraschelt und mich anschließend mit `Rechtsanwältin Dr. Mayer`wieder gemeldet. Dann waren die Verhältnisse geklärt – und alle zufrieden.

 

* Das Gremium besteht aus elf Mitgliedern, die bei Gesetzgebungsverfahren Stellungnahmen zu Gesetzentwürfen und Expertenauskünfte sowie Einschätzungen in Ministerien oder im Parlament abgeben.

 

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