Wenn Mitarbeiterumfragen die Fluktuationsquote senken

Mitarbeiterbefragungen? Welch ein Unfug. Und teuer obendrein. Wirklich? So mancher Unternehmenslenker mag so denken – und in den vergangenen zehn Entlassungsjahren mag diese Devise auch Gültigkeit gehabt haben. So wenn sich das Blatt wendet und qualifizierte Mitarbeiter ganz plötzlich wieder erwünscht sind und nicht mehr nur noch in Abfindungsverhandlungen gezwungen und aus der Company gedrückt werden, sieht das anders aus.

Wenn ganz plötzlich Unternehmen nicht mehr wissen, wie sie ihre Lieferverträge erfüllen sollen, wo doch das Personal fehlt. Wenn Vertragsstrafen fällig werden oder Aufträge durch die Lappen gehen und abgelehnt werden müssen.

Dann, ja dann sind Mitarbeiterbefragungen nun doch ein Instrument, das nützlich ist – auch aus Sicht der Unternehmenslenker. Damit sich die Belegschaft ernst genommen fühlt und die Unternehmenslenker wissen, ob ihre Angestellten diesen Arbeitgeber ihren Verwandten und Freunden empfehlen – oder eben nicht: Die Managementberatung Kienbaum befragte 160 Personalchefs hierzulande. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie:  In fast allen Betrieben, wo Mitarbeiterbefragungen stattfanden, „wurden auf Basis solcher Mitarbeiterbefragungen Veränderungen angestoßen, die von den Mitarbeitern im Nachgang auch überwiegend positiv bewertet wurden.“

Des weiteren: 58 Prozent der befragten Personalchefs verzeichneten nach Mitarbeiterbefragungen sinkende Fluktuationsquoten – weil nach der Umfrage entsprechende Maßnahmen ergriffen worden waren. In 56 Prozent der Fälle besserten sich Arbeitszufriedenheit und Unternehmenskultur.

Mitarbeiter wollen ernst genommen werden. Kienbaum-Berater Jan-Marek Pfau’s Fazit: „Mitarbeiterbefragungen sind ein wirksames Instrument, um organisationale Veränderungen nachhaltiger umzusetzen, denn Veränderungen werden von den Betroffenen relativ häufiger als positiv wahrgenommen, wenn sie sich auf den von der Mitarbeiterschaft artikulierten Wunsch nach Veränderung zurückführen lassen.“

Immerhin führen 27 Prozent der befragten 160 Unternehmen alle zwei Jahre eine Mitarbeiterbefragung durch. Jedes dritte hört die Belegschaft sogar jährlich an.

Warum manche Firmen ihre Mitarbeiter nicht befragen? In 34 Prozent dieser Fälle liegt es an Ressourcenknappheit beziehungsweise daran, dass die Geschäftsführung Mitarbeiterbefragungen unwichtig findet (32 Prozent).

Dass die Unternehmensleitung der Dreh- und Angelpunkt ist, empfinden auch diejenigen Personalchefs, wo jährlich eine Mitarbeiterbefragung läuft. Kienbaum-Experte Pfau: „Die Entscheidung für eine Mitarbeiterbefragung steht und fällt mit der Initiative der Geschäftsführung. Sie ist häufig Initiator, kann aber auch Grund für ein Scheitern sein.“

Worum es den Unternehmen geht, wenn sie ihre Leute befragen? 81 Prozent geht es um das Betriebsklima, 67 Prozent geht es um den Grade der Verbundenheit mit ihrem Unternehmen, dem Commitment. An dritter Stelle geht es um das Engagement der Mitarbeiter (44 Prozent), also wie man zu seinem Arbeitgeber steht. Ob die Mitarbeiter gut über ihre Firma reden, ob sie ihr „mittel- und langfristig verbunden bleiben wollen“ und „bereit sind, sich in besonderem Maße für das Unternehmen einzusetzen“, so Pfau.

Dieser Punkt wird immer wichtiger, die steigende Zahl der Beste-Arbeitgeber-Rankings und der Arbeitgeber-Bewertungsportale wie www.kununu.com oder www.BizzWatch.de belegen das (siehe auch Blog-Beiträge dazu in diesem Management-Blog mittels Blog-Suchfeld).

Für die entsprechenden Institute ist das ein gutes Geschäft: 58 Prozent der Personaler sagen, dass die Mitarbeiterbefragung ihrer Firma von einem externen Dienstleister durchgeführt wird. Warum? 92 Prozent machen dies wegen der Anonymität,  84 Prozent weil sie den Externen höhere Methodenkompetenz zusprechen und 62 Prozent wollen sich messen an anderen Unternehmen und kaufen gleichzeitig externer Benchmarks ein.

42 Prozent der Unternehmen setzen auf interne Mitarbeiterumfragen. Dies zum einen, weil sie eine sich davon eine bessere unternehmensinterne Kommunikation versprechen (50 Prozent) und zum anderen, weil sie hoffen, so Kosten sparen zu können (45 Prozent).

Das Fazit von Kienbaum: Mitarbeiterbefragungen helfen, um Veränderungen positiv zu managen

Pfau: „Je eindeutiger Veränderungen auf die Mitarbeiterbefragung zurückgeführt werden, desto positiver fällt auch deren Bewertung aus.“ Ableiten lässt sich eine „eine eindeutige Handlungsempfehlung für das Management“. Denn: Wer Mitarbeiterbefragungen regelmäßig durchführe und sie als Instrument der strategischen Organisationsentwicklung einsetze, sorge für eine positivere Wahrnehmung und erfolgreichere Umsetzung nötiger Veränderungen. „Faktoren wie  Fluktuation,  Mobbing, Absentismus und Präsentismus können gezielt verbessert werden und das steigert die organisatorische Leistungsfähigkeit“, so Pfau.

www.kienbaum.de/go/engagement_echo.

Eins fragen die Mitarbeiterbefragungen regelmäßig nicht ab – und eröffnen dem Management dadurch die Möglichkeit, sein Versagen umzumünzen: Warum die Verweigerer der Umfrage nicht mitmachen: a) Weil sie meinen, es werde ohnehin nichts besser und etwaige vorherige Umfragen hätten auch nichts gebessert oder b) weil sie so zufrieden sind, dass sie Mitarbeiterumfragen schlicht unnötig finden oder c) weil sie ihrer Firma so wenig trauen, dass sie nicht an die zugesicherte Anonymität glauben.

Mitarbeiterumfragen sollen die Unternehmenslenker jedenfalls aktiv unterstützen: Zum Beispiel durch Prämienkürzungen, wenn die Führungskräfte bei der Ergebnisverkündung gegenüber der Belegschaft durch desinteressierte Abwesenheit glänzen. Oder wenn nicht unverzüglich positive Reaktionen des Managements folgen.

Mitarbeiterumfragen, deren Ergebnisse nur im Sande verlaufen, sind zu teuer. Für jedes Unternehmen:

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Alle Kommentare [4]

  1. Ein exzellenter Beitrag, herzlichen Dank!
    Besonders erhellend sind die Gründe für bzw. gegen Mitarbeiterbegragungen bei Unternehmensleitungen und die Beschreibung der essentiellen Voraussetzungen für erfolgreiche Befragungen.

  2. Ein hochinteressanter Beitrag. Vor allem die Frage, dass niemanden interessiert, weshalb Verweigerer von Umfragen nicht mitmachen. Und ebenfalls sehr richtig: Eine Mitarbeiterbefragung sollte tatsächliche Veränderungen anstreben und die Ergebnisse in Taten umsetzen. Eine über mehrere Phasen hinweg ablaufende Kommunikation zu Umsetzungen und „sicht- und erlebbaren“ Veränderungen sind wesentliche Voraussetzungen für die Akzeptanz weiterer Befragungen.

  3. Das zweifelsohne das große Ziel einer Mitarbeiterbefragung. Durch die Datenerhebung und die Umsetzung der Wünsche der Mitarbeiter versucht man natürlich die Fluktation im Unternehmen so klein wie möglich zu halten.
    Ist aber eine permanente Herausforderung an ein Unternehmen.

  4. Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Leider finden die meisten Befragungen nach wie vor schriftlich statt, so dass eine solche Aktion niemals den echten Dialog mit den Mitarbeitern ersetzt – was insbesondere bei der Formulierung geeigneter Optimierungsmaßnahmen wichtig wäre. Ansätze wie das „Arbeitsbewältigungscoaching“ sind da in meinen Augen deutlich erfolgversprechender.