Versteckte Kamera mit Winterkorn

Da liest man immer wieder von Unternehmen, die ihre Mitarbeietr permanent auf Video aufnehmen. Oder von Leuten, die ihre Kolleginnen oder Mitarbeiterinnen in der Umkleide heimlich filmen. Doch dass Top-Manager dabei gefilmt werden, wie sie Konkurrenzbeobachung betreiben und dabei wütend werden, das ist neu: VW-Chef Martin Winterkorn bewies Disziplinlosigkeit, raunzte seine Mitarbeiter an und schien sie auch noch ungerecht zu behandeln – und unterhielt damit im Internet auf youtube schon jetzt 370 000 Zuschauer, Konsumenten, Branchenkollegen undundund

 
Worum es genau geht? Winterkorn inspizierte auf der IAA in Frankfurt ein Auto der Konkurrenz, einen Hyundai i30. Ein Messebesucher filmt ihn dabei, wie er die Lenkradverstellung ausprobierte und sich ärgerte, dass „sie nicht scheppert“ und weder BMW das kann noch VW. Dass der Mitarbeiter sich zu verteidigen versuchte mit dem Satz: „Wir hatten ja mal eine Lösung gehabt, die war aber zu teuer…“ und Winterkorn darüber weggeht, und nur die Frage wiederholt, warum Hyundai schafft, was VW nicht kann – das lässt ihn nicht gerade als Gentleman oder Grandsigneur erscheinen. Sondern nur uncool und mit schlechten Manieren gesegnet.
 
Top-Manager sollten einfach vorsichtiger werden in Zeiten zunehmender Transparenz, Handys mit Videofunktion und Internet. Die Lektion musste erst kürzlich der 60-jährige Metro-Chef Eckhard Cordes begreifen: Als durch sämtliche Kanäle bis hin zu Twitter die Nachricht lief, dass der Top-Mann aus der Rolle gefallen war – und den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Klockhaus laut „Süddeutscher Zeitung“ als „Arschloch“ beschimpft.
  
 

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Alle Kommentare [1]

  1. Schockierte Reaktionen sind menschlich. Und vermutlich sollten wir auch hoch bezahlten Managern einzelne Entgleisungen zugestehen – sofern die Herren der Chefetagen diese nict „einreißen“ lassen und sich anschließend angemessen verhalten – also zumindest Bedauern zeigen und sich entschuldigen.
    Das Verhalten der beiden genannten Dax-Tops lässt allerdings vermuten, dass dieses Verhalten scheinbar akzeptierter Teil von Verhaltensmustern ist, das auf „Bullying!“ zur Machtgewinnung und -erhaltung setzt und einen angemessenen Begriff von Autorität und Respekt gänzlich vermissen lässt.
    Hoffentlich – aber nicht ganz sicher – Einzelfälle.