Bei Anruf Kündigung

Jemanden am Telefon damit überraschen, dass er gekündigt ist? Yahoo-Verwaltungsrats-Chef Roy Bostock hat das gerade mit der Yahoo-Chefin Carol Bartz so gemacht. Ob´s vorher einen Warnschuss gab? Man weiss es nicht. Tut man das? Eigentlich nicht. Eigentlich gehört es zum Business behave, demjenigen, den man schasst, das wenigstens auch ins Gesicht zu sagen. Und seine Reaktion auszuhalten, selbst wenn Tränen fließen oder was auch immer. Es auszuhalten und soweit möglich, Hilfestellung zu geben und die richtigen, erkärenden, tröstenden Worte zu finden.

Nur: Das setzt voraus, dass derjenige, der diese Botschaft überbringt, kein Emotions-Eisschrank ist. Dass er überhaupt fähig ist, Empathie zu zeigen. Das ist aber leider nicht unbedingt der Fall und dann stellt sich die nächste Frage: Tut man demjenigen, der gleichsam entehrt und dem der Boden unter den Füßen weggezogen wird, überhaupt noch einen Gefallen, wenn sein Gegenüber ungerührt daneben steht? Wenn der nur mühsam von einem Coach antrainierte Floskeln abspult? Und die Sekunden zählt, bis er eilig den Raum verlassen kann? Ich glaube, nein.

Klar ist, wer Kündigungen per SMS schickt, am Telefon verkündet oder per Twitter verschickt setzt sich allein damit schon ins Unrecht. Der hat den schwarzen Peter per se. Doch kann es sein, dass es für manche Leute sogar angenehmer ist, wenn sie dem Überbringer der Hiobsbotschaft vielleicht in dem Moment der Schwäche nicht gegenüber stehen müssen? Womöglich. Zumal, wenn man so stolz ist, dass man seine Erniedrigung nicht vorführen will und die Schmach lieber mit sich alleines ausmacht.

Definitive Ausnahme: Der Gekündigte sitzt nicht im Einzelzimmer, wo keiner die Wuttränen sieht, sondern im Großraumbüro.

Dann kann man sein Einzelzimmer verlassen und erst wieder unter Menschen gehen, wenn man sich berappelt hat.

Was aber gar nicht geht, ist eine Ansage wie diese: Diejenigen Mitarbeiter, die in den nächsten beiden Stunden keinen Anruf vom Chef oder der Personalabteilung erhalten haben, werden nicht gekündigt. Dieses Mal jedenfalls nicht. Das ist Folter, gegenüber den Betroffenen wie denjenigen, die erst mal im Umgewissen sind.

Yahoo-Chefin Carol Bartz jedenfalls tat etwas, was bei Führungskräften nur selten vorkommt. Sie bewies Courage und schrieb postwendend eine Mail an alle ihre Mitarbeiter: „Ich bin sehr traurig darüber, mitteilen zu müssen, dass ich gerade per Telefon von Yahoos Verwaltungsratschef gefeuert worden bin.“Das verfehlte seine Wirkung nicht – und gelangte ruckzuck an die Nachrichtenagentur Reuters.


Nachtrag:

„Spiegel online“ schreibt heute, einen Tag später, was sich im Details noch so alles zugetragen hat – und dass das Ganze noch viel peinlicher war, als es erst wirkte.

Roy Bostock las Carol Bartz am Telefon allen Ernstes eine Anwaltserklärung vor – und Bartz wurde direkt und ausfällig.

Und weil sie wusste, dass ihr die Anwälte kurz danach im Hotel zu Leibe rücken wollten, wechselte sie kurzerhand vorher das Hotel. Das hat doch was, oder? Hut ab, Carol Bratz 😉

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,785213,00.html

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