Das Unternehmen verdient gut, wenn die Manager partnerschaftlich führen

Kaum zu glauben dass man im oberen Betriebsklima-Feld europaweit liegen kann, wenn mehr als jeder dritte Angestellte (35 Prozent) seine Arbeitsatmosphäre als demotivierend empfindet. Doch so ist es bei den deutssprachigen Ländern in Europa derzeit, also in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sagt Georg Vielmetter, Partner der Unternehmensberatung Hay Group.  www.haygroup.com/ww/europeanclimatemap Fast ebensoviele Beschäftigte (32 Prozent) erleben das Unternehmensklima in den deutschsprachigen Ländern als leistungsfördernd, 17 Prozent als motivierend und 16 Prozent empfinden es als neutral.

Hay arbeitet in49 Ländern und hat 2 600 Mitarbeiter. Die Unternehmensberatung befragte für diese Studie  71.996 Mitarbeiter in ganz Europa.

Zufriedenere Russen und Ukrainer

Zum internationalen Vergleich: Von den Russen und Ukrainern erleben über die Hälfte das Arbeitsklima ihres Unternehmens entweder leistungsfördernd (38 Prozent) oder motivierend (17 Prozent). Wiederum 38 Prozent empfinden das Klima dagegen als demotivierend.
Frankreich und Italien haben mehr Probleme mit der Motivation ihrer Leute: Jeder zweite Franzose fühlt sich demotiviert, nur 36 Prozent empfinden es je zur Hälfte als motivieredn beziehungsweise leistundgfördernd.
Bei den Italienern sind es sogar 68 Prozent, die das Arbeitsklima entweder demotivierend (54 Prozent) oder neutral (14 Prozent) finden.
Hay-Berater Vielmetter sieht „beim Unternehmensklima ein Nord-Süd-Gefälle“.

Ein partizipativer Führungsstil freut die Firmenkasse

Was den Unterschied macht?  Im wesentlichen der Führungsstil. „Während die Manager im Süden von Europa eher einen direktiven, autoritären Führungsstil praktizierten, bevorzugten die Nordlichter einen partizipativen Stil“, laut Hay-Studie. Und auch das Alter der Führungskräfte fällt ins Gewicht: „Besonders älteren Managern fällt es schwer, ihre Mitarbeiter einzubinden und dadurch zu motivieren. Denn sie sind noch den direktiven Führungsstil gewohnt“, erklärt Vielmetter.
Dumm für die Unternehmen, dass das Unternehmensklima doch einen erhblichen Einfluss auf den Unternehmens-Gewinn hat: Das könne je nach Klima kann um 30 Prozentpunkte nach oben oder unten schwanken.

Und wie führen Sie?

Diese sechs Führungsstile der Vorgesetzten eruirte die Hay-Group-Untersuchung:

Direktiv: Die Führungkraft erwartet, dass der Mitarbeiter seine Anweisungen uneingeschränkt befolgt – ohne zipp oder zapp.

Visionär: Der Chef entwickelt den Mitarbeiter langfristig und zeigt ihm dessen Perspektiven im Unternehmen auf, das erhöht Loyalität und Bindung.

Zusammenhalt-fördernd: Der Vorgesetzte legt viel Wert auf ein harmonisches Miteinander und geht mit seinen Leuten auf Augenhöhe um.

Partizipativ: Der Vorgesetzte legt Wert auf das gemeinsame Entwickeln von Ideen.

Perfektionistisch: Der Vorgesetzte erwartet Aufgabenerfüllung auf höchstem Niveau – er setzt sich und alle anderen unter Dauer-Hochdruck, in bester Absicht aber oft mit verheerenden Folgen wie die Anti-Reaktion „Man kann´s ihm ohnehin nie recht machen“.

Coachend: Der Vorgesetzte legt Wert auf die berufliche Entwicklung der Angestellten. Er sieht sich in der Rolle eines Trainers seiner Leute, übt sich gewissermassen in Bescheidenheit und baut seine Leute auf und fühlt sich quasi verantwortlich für deren Karriere.

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Unternehmensklima in Europa

de-motivierend neutral motivierend leistungs-fördernd
Deutschland, Österreich, Schweiz 35% 16% 17% 32%
Frankreich 50% 14% 18% 18%
Italien 54% 14% 14% 18%
Großbritannien und Irland 38% 16% 19% 27%
Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Island 30% 18% 22% 30%
Niederlande und Belgien 46% 19% 16% 19%
Polen, Tschechische Republik, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien 37% 16% 18% 29%
Russland und Ukraine 38% 7% 17% 38%
Türkei, Griechenland, Israel 44% 14% 14% 28%
Spanien 51% 13% 14% 22%
Portugal 39% 14% 17% 30%
Erhebungszeitraum: 1. Januar 2009 – 31. März 2011 www.haygroup.de

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Alle Kommentare [3]

  1. Im europäischen Vergleich ist das ein überraschend gutes Ergebnis. Zumal man sonst immer von der inneren Kündigung hört. Unklar ist noch der Unterschied zwischen leistungsfördernd und motivierend. Kann man unmotiviert mehr Leistung bringen?

  2. Hier ist die Antwort auf die Frage von Herrn Eichenseher:
    Die Kategorisierung von Klima in Verbindung mit Leistung basiert auf Jahrzehnte langer Forschung von Hay Group. Demnach hat sich herausgestellt, dass sich bei einem motivierenden Klima Mitarbeiter überdurchschnittlich einsetzen, sofern dafür nachvollziehbare Gründe wie z.B. unmittelbare Projekt- oder Umsatzziele vorliegen. In dem Fall finden sie Motivation und Befriedigung bei der Arbeit. Im Falle des leistungsfördernden Klimas ist es für Mitarbeiter hingegen selbstverständlich, sich immer voll einzusetzen, um die Ziele zu erreichen. Zusatzarbeiten werden gerne übernommen, um als Team/Unternehmen erfolgreich zu sein. Das Übertreffen und das Erreichen sehr hoher Leistungsstandards gehört zum verinnerlichten Wertesystem der Mitarbeiter.