Gutscheine heißen nur gut, sind es aber selten. Sie beglücken oft nur die Händler

Peek & Cloppenburg hält seine Kunden für etwas dämlich. Der Textilhändler in Düsseldorf verschickt Gutscheine – zum einzeln abreissen, sie sehen aus wie kleine Geldscheine: gestückelt in 5, 15-, 10-, 25-, 50- und 100-Euro-Scheinchen. „6 Gutscheine im Wert von über 200 Euro“ – mit nur ein paar klitzekleinen Einschränkungen: Sie beziehen sich nur auf reduzierte Ware – also die Reste, die bislang keiner habe wollte. Vermutlich Plüdden in sehr kleinen und sehr großen Größen, jedenfalls keine Normal-Größen, in Farben, die keine Begeisterung erweckten oder Ladenhüter, weil sie schlecht geschnitten, allzu mutiges Design haben oder sonstwie nicht kleidsam sind.

 

Zeitdruck vom Händler

Und die andere Einschränkung: Mir wird ein Zeitdruck hergestellt: nur vom 3. bis 18.Juni 2011 gelten die Gutscheine. Ich soll also jetzt schnell in meinen ohnehin ganz knappen Lebens-Stundenplan zwischen den vielfältigen Verpflichtungen für meine zwei Companies (meinem Arbeitgeber und meinem Familienunternehmen) auch noch einen Slot suchen für einen Besuch bei Ansons in der City (Achtung: Parkgebühren im Parkhaus sind fällig!).

 

Nur der Papiergutschein zählt – man muss ihn gut verwahren

Und – was eine nicht zu unterschätzende Herausforderung ist: ich muss diese Gutscheine dann auch dabei haben. Zufällig mal dahinein gehen ist also nicht. denn: Obwohl ich so eine Kundenkarte habe von Peek & Cloppenburg, ist die plötzlich zu nix nütze. Nein, die zugeschickten Gutschein-Papierfitzeln müssen es sein. Kulanz? Weil ich doch Stamm-Kunde bin und diese Marketingaktion für Leute wie mich ersonnen wurde? Oh nein!  Die “ Sommerspecial Exklusive Gutscheine“ sind so exklusiv, dass sie auch mich ausschließen, wenn ich mich nicht durch sie ausweisen kann.

 

Geschenkgutscheine – für die Händler

Aber wenigstens ist dies nicht so übel, wie die Gutscheine, die mir an sehr vielen Ladenkassen ins Auge springen – sollen -, bei denen man den Beschenkten ein Papierfitzelchen überreichen soll statt hartem Baren. Und demjenigen gleich mal Arbeit bescheren, vielleicht Ärger und womöglich der Händler einfach den Betrag einstreichen und behalten kann, ohne jede Gegenleistung:

http://www.wiwo.de/blogs/management/2010/08/31/gutscheine-nerven-und-sind-ein-immenses-risiko/

Fragt man mal solche Händler nach den Summer den nichteingelösten Gutscheine, werden sie ganz plötzlich völlig ahnungslos. Nein, das wissen sie nicht, heisst es dann. Hoffentlich haben sie ihre Bilanz besser in Schuss.

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Alle Kommentare [2]

  1. Also ich habe schon des öfteren davon Gebrauch gemacht. Warte, wenn ich ein bestimmtes Kleidungsstück im Auge habe, meistens gezielt ab bis die Preise reduziert und damit der Gutschein eingelöst werden kann. Bin aber, zugegebenermaßen, mit 3XL die berühmte Sondergrösse ….

  2. Den größten Reibach machen die Veranstalter von teuren Erlebnisgeschenk-Gutscheinen – hat mir mal ein Ballonfahrten-Veranstalter ganz freimütig erzählt.

    Er sagte, dass die meisten (über die Hälfte) der Gutscheine über eine Ballon-Fahrt verfallen, weil

    1. viele Menschen insgeheim Angst vor einer Ballon-Fahrt haben
    2. die Leute, die so ein teures Geschenk bekommen, oft keine Zeit für so eine zeitaufwendige Aktion haben

    In die gleiche Kategorie fallen wohl auch Gutscheine wie eine Mitfahrt im Formel-Eins-Wagen oder ähnliches, die gerne Menschen geschenkt werden, die schon alles haben.

    Bei solchen Gutscheinen, die in der Regel ab 200 Euro aufwärts kosten, freut sich doch jeder Veranstalter am meisten über den, der nicht kommt…