Bofrost-Inhaber will nicht länger gerankt werden

Josef Boquoi, der Inhaber des Tiefkühlkost-Unternehmens am Niederrhein hat keine guten PR-Berater. Sonst hätte den Prozess, der er am Landgericht München begonnen hat, nicht angezettelt. Er hätte einfach still gehalten. Oder vielleicht so viele Ausgaben vom „ManagerMagazin“ aufgekauft wie möglich – damit sie nicht unters Volk kommen. Oder das Ranking der „100 reichsten Deutschen“ schlecht gemacht bei anderen Meinungsmachern. Sich meinetwegen auch arm gerechnet. Aber keinesfalls zu versuchen, gegen diese Liste – die ohnehin eine reine Schätzliste ist – auch noch per Gericht vorzugehen. In einem Schauprozess in aller Öffentlichkeit. Wo sich jeder in den Zuschauerraum setzen und zuhören kann, wie sich Boquoi aufregt. Den Ausschluß der Öffentlichkeit gibt´s nicht so einfach.


 

Rankings als Orientierungshilfe

Der Stein des Anstosses: Boqoui, der auf Platz 92 dieses jährlich erscheinenden „ManagerMagazin“-Rankings steht will dort drin nicht mehr erwähnt werden. Keineswegs will er solche Rankings verbieten lassen, nein, er will nur selbst nicht vorkommen. Weil es ohnehin nur eine „Neidliste“ sei, wie sein Anwalt Christian Schertz für seinen Mandanten vorbringt. Weil an der Stelle der Tüchtige bestraft werde, und das sei typisch deutsch.

 

Doch ganz so egoman sind solche Rankings eben nicht zu sehen. Erstens, bei einem Ranking gibt es immer welche die ganz oben, andere die ganz unten stehen und solche, die ganr nicht vorkommen. Dass sich die Gerankten aufregen, wo sie stehen, wer vor ihnen steht oder warum sie nicht vorkommen, ist normal. Rankings ordnen, sortieren, schaffen eine gewissen Klarheit und einen Überblick. Oft sogar für die, die vorkommen. Manchen bietet es Vorteile anschliessend, oder Argumentationshilfe, andere geraten in Erklärungsnot. Je nach Zweck des Vergleichs. „Stiftung Warentest“ lebt seit Jahrzehnten gut von diesen Tabellen – und hat eine große treue Leserschaft, denen sie damit sogar Lebenshilfe geben. Die Nachfahren sind Bewertungsportale für alles mögliche, bis hin zu Ärzten und Restaurants oder Internet-Partnervermittlungen. Selbst Anwälte in Großkanzleien lassen sich inzwischen Umsatzschätzungen ihrer Sozietäten gefallen. Anfangs murrend, aber jetzt eben doch.

 


Neid als ehrlichste Form der Anerkennung

Doch zurück zur Reichen-Liste: Hat Herr Bouqoui mal bedacht, dass er auch ganz gut als Vorbild taugt? Dass in so einer Liste auch ganz viel Anerkennung steckt? Er war kein Tellerwäscher, hat sich aber trotzdem ganz hoch gearbeitet und seine Wagen beliefern ganz Deutschland. Er gibt vielen Leuten Arbeit. Selbst der Richter vom Landgericht München, Thomas Steiner, war mal Bofrost-Kunde, sagte der zu Beginn der Verhandlung. Da steht der Self-Made-Millionär zwischen denen, die ihr „nur“ Vermögen geerbt haben – und es wenigstens schaffen, zu erhalten. Warum also kann sich der Niederrheiner nicht vorstellen, dass man nicht nur neidisch auf ihn sein kann? Jedenfalls wenn ihn solche Ängste und Nöte und Sorgen plagen.


 

Das Ende des Rechtsstaats

Oder wenn man sich so unbeliebt macht, wie Boquoi bei dem Münchner Richter: Man würde in solchen „Hitparaden“ nur die Aufmerksamkeit Krimineller wecken“. Der Er bestritt, dass sein Vermögen so hoch ist, wie von den Magazinjournalisten geschätzt, nämlich 950 Millionen Euro. Aber richtig stellen, wollte er es auch nicht. Keinesfalls. Nur behaupten, dass das Magazin lügt. Das muss reichen, findet er. Und weil Richter Steiner trotzdem den Gegenbeweis will, nämlich dass Boquoi die Hosen runterlässt,  bezeichnete der Unternehmer das als „Ende des Rechtsstaats“.

So gesehen wäre Norwegen kein Rechtsstaat. Dort kann – dem Vernehmen nach – jeder die Steuererklärung seines Nachbarn einsehen.

Als gesichert darf eins gelten: Ginge es um ein Ranking von Tiefkühlkost, in dem Bofrost gut platziert wäre, würde Bouquoi niemandes Neid fürchten. Auch nicht den der Branchenkollegen und Mitbewerber oder Konkurrenten.Dagegen würde er nicht vorgehen.

Er würde das Ranking sogar als Werbeargument nutzen. Wetten, dass?

http://www.rp-online.de/wirtschaft/news/Bofrost-Gruender-klagt-gegen-Neidliste_aid_984628.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=wirtschaft

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Alle Kommentare [5]

  1. Hallo, Frau Tödtmann! Wer hat eigentlich die Informationen, die Salden von allen Bankkonten/Kreditkonten, Werte von Immobilien und was noch alles zusammenzuführen? Das ist doch alles nur Kaffesatzleserei. Dann sind da noch verschiedene Personen z.B. in der Familie, auf die sich Vermögen verteilen lässt. Vom Ausland wollen wir mal gar nicht reden! Und da bildet sich jemand ein, er könnte die Höhe des Vermögen (eines anderen) angeben. Ich frage mich immer, wo diese Zahlen herkommen sollen; zum Beispiel über die Anzahl der Millionäre in D. Schreiben Sie doch einmal im Klartext darüber, wie solche „Informationen“ zu Stande kommen. Danke.

  2. Das kann ich konkret nicht sagen, sorry – das müssten die Kollegen vom ManagerMagazin schon selbst tun. Aber das Ranking gibt´s schon lange und ich denke, es gibt Kriterien, die bewährt sind.

  3. Er hat doch das Ranking erfunden dachte ich, wird im Unternehmen gerne täglich durchgeführt.

  4. Also ich würde gerne gerankt werden. Mir fehlt nur noch jemand, der mir die Mittel dafür zur Verfügung stellt….

  5. Ich weiß aus sicherer Quelle in Form eines ranghohen Mitarbeiters, dass Herr Bouqoui nie Trinkgeld gibt. Ich sag mal so: Von den Reichen kann man das Sparen lernen.