Die Telekom als Arbeigeber eines mutmasslichen Mörders – und dessen Chef, der Psychoterror gemacht haben soll

Warum teilt die Polizei im Falle des Mörders von Mirco all diese Arbeitgeber-Details mit? Dass der Mörder aus Schwalmtal beim Bonner Konzern Telekom arbeitet. Dass er 150 Mitarbeiter führt. Dass er nach der Tat ins Controlling befördert wurde. Und dass er beruflichen Stress gehabt habe, dass ihn kurz vor der Tat dessen Vorgesetzter „zusammengefaltet“ habe. Dass der Telekom-Manager daraufhin „eine tickende Zeitbombe“ war, als er die schreckliche Tat beging, mit der er in erster Linie jemand anderen erniedrigen wollte. Und dass dieser Stress das Tatmotiv war.

Später erfährt man bei stern.de sogar das Gehalt des Täters  von einem anderen Telekom-Manager, der freilich ungenannt bleiben will: „Dieser Wahnsinnige, der hat doch einen hohen sechsstelligen Betrag verdient, hat Frau und Kinder.“

Womit man eine Vorstellung bekommt, wieviel der Täter so verdient hat. Dass es viel war.

Doch ich kann mich nicht erinnern, wann die Polizei in einem Mordfall so viel über den Arbeitgeber eines Täters gesagt hat, über die Umstände  eines Arbeitsverhältnisses und über den Druck von einem Vorgesetzten, der mit dem eigentlichen Mord dann nichts mehr zu tun hat. Dass die Polizei so sehr mit dem Finger auf ein Unternehmen zeigt, das nicht direkt an der Sache beteiligt ist.


Die Deutsche Telekom sollte schleunigst ihrerseits die Öffentlichkeit rückhaltlos aufklären – dem eigenen Image zuliebe

Der Eindruck, der jedenfalls beim TV-Zuschauer oder Zeitungsleser entsteht, ist der: Was ist die Telekom nur für ein Unternehmen, das solche Manager beschäftigt? Solche Manager, die mit anderen Menschen so schrecklich umgehen, dass jene einen Mord begehen.

Auffällig ist, dass man die – offenbar zugegebenen – näheren Umstände der Tat nicht hört. Wohl aber erfährt man vom Leidensdruck des Täters, den sein Job oder vielmehr sein Chef in ihm verursacht haben. Und in dessen Haut möchte man jetzt nicht steckten.

Vermutlich ist es eine Frage der Zeit, bis die einschlägigen Zeitungen den Gnadenlosen – den Vorgesetzten – aufgespürt haben, um ihn vorzuführen. Ihn, den Falter von der Telekom.

Und noch eine Frage werden sich manche stellen, Bewerber etwa: Will man bei dem Unternehmen anheuern, das solche Leute zu Vorgesetzten macht, die ihren Mitarbeitern den Seelefrieden rauben (dürfen) und sie in solch eine Tat treiben?

Oder andersherum gesehen: Wo solch ein Täter 150 Mitarbeiter führt und eigentlich keinem auffällt. Im Gegenteil, seine Mitabeiter bekommen jetzt, nach der Offenbarung psychische Hilfe, heisst es.

Die Telekom täte jetzt gut daran, ihrerseits die Geschehnisse aufzuklären und damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Dem eigenen Image zuliebe.

Ehe Wikileaks und andere Plattformen dafür sorgen.

Schikanen und Mobbing als Betriebsalltag

Auch für die „Gorch Fock“ und die Führungsmethoden auf diesem Schulschiff interessiert sich die Öffentlichkeit momentan mächtig – nach dem Toderfall und dem Verschwinden einer anderen jungen Frau. Der Kapitän musste erst mal seinen Posten verlassen, jedenfalls bis alles aufgeklärt ist. Etwa ob Schikanen tatsächlich an der Tagesordnung waren.

In der „Bunten“ bekannte eine TV-Ärztin – und Ärztin auch im real life – erst im Juni vergangenen Jahres, dass sie an Brustkrebs erkrankt sei – weil ihre Redaktion ihr schon einige Zeit zusetzte, sprich sie gemobbt habe. Und dass sie solch einen Zusammenhang bei Krebserkrankungen schon oft beobachtet habe in ihrer Praxis.

Alles Einzefälle? Blöde Zufälle? Wohl kaum. Wissenschaftler wie Professor Bernhard Badura von der Uni Bielefeld halten pyschische Erkrankungen in den Belegschaften für das Hauptproblem in den kommenden Jahren.

Und nach den Erfahrungen, die die Mitarbeiter allerorten in der jüngeren Vergangenheit gemacht haben, ist das auch kein Wunder: Die Kollegen um sie herum wurden entsorgt, vertrieben oder weggemobbt, die Arbeitsbelastung stieg für die wenigen Verbliebenen entsprechend – Stichwort: stetige Arbeitsverdichtung. Dafür wurde ihr Weihnachtsgeld gesenkt oder gestrichen, die Kündigung hing wie ein Damokles gleichzeitig über ihnen – und wohlmeinende Arbeiteber wurden (zumindest unter Großunternehmen oder größeren Betrieben) die Ausnahme.


Sinnentleere Belegschaften – eine neue Sorge für Manager

Kein Wunder, dass europaweite Untersuchungen über Mitarbeiterloyalität schon länger zeigen, dass gerade deutsche Mitarbeiter nur noch besonders wenig Loyalität zu ihrem Arbeitgeber haben. Hier im Management Blog war schon mehrfach davon die Rede. Dazu passt, was mir der Chef einer internationalen Unternehmensberatung vergangene Woche von seinen Unternehmenskunden erzählte: Dass er mehrere Auftraggeber hat, die ihm gegenüber über „sinnentleerte Belegschaften“ klagen. Und daran haben sie – womöglich unbewusst – jedenfalls hart gearbeitet.

Doch davon später mehr an dieser Stelle.

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