Die Angst des Lothar Linksunterzeichner vor seinen Kunden und die neuen Tarnkappen der Deutschen Bahn

Da will die Deutsche Bahn ihren Passagieren Kundenservice bieten – und denkt sich einen wunderbaren Schildbürgerstreich aus: Zugschaffner brauchen nicht etwa mit ihrem Namen für das einstehen, was sie tun – oder eben nicht -, sondern können sich tarnen. Mit einem falschen Namen, einem Pseudonym.  Ein neues Sonderrecht. Das dürfen – wie man erst jetzt ganz nebenbei erfährt –  4800 Regionalschaffner schon seit dem vergangenem Jahr. Und nun sollen sich auch noch die 3800 Zugbegleiter der Fernzüge verstecken dürfen.

Zwar kann die Deutsche Bahn wohl keinen einzigen Fall vorbringen, in dem ein Bahner verfolgt worden sei. Doch die verbalen Bedrohungen nähmen zu. So ganz allgemein. Fakten? Fehlanzeige.

„Das dient dem Schutz unserer Mitarbeiter“, so eine Sprecherin der Bahn. Konkrete Übergriffe im Zusammenhang mit Namen habe es zwar noch nicht gegeben, manche Fahrgäste drohten aber: „Ich finde dich.“ Beleidigungen und Beschimpfungen nähmen generell zu. http://www.focus.de/reisen/urlaubstipps/bahn/deutsche-bahn-zugschaffner-mit-falschen-namen_aid_563256.html

Komisch. Wie war das noch in diesem Sommer? Waren es nicht Bahner, die Reisende in überhitzten Zugabteilen gefangen hielten und ihnen den Ausstieg ins Freie verwehrten? Und waren es nicht Zugschaffner, die immer wieder Kinder als Schutzbefohlene aussetzten und sich strafbar machten? Und gab es nicht immer wieder Zugbegleiter, die durch unterlassene Hilfeleistungen bei allem möglichen auffielen? Solche Fälle wurden durchaus bekannt. Ist denn das der neue Bahnservice, wenn Bahner an der Kundenfront  Meiermüllerschulze heissen und man sie nicht mehr so ohne weiteres für strafbares Tun im Job bei der Polizei anzeigen kann? Wenn man ohne die Kooperationswilligkeit des Unternehmens nicht mehr weiter kommt?

Wie interessierte Bahnreisende die Tarnung lüften können, davon hört man nichts. Der Fantasie sind in Sachen uneinnehmbare-Festung-bilden keine Grenzen gesetzt. Wie wäre es mit einer kostenpflichtige Hotline für 4,50 pro Minute, bei der Anrufer erst mal mindestens eine Stunde in der Warteschleife gehalten werden? Oder mit einer saftigen Antragsgebühr zur langwierigen Identitäts-Ermittlung von 250 Euro ? Oder einem toten Briefkasten, in dem alle entsprechenden Anfragen landen – und die dann nie angekommen sind. Eine Info@-Adresse, unter der keine einzige Mail beantwortet wird – die nutzen viele Konzerne schon heute mit großem Erfolg.  Oder einem Vordruck im Internet mit so vielen Kästchen und Fragen nach irgendwelchen zwölfstelligen Kundennummern, die jeden in den Wahnsinn treiben  und vor allem ohne „Kopie-an-den-Absender-Funktion“?

Und was wird, wenn auch andere Unternehmen diese Methode übernehmen ? Bisher hörte man allenfalls, dass sich Call-Center-Mitarbeiter solche Tarnnamen zulegen. Es dürfte etliche Unternehmen geben, die sich ebenfalls so noch besser wegducken möchten: Man denke an Kunstfehler in Kliniken die künftig Doktor Eisenbart und Dr.med. Marcus Welby und Dr.House unterlaufen, an Hygienefehler die Rumpelstilzchen passieren, an Unfälle mit Straßenbahnfahrern namens  Michael Schumacher, an heikle Zeitungsartikel von Thomas Schmierfink, dubiose Ebay-Angebote von Hilde Fangmichdoch, dilettantische Autoreparaturen  von Sven Carport, miese Bankberatungen von Lothar Linksunterzeichner  oderoderoder. Ihnen fallen sicher noch viele andere   Beispiele ein, dafür gibts unten die Kommetarfunktion.

Wenn schon, denn schon. Dann muss sich jeder verstecken dürfen vor den rachsüchtigen Kunden seines Arbeitgebers., die er selbst erst auf die Palme gebracht hat (Achtung, Ironie!).

Hut ab dagegen vor Helmut Hoffer von Ankershoffen: Der legte die Geschäftsführung des Software-Unternehmens Neofonie gerade erst nieder – nachdem er enttarnt wurde als derjenige, der sein eigenes Produkt WeTab selbst im Internet unter dem Namen seiner Frau gelobt hatte. Unter dieser Tarnkappe hatte er ein Zeichen setzen wollen gegen etliche Negativkritiken und im Nachhinein verstanden, warum das kein guter PR-Schachzug war.

Da lob ich mir die Initiative des Deutschen Anwaltvereins, der  Namensschilder für Polizisten fordert. So, wie Mitarbeiter in Fastfood-Restaurants auf einer aushängenden Liste unterschreiben müssen, wann sie die Toilette zuletzt inspiziert und gereinigt haben. Oder Arzthelferinnen. Von denen nämlich verlangt das Qualitätsmanagement solch ein Einstehen für ihr Tun oder Nicht-Tun – das stellt keiner in Frage.

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Alle Kommentare [1]

  1. Der Service der DB lässt sich mit einem schönen Zitat beschreiben: „This ticket is not guilty“ Sagte am Sonntag ein Zugbegleiter zu einem ausländischen Reisenden der mit dem Schönes-Wochenende-Ticket im IC saß.