Selbst und ständig – Selbständige zählen zur Kategorie der Selbstausbeuter. Akademiker zahlen auch drauf in puncto Überstunden

39 Prozent der Führungskräften arbeiten mehr als 48 Stunden pro Woche. 20 Prozent bringen es gar auf 60 Arbeitsstunden die Woche. Bei den Akademikern tun dies 17 Prozent, von den Selbständigen sind es sogar 47 Prozent. Insgesamt arbeiten 10 Prozent der Berufstätigen mehr als 48 Stunden pro Woche. 4 Prozent schuften gar über 60 Wochenstunden. Dies besagt eine Untersuchung des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden zur „Qualität der Arbeit“.
Der Durchschnitt raffelt dagegen nur 36 Stunden in der Woche.

Bleibt die Frage, ob all diese Überstunden bezahlt werden – ausser bei den Selbständigen natürlich. Die arbeitenschließlich „selbst und ständig“ und gehören zur Kategorie der Selbstausbeuter. Öfter muss bei denen auch noch die Familie mit ran, deren Einsatz freilich nirgends gezählt – geschweige denn vergütet – wird.
Interessant ist auch, wie sich Arbeitsrichter den Praxisalltag in puncto Überstunden vorstellen. Deren Vorstellung ist nämlich von der Realität meist weit entfernt.  Da müssen sich Arbeitnehmer Überstunden unbedingt schon vorher genehmigen lassen. Noch bevor sie losgehen. Sonst gibt es nichts. Sprich: Mancher Mitarbeiter müsste – um sich korrekt zu verhalten – erst mal die pünktliche Erledigung eines Auftrags platzen lassen. Um in Ruhe abzuwarten, ob der Chef am nächsten Morgen oder nach seiner Dienstreise oder nach seinem Urlaub die Überstunden seines Miarbeiters auch abzeichnet. Im Zeitalter harter Vertragsstrafen für unpünktliche Auftragserfüllungen ein Unding.
Haben Sie schon einmal versucht, allen Ernstes erst mal Abzeichnungs- und Genehmigungsfragen zu klären, wenn’s brennt, wenn Not am Mann ist? Richtig. das lässt man vernünftigerweise.
Dumm nur, wenn’s einem später nie mehr gedankt wird. Weder durch Überstundenbezahlung noch sonstwie. Weil der Vorgesetzte in die Wüste geschickt wird oder selbst die Firma wechselt und beim neuen Chef die Zeitrechnung wieder bei Null anfängt. Oder weil es einen bei der nächsten Entlassungsrunde vom Karussel fegt – noch ehe man dazu kommt, eine Überstundenliste einzureichen.

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