Wie hieß das Wort doch gleich? B-e-t-r-i-e-b-s-a-u-s-f-l-u-g?

Ich kann mich eigentlich nur an zwei Mal erinnern, in denen mir dieses seltsame Wort noch begegnete in den vergangenen Jahren – wenngleich es nicht mal üble, fast warme Gefühle auslöste: Betriebsausflug. Der ganze Laden vom Hausboten bis zum Geschäftsführer klinken sich für einen Tag aus, alle zusammen. Ein Tag, an dem die Kundenanrufe unbeantwortet bleiben, an dem keiner noch dringend was erledigen muss. Sondern ein Tag, an dem die ganze Mannschaft irgendetwas mehr oder weniger Unübliches unternimmt. Um vorwegzunehmen, wo mir diese zwei Fälle begegnet waren: Einmal bei einer Schule – die Lehrer haben ja nicht genug Urlaubs- und Brückentage, um dann so etwas zu veranstalten, sondern müssen berufstätige Mütter mit Unterbringungs- und Versorgungsproblemen quälen. Denn die müssen ja trotzdem arbeiten und können ihre Kinder nicht den Lehrern mitgeben oder so. Oder vielleicht in der Aufsichtsbehörde abliefern an dem Tag. Das andere Mal, von dem ich hörte, verschlug mir allerdings die Sprache, nicht aus Neid, aber aus Erstaunen.  Da flog ein komplettes Finanzamt – ich sage nicht welches Amt oder aus welchem Bundesland und auch nicht, wie ich es überhaupt erfahren habe – jedes Jahr je für einen Tag in eine andere europäische Metropole wie London, Prag, Budapest oder Stockholm. Dank Billigfliegern ist das ja auch gar nicht mehr solch ein Akt und kaum zu vergleichen mit atemberaubenden Betriebsausflügen, die früher noch von Werbeagenturen initiiert wurden, Aber eben immerhin.

Für die meisten Belegschaften sind Betriebsausflüge heute kein Thema mehr, zeigt denn auch eine Online-Umfrage des Web-Karriereportals Monster.de: Nur 26 Prozent unternehmen heute in Deutschland noch solche Arbeitsatmosphäre-fördernden Veranstaltungen. Dabei würden 49 Prozent der Befragten gerne einen Betriebsausflug mit ihren Kollegen machen, ihre Firmen laden aber nich dazu ein. Zum Vergleich: 38 Prozent der Schweizer und 30 Prozent der Österreicher machen Betriebsausflüge und bekommen dafür auch frei. Verwunderlich ist das – jedenfalls was die Schweizer anbelangt – nicht. Sind die ohnehin hierzulande beneidet um ihren deutlich angenehmeres Arbeitsklima mit seinem weitaus höflicherem und respektvolleren Umgehen miteinander. Ganz abgesehen davon, dass dort tatsächlich Arbeitnehmer über 50 Jahren ganz selbstverstädnlich Stellenangebote erhalten und keineswegs von vornherein aussortiert werden.

Warum die Unternehmen hierzulande so bereitwillig alte Traditionen opfern, die durchaus ihren Zweck hatten? „Im Zuge der Wirtschaftskrise sind oft Betriebsausflüge als erstes dem Kostendruck der Unternehmen zum Opfer gefallen“, sagt Marcus Riecke, Geschäftsführer Central Europe bei Monster Worldwide.Was auch sonst? Aber vielleicht wirkte die Streichung ja prämienerhöhend für die individuellen Jahresprämien der Manager – und die bekommen es irgendwann heimgezahlt mit immer weniger Loyalität der Belegschaft – Studien bescheinigen ausgerechnet den Deutschen ja schon längst europaweit die niedrigste Loyalität gegenüber ihren Arbeitgebern.

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Alle Kommentare [6]

  1. Ich mache dieses Jahr mit meinen Kollegen einen B-e-t-r-i-e-b-s-a-u-s-f-l-u-g!
    Ich bilde mit meiner Kollegin die Auswahlkomission (wir sind insgesamt 8 Leute) und fahren dieses Jahr in die Kulturhauptstadt Essen und besichtigen entweder das Rhuhrmuseum oder das Erfahrungsfeld der Sinne. Danach gibt es was zu essen und wir schippern über den Baldeneysee. Das ist gut für’s Betriebsklima und besser als eine Weihnachtsfeier nach langweiligen Muster.

  2. Gestern hat mein Zahnarzt meinen Termin abgesagt. Er macht mit der ganzen Praxis einen Betriebsausflug.

  3. Ja, der Betriebsausflug scheint am Aussterben zu sein. Doch ich finde teambuildende Maßnahmen sollten die Unternehmen schon weiter machen. Es ist dann ja auch ncht nur ein Betriebsausflug, sondern fördetrt gleichzeitig die Teamfähigkeit und die identivikation mit dem Unternehmen.

    Viele Grüße
    M.Vogelmann
    http://www.vogelmann-adventure.de

  4. Hallo,

    Ich lege keinen Wert auf Betriebsausflüge. So einen Kram gibts doch nur bei Behörden oder behördenähnlichen Organisationen. Und als ob der ganze Behördenkram nicht schon genug Zeit frisst, sind die gerade wenn ich mal etwas brauche auf Betriebsausflug.

    Beste Grüße