PR (2): Fotos von „meinem Freund Harvey“ – eine Lachnummer

Sie wollen bestimmen, was in der Presse über Sie erscheint und was nicht? Verwegene Idee. Patricia Riekel, Chefredakteurin der „Bunten“ müsste es eigentlich besser wissen – und hat´s trotzdem probiert. Für Fotos, die anscheinend eigens für einen bestimten Artikel im „Zeit Magazin“auf Kosten der Redaktion teuer aufgenommen wurden, hat sie anschließend die Abdruckerlaubnis verweigert.   So, als wäre sie gar nicht beteiligt gewesen beim Aufnehmen der Bilder. Doch was taten die Redakteure vom „Zeit Magazin“ daraufhin? Sie malten einen roten gewellten Rahmen an die Stelle, an der jeweils ein Foto hätte stehen sollen und schrieben darin zum Beispiel dies: „Los Angeles, Beverly Hills Hotel, vier Tage vor der Oskar-Verleihung: Patricia Riekel die Chefredakteurin der „Bunten“ lehnt mit dem Ellenbogen af dem Balkongeländer und blickt hinab auf die palmengesäumte Allee. Für unseren Fotografen hat sie sich Zeit genommen. Leider hat sie uns dann untersagt, dieses Foto zu veröffentlichen.“ Ganzseitige Non-Fotos. Was mag sie bloss geritten haben, als sie das tat?

„Zeit Magazin“: Text statt Bildern von der Bunte-Chefredakteurin Riekel.

Sie, die Dame, die für „freundlichen Journalismus“ steht und mit den Journalistenkollegen nun gar nicht freundlich umging. Denn die brachte sie durch ihre unvorhersehbare Absage in Bedrängnis. War es das wert? Den „Zeit“-Lesern solch ein Bild von sich zu geben – durchs Verweigern solcher Bilder, die wir uns nun wunderschön vorstellen? Denn ausnahmsweise trifft diese Verweigerung ja nicht nur die Redakteure, sie als Blamierte dastehen. Durch diesen Kunstgriff fühlt sich ja der einzelen Leser betrogen um den schönen Blick auf die Palmen, den ihm das „Zeit Magazin“ und der Fotograf offensichtlich gönnen wollten.

Donald Trump – so heisst es – ist das gegenteilige Phänomen: Er soll imer zu Journalisten gesagt haben „Schreiben Sie, was Sie wollen – Hauptsache mein Name ist richtig geschrieben.“ So dumm, wie es sich anhört, ist das auch gar nicht. Falsch geschrieben Namen findet heute im Internet keine Suchmaschine mehr, auch nicht im elektronischen Archiv – und von der gekränkten Eitelkeit mal ganz zu schweigen.

Und die andere Alternative: gar nicht vozukommen, einfach doch nicht so wichtig zu sein, weil der Artikel auch gut ohne einen erscheinen kann – das tut manchem Presse-Verweigerer hinterher doch leid. Vor allem, wenn er nach dem Erscheinen feststellt, dass Konkurrenten oder Mitbewerber sehr wohl vorkommen. Oder wenn man feststellt, dass es doch gar nicht weh getan hätte, vorzukommen.

Denn eins ist auch klar: Redaktionen sind arbeitsverdichtet und haben keine Zeit zu verlieren. Hat man die Wahl, wen man befragt, wird man sich kein zweites Mal eine blutige Nase holen wollen. Dann ruft ein Journalist lieber den an, der mutmasslich keine Schwierigkeiten macht, sondern an den Leser denkt. Und das sind dann diejenigen Kandidaten, die bei bestimmten Themen immer wieder die Hauptakteure in der Presse sind – ohne dass die Fachwelt nachvollziehen kann warum. Diejenigen, die immer erreichbar sind, immer freundlich trotz Druck und irgendwie hilfsbereit – und dann auch noch Ahnung haben und dieses Fachwissen auch noch rüberbringen können. Griffig verpackt und mit klaren Worten.

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