„Der Wolle muss weinen“, staunten die Mitarbeiter auf der Porsche-Betriebsversammlung. Wolfgang Porsche war gemeint. Und der Anlass war Wendelin Wiedekings Abschied, zu dem Aufsichtsrat-Chef Porsche sich jetzt derart gerührt zeigte.
Deja Vu? Gab es da nicht noch einen Wirtschaftsboss, der vor der versammelten Belegschaft Mut zu Tränen bewies vor nicht allzu langer Zeit? Richtig. Beim Abschied von Klaus Zumwinkel war es Frank Appel, der zu Tränen gerührt war – Zumwinkels Nachfolger.Merkwürdig, dass es in beiden Fällen nicht die Betroffenen selbst waren, die sich zu Tränen hinreißen ließen. Beide Male waren die eigentlichen Protagonisten auch keineswegs dem Untergang geweiht, sondern fielen – oder fallen – finanziell extrem weich. Sozialfälle sind weder Zumwinkel noch Wiedeking. Und beide Weinenden waren auch nicht etwa blutige Anfänger, sondern gestandene Männer. Manager mit Erfahrung. Und beide sind auch keine empfindsamen Künstler oder Kreative.
Noch merkwürdiger, dass Porsche wie Appel diese Tränen ausgerechnet vor versammelter Belegschaft und wie auf dem Präsentierteller kamen. Und nicht hinter verschlossenen Türen und in kleinem Rahmen. Auch vor Aktionären fließen selten Tränen.
Sollten diese Tränen von Porsche und Appel vielleicht doch eher strategische gewesen sein? Nach dem Motto: Wenn man die Herzen der Mitarbeiter schon nicht mit Überzeugungskraft gewinnen kann, dann eben so? Durch Drücken auf die Tränendrüse? Ob das die Tipps von Coaches waren? Im Wiedeking-Fall sollen durchaus auch anwesende Mitarbeiter daraufhin geweint haben.
Oder überdeckt Porsche damit, dass letztlich er Wiedeking geschasst hat und nun den EIndruck erweckt, jemand anderer habe ihm die Sache aufgedrängt?
Von Wolfgang Porsche jedenfalls hieß es im „ManagerMagazin“ dass er „cleverer sei als er tut“. Und Appel bezeichnete die „Wirtschaftswoche“ als „McKinsey-Maschine im Post-Chefsessel“. Klingt auch nicht grade nach Rührseligkeit in Person, oder?

Psycholgie weht wann und wo sie will. Postprivatisierung war für den ersten Vorstand wie ein Fallen in ein warmes Nest, was über viele Jahre von meist kleinen Privatkunden bereitet wurde. Die Luft war bei Übernahme sauber und hätte Saubermänner verdient gehabt. Der Wahn ist kurz die Reu ist lang, sagt Schiller und denkt an ein eventuelles Scheitern einer Ehe… Was bleibt ist Tränenflüssigkeit: Und warum sollte Tränenflüssigkeit im noch profaneren Bereich des Managements ausbleiben ?
Porsche hätte nichts Besseres passieren können als hineinschlüpfen in das warme Bett eines VW-Konzerns… bei aktuell 14 Milliarden Passiva und Pleite in 14 Tagen. Optionen sollten eigentlich für etwas Gut sein. Dass ein fallender Aktienkurs nicht gerade unbedingt auch dazu gehört… und warum sollte das hier bezahlte üppige Lehrgeld nicht auch eine Träne Wert sein ?
Und die Erfahrungen mit GM wird OPEL auch einige noch zu Tränen rühren.
Die Post wurde dreigeteilt in drei Sparten und nach ihrer Privatisierung fielen die ersten Vorstände in ein warmes Nest, bereitet vom kleinen Privatkunden. Wer solch „warmes Nest“ verlässt, veranlasst leicht emotionalen Tränenfluß, ob in Freud oder Schmerz ist dabei aber die Frage.
Bei „Wolle“ (unter Vorbehalt) war vordergründig beides möglich – es soll Freud und Leid ja eng zusammen liegen – und wohlwissend bald im warmen Bett des VW-Konzerns (endlich) überleben zu können: Ist eine Schlagseite der Passiva mit 14 Milliarden und Restlebensdauer von 14 Tagen schon in der Lage, Emotionen freizusetzen… und der Gesamtbetriebsrat geht zur Doppelspitze über, kann so ohne Emotionen auskommen.
Wenn gar nichts mehr läuft, laufen immer noch die Tränen… sei hier zum Troste gesagt.
Wenn gar nichts mehr läuft, laufen immer noch die Tränen… sei als Trost gesagt.