Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Squirro-CEO Dorian Selz, der Eisenbahnfahren liebt und dabei neue Bekanntschaften schließt

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Dorian Selz, CEO und Mitgründer des Schweizer Software-Start-ups Squirro mit Hauptsitz in Zürich sowie Büros in München, London, Singapur und New York. und Gründer der Suchwebseite local.ch.

 

Dorian Selz (Foto: Squirro)

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Squirro liefert eine BigData-App, mit der Firmen aus ihren zumeist unstrukturierten Daten direkt verwertbare Erkenntnisse generieren – zum Beispiel sieht ein Kundenberater, welche drei Kunden er heute zu welchen Themen anrufen soll.

 

Womit beginnt Ihr Arbeitstag und?

Oft früh um fünf oder halb sechs Uhr mit einer halben Stunde E-Mails, anschließend joggen, danach bereite ich das Frühstück für die Familie vor – wenn ich nicht auf Reisen bin.

 

Wie würden Sie sich selbst als Chef beschreiben?

Ich bin 47, verheiratet, Vater einer Tochter, mehrfacher Unternehmer. Als Startup-CEO verstehe ich mich als starker ‚Player-Coach‘. Ich bin für unsere Firma gleichzeitig Visionär und starker Umsetzer: Ich habe die ursprüngliche Idee mitskizziert und sie über die Jahre zu einer Firma geformt. In meiner Funktion braucht es vor allem ein gerütteltes Maß an Stress- und Krisenresistenz. Jede neue Idee und ihre Beteiligten werden am Anfang belächelt. Diese Anfangsphase muss man durchstehen können, denn Erfolg ist immer ein Mix von Dingen, die funktionieren, von Fehlern und dem raschen Lernen daraus.

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… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Meine Mitarbeiter wissen um meine fordernde Seite und dass ich mit eigenem Beispiel vorangehe. Ich denke, sie schätzen aber auch, dass wir selbst in den schwierigen Momenten, die es in jedem Start-up gibt, trotzdem alle halbe Jahre die ganze Firma für zwei Tage und eine lange Nacht zusammenkommt, um uns auszutauschen und gemeinsam zu feiern. Beim letzten Mal sind wir gegen vier Uhr morgens aus der Kegelbahn gekommen und standen um acht Uhr früh wieder im Konferenzraum.

 

Tee oder Kaffee?

Kaffee – mit etwas Milch

 

Ihr Spitzname ist…?

Swiss Iceberg. Damals als Präsident von Europa‘s größter Studentenorganisation AEGEE wurde ich oft auf meine Schweizer Wurzeln angesprochen.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Ich liebe Eisenbahnen ob groß oder klein und lese fürs Leben gerne Fahrpläne. Sie sorgen streng getaktet für zufällige Bekanntschaften: Wer sich im IC nach Frankfurt neben mich setzen wird, weiß ich vor Beginn der Reise nicht. Oft ergeben sich sehr interessante Gespräche und neue Beziehungen.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Leute, die nicht über ihren Tellerrand schauen: Bei jeder Start-up-Reise gibt es Hindernisse. Viele Leute hören beim Identifizieren des Problems auf. So verwandelt man keine Idee in ein nützliches Produkt.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Dass ich sehr präzise bin und das auch vom Gegenüber einfordere.

 

Was möchten Sie gerne mal machen, wenn Sie wirtschaftlich unabhängig wären, nicht mehr in Ihrer Firma und ganz viel Zeit hätten? 

Mit dem Empire Builder von Chicago nach Seattle fahren. Und über die nächste Firma nachdenken.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Ihre positive Einstellung zum Leben und Herausforderungen.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Meine Familie, meine Freunde und eine gute Debatte.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Ich schreibe diese Zeilen im Zug von Lugano nach Zürich. Ich wäre gerne der Zugführer vorne im Lokomotivführerstand, statt die Zeit in Online-Konferenzen zu verbringen. Die Aussicht auf der Gotthardstrecke ist phänomenal.

 

Die Tochter von Dorian Selz hat ihm den Scherenschnitt mit vier Jahren geschenkt: „Seither begleitet mich die Zeichnung überall hin. Sie dient mir als wunderbare Veranschaulichung der Unterschied zwischen Maschinen und Menschen ist. Als sie den Scherenschnitt im Kindergarten gemacht haben, kannte sie zwar Scheren und das Zeichnen. Aber die Kombination davon nicht – wie mir die Kindergärtnerin ein paar Tage später anlässlich eines Elternabends versichert hat. Meine Tochter hat den Horizont ihrer Erfahrungen mit dem Scherenschnitt überschritten, so wie das Millionen von anderen Menschen auch jeden Tag tun. Kein Computer hat das je erreicht. Sie können zwar Korrelationen rechnen, aber wirklich Neues können (bislang) nur Menschen schaffen.“

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