Ein Wunder: Berufstätige haben weniger Zeit zum Putzen

Sind alle jungen Leute kleine Ferkelchen? Den Eindruck erweckt jedenfalls eine Emnid-Umfrage, die die Nachrichtenagentur dpa heute meldet: „Je älter, desto fleißiger: Das gilt einer Umfrage zufolge zumindest im Haushalt. Die Generation ab 60 schrubbt, kocht und wäscht täglich fast zweieinhalb Stunden. Junge Menschen kommen nicht einmal auf eineinhalb Stunden, berichtete am Montag in Bochum die Wohnungsgesellschaft Deutsche Annington.“

Doch mit ein klein wenig Nachdenken komme ich dann auf andere Perspektiven: Zum einen haben jüngere Leute meist auch kleinere Behausungen. Die Studentenbude, die erste Wohnung. Ältere sitzen oft in einem Haus, die Kinder sind darin groß geworden und ausgezogen – in kleine eigene Wohnungen wie gesagt – und zurück bleiben die Senioren mit vielen Quadratmetern – die tunlichst auch sauber gehalten werden müssen. Und ergo mehr Zeitaufwand an Pflege brauchen. Logisch.

Selbst bei Stadtwohnungen verhält es sich oft so, dass viele Rentner alleine in einer Drei-Zimmer-Wohnung mit altem, günstigen Mietvertrag sind. Zögen sie aus, bekämen sie für dasselbe Geld nur noch eine viel kleinere Wohnung. Also muss auch die geputzt werden.

Der andere Grund für die vermeintlich höhere Sauberkeit Älterer: Da es in Deutschland seit Jahren üblich ist – dank Jugendwahn der Unternehmen – mit Mitte oder gar Anfang 50 aus dem Berufsleben herausgekickt zu werden, haben die Älteren dann eben auch mehr Zeit fürs Putzen und Pflegen von Haus und Garten, soweit vorhanden. Wie gerne würde sicher manche Berufstätige auch mal irgendwelche Ecken zuleibe rücken, die die Putzfrau immer elegant übersieht (überall wo man hinhört, sind die Putzfrauen ziemlich kurzsichtig und mögen ihre Brille keinesfalls aufsetzen) oder den Balkon mit den ersten Sonnenstrahlen schön herrichten. Doch Arbeit geht vor und wer ermattet ist nach einem Arbeitstag und Fitnessprogramm, Einkaufen, Kochen, Kinder abholen und verpflegen, womöglich andere familiäre Pflichten erledigen undundund, dem bleibt einfach gar nicht mehr die Zeit. So einfach ist das – und dann hat man gar keine Lust, zu lesen, dass nur Ältere reinlich sind, oder so.

Man fragt sich vor allem eins: Wie kann es sein, dass niemanden von Emnid, von der PR-Agentur oder der Wohnungsgesellschaft Deutsche Annington oder sonst einem Beteiligten dieser Hintergrund aufgefallen ist – und daraus nicht noch eine Pressemitteilung macht.

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Alle Kommentare [1]

  1. Kein Wunder, dass man als Berufstätiger kaum Zeit zum Putzen hat (oder besser gesagt: genug Energie). Wenn man nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt, will man schließlich mal abschalten und entspannen. Ich kenne einige, die sich eine Haushaltshilfe geholt haben, die 1-2 mal pro Woche die Grundreinigung übernimmt.