Da vermeldet die Nachrichtenagentur dpa gerade eine News aus London, die auf den ersten Blick schrill wirkt – aber auf den zweiten dann eben doch nicht mehr so wahnsinnig klingt: Ein Londoner Café im Szene-Viertel Covent-Garden offeriert jetzt Eiscreme aus Muttermilch. Dem ganzen Frühling vorneweg ist der Meldung natürlich die Stand-Alone-Position allein schon aufgrund der Terminierung Ende Februar sicher.
Auch wenn man weiss, dass die Briten nicht so Frostbeulen sind wie die Deutschen und schon in Sommerkluft losschieben, wenn die Temperaturen selbst noch gar nicht sommerlich sind.
Und was in den vergangenen Jahren so in die Auslagen der Eisdielen kam, war ja ohnehin schon oft verwunderlich – etwas das knallhimmelblaue Eis.
Doch zurück zum Muttermilch-Eis: Umgerechnet rund 17 Euro kostet so ein Eisbecher und an Spenderinnen mangelt es offenbar nicht. 15 Frauen hätten sich auf die entsprechende Zeitungs-Annonce hin gemeldet, die zum Abpump-Appell antreten und sich etwas hinzuverdienen wollen. Für 250 Milliliter bekommen sie immerhin 15 britische Pfund.
So ungewöhnlich ist auch das eigentlich nicht. Anfang der 60-er Jahre boten Geburtskliniken in Düsseldorf Wöchnerinnen, die noch Milch übrig hatten, 50 Pfenning für den Liter Muttermilch an – damit wurden eben andere Babys großgezogen, der Mamis weniger gesegnet waren, warum auch immer. Von professionellen Hebammen mal ganz abgesehen.
Das Londoner Eis jedenfalls hat den zugkräftigen Namen “ Baby Gaga“ und wird nicht pur verkauft, sondern verfeinert mit Madagaskar-Vanille und geriebener Zitronenschale. Der Muttermilch-Anteil beträgt 20 Prozent. Schmecken soll es Testessern zufolge wie Joghurt-Eis. Und – um auch allen besorgten Gesundheitsprofis gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen – die Milch werde nach denselben Kriterien wie Blutspenden überwacht, betont der einfallsreiche Café-Besitzer Matt O`Conner gegenüber dpa, .
Seine Überzeugung: „Wenn es gut für unsere Kinder ist, dann muss es auch gut für den
Rest von uns sein“, sagte er der BBC. „Einige Leute werden sich mit
Abscheu abwenden. Aber in Wirklichkeit ist das ein wahres
Bio-Produkt, absolut natürlich.“ Und seit wann wenden sich Babys ab, wenn sie angelegt werden? Vermutlich findet die Eissorte ihre Jünger – und das ist jedenfalls ein Produkt, dass ein Konzern nicht in großen Mengen auf den Markt werfen kann. Die Nische ist sicher.
