Das “Casa Luigi” in der Düsseldorfer Hohe Straße ist eine angesagte Lunch-Adresse – vor allem für die Rechtsanwälte der umliegenden Top-Kanzleien wie Henger Mueller, Taylor Wessing oder Linklaters. Matthias Ruppert – Headhunter bei Amrop Delta – bestellte den Fischteller mit gegrillten Seewolf (siehe unten). Und der vierfache Vater erklärte beim Essen, warum man Controller besser nicht in die Geschäftsführung lassen soll: Denn die Wahrscheinlichkeit, dass so ein Number Cruncher das Geschäft nicht intuitiv versteht, ist ziemlich hoch. Controller sind faktenorientiert, schön und gut. Aber ihnen fehle nun mal das Gefühl, wie der Markt reagiert – etwa auf ihre Produkte. Und genau das sei unglaublich wichtig.
Zum Beispiel der Fall von Marks & Spencer (M&S) in London, als das Traditions-Kaufhaus für BH´s in Körbchengröße DD plötzlich einen Aufschlag von über zwei Pfund verlangte. “Da hat bestimmt ein Controller vorher festgestellt, dass der Deckungsbeitrag für die BH´s in großen Größen zu niedrig war”, grinst er.

Was dann passierte, hätte ein erfahrener Kaufmann kommen sehen – und zu verhindern gewußt. Denn prompt nahm eine Britin den Kampf gegen M&S auf, weil sie sich unfair behandelt fühlte. Sie protestierte zu erst direkt bei M&S – und blitzte ab.
Ihre nächste Initialstufe: Die Dame aus Brighton rief im Internet Gleichgesinnte auf – der Name der Kampagne:„Busts 4 Justice“ – , versammelte da 13 000 weitere Frauen – und kaufte eine einzelne Aktie von M&S für 3,40 britsche Pfund. Sie plante, auf der nächsten Hauptversammlung gegen diese Preispolitik das Wort zu ergreifen. Inzwischen war auch die Presse auf die Aktion aufmerksam geworden, ergriff offen Partei für das Anliegen der Frauen oder stüzte sie durch Fachartikel über das Leid von Frauen mit sehr großer Oberweite.
Das Endergebnis: Marks & Spencer entschuldigte sich bei den Ladies in ganzseitigen Anzeigen in den Tageszeitungen und gewährte allen BH-Käuferinnen 14 Tage lang 25 Prozent Rabatt – auf sämtliche Modelle. Dass eine wütende Damen-Truppe auf der Hauptversammlung aufgetaucht wäre, das wollte das legendäre Warenhaus wohl doch lieber nicht riskieren.
Ruppert: “Ein erfahrener Kaufmann hätte intuitiv gewusst, dass so eine Preispolitik Proteste provoziert – und hätte solch eine Differenzierung nach der Brustgröße gar nicht erst versucht. So viel Feeling hat ein Controller nicht. Der sieht nur die Zahlen – und einen möglicherweise niedrigeren Deckungsbeitrag bei Körbchengröße Doppel-D.” Vermutlich hat die ganze Geschichte M&S einen Batzen Lehrgeld gekostet.
Ich weiss, ich weiss, was mancher jetzt denkt, – die armen Controller….Sicher: Nicht alle Controller sind gleich. Es gibt bestimmt ganz tolle unter ihnen, die umfassendes Branchen-Know-How obendrein haben und auch ganz viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit Kunden.
Matthias Ruppert bestellte gegrillten Lachs und Seewolf. 
