» 14.07.2010, 01:19

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Die Apotheke, die noch perfekter ist als eine Bank – und wo jeder diskret sein Viagra ordern kann

Eigentlich ist meine Apotheke  – sie liegt im Düsseldorfer Zooviertel – nur zwei Häuser weiter gezogen, aber ich kam mir in dem neuen riesigen Raum heute vor wie im Raumschiff Enterprise. Kein Vergleich mehr mit der früheren Apotheke, die auch schon keineswegs ‘old fashioned’ war, im Gegenteil. Doch nun: Ein meterlanger Thresen, unterbrochen von Glasscheiben, die quasi im Raum schweben. Nicht klares Glas, sondern eine Art Milchglas. In jeder dieser Boxen steht je eine Apothekerin und wenn man an sie herantritt, kann sie auf einen Zauberknopf drücken -  und die Scheiben färben sich dann plötzlich dunkler, so dass sie völlig blickdicht sind. Man steht als Kunde plötzlich in einer Art Raum im Raum, der schallisoliert ist. Im Zwiegespräch mit der Apothekerin seines Vertrauens und nur noch auf die Birkenstock-Sandalen desjenigen blickend, der nebenan, hinter der Scheibe steht, um seine Kopfschmerztabletten zu bestellen. Oder war es doch Viagra, so dass er vor den Blicken der anderen Kunden geschützt sein will? So muss es wohl sein, so viel Diskretionsbedürfnis, wie hier nötig scheint.

Man äussert seinen Wunsch, bespricht noch vielleicht, wie oft man die Medizin nehmen muss und die Apothekerin tippt fleissig in ihren PC – nachdem sie ihre Zugangskarte hinein eingesteckt hat. Kittel gibts hier nicht mehr, alle sind uniformiert in rotem Polo-Shirt, weisser Hose und roten Schlappen – und alle Damen mit demselben schwarzen, tiefsitzenden Leibriemen. Wie ein Cowboy-Gürtel, doch bewaffnet mit Kuli und PC-Zugangskärtchen. Das ist ganz wichtig, damit alles nachweisbar ist, erfahre ich. Wer was eingetippt und rausgegeben hat. Und dann poltert plötzlich hinter der Apothekerin aus einer Art Medikamenten-Rutsche die Tablettenpackung – ganz so, als sässe Apotheker Dr. Müller hinter der Wand und werfe die Medikamente höchstpersönlich raus.

Schneller ging das Ganze nicht, billiger ist es auch nicht, aber kein anderer Kunde hört mehr, was ich ordere. Und ich kann auch mit keinem anderen Kunden einen Small-Talk halten. Schade irgendwie. Und als ich mich herumdrehe und aus der Box gehe, warten brav in einer Schlange die drei nächsten Kunden – und schauen, wie am Flughafen, wo zuerst ein Schalter frei wird. Wobei ich beim Flughafen nicht in eine Art Box treten muss, um mein Ticket zu holen oder Koffer aufzugeben. Die Apothekerin jedenfalls findet die aufwändige Glas-Konstruktion klasse. Jetzt, – am Anfang war sie noch skeptisch, sagt sie. Ich witzle, dass die Albert-Schweitzer-Apotheke nun wohl Düsseldorfs modernste Apotheke sei – und das ist sie vermutlich auch. Darin sind wir uns dann einig.

Meine Kinder jedenfalls sind begeistert, dass es eine große Kinderspielecke gibt, die jede Arztpraxis vor Neid erblassen liesse. Und ich bekomme zum Abschied vier pinkfarbene Gerberas in die Hand gedrückt. Das bringt beim Rheinländer auch Pluspunkte.

Nur Parkplätze, die gibt es jetzt nicht mehr direkt vor der Eingangstür – und dieser Nachteil, der könnte auf lange Sicht echt zu Buche schlagen. Denn in die neue kostenpflichtige Garage mit den Kundenparkplätzen fährt man nicht mal so eben – die ist eine echte Hürde. Selbst wenn man von den freundlichen Damen in den roten Polo-Shirts ein kostenloses Ausfahrticket bekommen kann. Da sollte das Marketing nochmal drüber nachdenken.

» 14.07.2010, 01:19

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