Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Coach Nico Rose, der außerdem Bestsellerautor und Ex-Manager von Bertelsmann ist.

Nico Rose (Foto: Privat)
Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.
Ich bin selbstständiger Wirtschaftspsychologe, halte unter anderem Vorträge und begleite Führungskräfte und Führungsteams bei ihrer Arbeit.
Womit beginnt Ihr Tag?
Ich bin tendenziell Nachtarbeiter und daher auch tendenziell Langschläfer. Wenn es die Terminlage hergibt, schlafe ich daher gerne bis neun Uhr oder länger. Dann Kaffee und eine Runde Social Media.
Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave im Job?
Ich bin seit 35 Jahren beinharter Metal-Fan, habe eigentlich immer laute Musik laufen, wenn ich nicht gerade im Gespräch bin. Ich kann mich prima konzentrieren mit Krach auf den Ohren.

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?
Meine früheren MitarbeiterInnen, zum Beispiel bei Bertelsmann, werden das mit der Musik bestätigen können. Ob das dann individuell zu Freud oder Leid beigetragen hat, hängt sicherlich vom individuellen Musikgeschmack ab.
Tee oder Kaffee?
Cappuccino, vor oder nach einem Vortrag aber auch gerne Pfefferminztee.
Ihr Spitzname ist…?
„Der Minister“, für nicht gerade wenige Menschen. Das liegt daran, dass ich seit 2018 eine mittlerweile recht große Seite für Metal-Fans auf Facebook betreibe, das „Ministerium für Schwermetall“.
Verraten Sie eine private Marotte.
Ich singe gerne und laut. Aber eigentlich nur, wenn keiner dabei ist.
Was bringt Sie privat in Harnisch?
Ich reagiere wirklich empfindlich auf Schmatzgeräusche, vor allem, wenn sie nicht direkt mit dem Essvorgang verbunden sind. Ich sitze viel in der Bahn. Wenn da Leute so vor sich hin schmatzen oder sehr geräuschvoll Kaugummi kauen, stellen sich mir die Nackenhaare auf.
…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?
Ich laufe an öffentlichen Orten ständig an Menschen vorbei, auch wenn ich sie gut kenne. Mein mentaler Fokus ist oft stark nach innen gerichtet, vor allem, wenn ich gerade an einem Buch schreibe. Dann bin ich mit der Aufmerksamkeit gerade so weit im Außen, dass ich nicht ständig vor Gegenstände oder in Leute hineinrenne. Aber eigentlich „sehe“ ich dann nicht wirklich etwas.
Was möchten Sie gerne in Rente machen?
Auf jeden Fall mehr Romane lesen, die Klassiker, Goethe & Co. Ich lese seit einem guten Jahrzehnt fast nur Sachbücher – meist das, was für meine eigenen Bücher relevant ist. Darüber kommt der „gute Bildungskanon“ so ein wenig zu kurz. Falls meine beiden Kinder mal Kinder haben, möchte ich ein toller Opa sein. Und ich will immer noch nach Wacken fahren, zur Not mit dem Rollator.
Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Wenn sie selektiv meine gesammelten Unzulänglichkeiten übersehen können und stärker auf das schauen, was liebenswert ist. Ich mag es generell, wenn Menschen es schaffen, auf das Gute im Anderen zu schauen.
Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?
Ich besitze kaum Dinge, bin zuletzt zweimal umgezogen, einmal komplett mit der Regionalbahn, einmal mit einem recht kleinen Auto. Insofern lautet die ziemlich langweilige Antwort: Handy, Laptop, Kopfhörer.
Was war Ihr peinlichster Moment?
Geschämt habe ich mich in meinem früheren Job, als ich meinem damaligen Team sagen musste, dass die dringend benötigte Verstärkung nicht kommen wird. Wir liefen damals alle über lange Zeit auf 130 Prozent und hatten endlich eine neue Stelle genehmigt bekommen. Dafür wollten wir dann die perfekte Person finden und haben über Wochen viele gute Leute nach Gesprächen wieder gehen lassen.
Dann fanden wir sozusagen die perfekte Person und ich wollte ihr einige Tage nach den Gesprächen nachmittags telefonisch ein Angebot unterbreiten. Etwa drei Stunden vorher rief mich mein Chef an und sagte mir, dass das zugehörige Budget wieder gestrichen wurde. Der Moment, in dem ich das meinem Team sagen musste, war schlimm für mich. Nicht so sehr persönlich, ich habe ja aus der Rolle heraus gehandelt. Trotzdem war mir klar, dass das eine Zumutung für die Menschen war, dass ich ihnen da was schuldig geblieben bin.
Auf welches Erlebnis hätten Sie lieber verzichtet?
Ich habe bis Mitte 30 regelmäßig unter depressiven Episoden und Panikattacken gelitten. Seitdem bin ich deutlich stabiler. Mir fällt keine konkrete Sache ein, aber mit der Konstellation sind einfach viele Episoden für die Tonne gewesen.
Welche Eigenschaft haben Sie von Ihrer Mutter übernommen?
Vermutlich eine gewisse Eitelkeit, was das Äußere betrifft. Das merkt man vielleicht nicht immer, vor allem, wenn ich meine Metal-Klamotten trage. Aber ich achte schon sehr darauf.
Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?
Den Vorstandsvorsitz der Deutschen Bahn. Ich hatte noch nie ein eigenes Auto und sitze ständig im Zug. Vielleicht hätte ich danach mehr Verständnis für all das Chaos.
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