Ein Teller Tortelli mit Insolvenzrechtler Michael Pluta, der nicht mehr unerkannt über eine rote Ampel gehen kann

Michael Pluta (Foto: C. Tödtmann)
Die Mitarbeiterin hatte zwar gekündigt, sie stand aber noch bis zum Vertragsende mehrere Monate lang auf der Gehaltsliste der Kanzlei von Michael Pluta, erzählt mir der Insolvenzverwalter bei unserem Wiedersehen. Die besagte Angestellte arbeitete im Homeoffice und war aufgefallen, als die Kollegen nichts mehr von ihr hörten. Sie war plötzlich auf Tauchstation gegangen. Sie tat augenscheinlich nichts mehr, jedenfalls nichts, was die Kollegen wahrnehmen konnten. Telefonanrufe blieben unbeantwortet, ebenso wie E-Mails, und nicht mal Mahnungen.
Wie also ihr beikommen? Pluta hatte – typisch für ihn – eine überraschende Idee. Er fragte die Kollegen in ihrer Abteilung, ob sie auf die Frau verzichten könnten. Die Antwort: Nein, sie sahen kein Problem, sie waren selbst angesäuert über diese Arbeitshaltung und wollten ihre Aufgaben erst mal miterledigen, erzählt der Schwabe. Also griff Pluta zur List: Er ließ kurzerhand den PC der Mitarbeiterin abstellen, um abzuwarten, wie lange es wohl dauere, bis sie das bemerkte. Tatsächlich dauerte es ganze drei Tage, bis ihr auffiel, dass sie nicht mehr ins Firmennetz kam – und sie sich darüber bei der IT in der Zentrale beschwerte, erzählt Pluta grinsend. Das war´s dann.
Der Schwabe hat die Insolvenzrechtskanzlei in Ulm im Jahr 1982 gegründet und groß gemacht. Zu ihren prominentesten Fällen gehören Märklin, Leysieffer und Ahlers. Die Kanzlei bringt es heute auf 40 Niederlassungen in Deutschland, Italien und Spanien. Sie beschäftigt 587 Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Insolvenzverwalter, Kaufleute und Sanierungsexperten, erzählt Pluta. In seiner Heimat, in Ulm und Göppingen, ist er inzwischen stadtbekannt und könne es sich nicht mehr leisten, bei „Rot“ über die Ampel zu gehen. Die Bewohner würden ihn sofort mit seinem Namen ansprechen und zur Ordnung rufen.
Pluta ist ein Typ, und dafür schätzt man ihn. Wenn er beispielsweise ein Mandat übernimmt, muss er sich bei der Betriebsversammlung vor die ganze Belegschaft stellen, die aufgebracht ist und besorgt, wie es weitergeht mit ihrer Firma und ihrem Job. Das gerät bei Pluta nicht zur One-Man-Show oder Formalie, sondern er verlangt von seinen Experten, dass sie sich alle vorn postieren. Sie sollen sich der Belegschaft zeigen, verlangt er – jeder Einzelne aus dem Team, der an dem Einsatz mitarbeitet.
Gelegentlich beweist Pluta auch Sturheit und hat keine Scheu, bei anderen Großkanzleien anzuecken. Wenn er das Gefühl hat, dass die Gegenseite ein Mandat aufbläht. So nennt man es, wenn Anwälte viel mehr veranlassen als nötig und den Mann auf – vermeidbare – Kosten treiben. So war es bei dem Mandat, in dem es um die Bezahlung eines Sozialplans in Frankreich ging. Ein deutscher Manager leitete alles, alles lief in deutscher Sprache ab. Doch statt dass der Vertrag von der Sozietät auf Deutsch abgeliefert wurde, kam er auf Französisch und in Englisch auf Plutas Tisch – auf 28 Seiten. „Da hab’ ich mich geweigert“, zürnt er noch heute.

(Foto: C. Tödtmann)
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