Buchauszug Hanns-Ferdinand Müller: „Der Ton macht die Führung. Wie emotionale Intelligenz, Klarheit und Entschlossenheit dich zu einer Führungspersönlichkeit machen, der Menschen wirklich folgen“

Buchauszug Hanns-Ferdinand Müller: Der Ton macht die Führung. Wie emotionale Intelligenz, Klarheit und Entschlossenheit dich zu einer Führungspersönlichkeit machen, der Menschen wirklich folgen“

  

Hanns-Ferdinand Müller (Foto: PR/Remote Verlag/Frank Pterschröder)

 

  

Die Musik erfolgreicher Führung – oder: Der Ton macht die Führung

Herausforderungen moderner Führung im Zeitalter der digitalen Transformation

Die Rolle von Führungskräften und Top-Managern hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte tiefgreifend verändert. Während einst klare Hierarchien herrschten und Führung sich hauptsächlich auf Kontrolle und die ausschließliche Steigerung der Effizienz konzentrierte, sehen sich moderne Führungspersönlichkeiten heute mit einer Vielzahl neuer Herausforderungen konfrontiert. Die digitale Transformation, eine zunehmend vernetzte Welt und die veränderten Erwartungen der Mitarbeiter insbesondere der Generationen Y und Z, erfordern ein Umdenken. Erfolgreiches Management verlangt von Führungskräften nicht nur strategische Exzellenz, sondern ebenso emotionale Intelligenz, Agilität und Innovationskraft. Diese Veränderungen bringen zahlreiche Herausforderungen für die heutigen Top-Executives mit sich.

Digitalisierung und technologische Disruptionen

Die schnelle Entwicklung neuer Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Automatisierung und Big Data bringt für nahezu alle Unternehmen erhebliche Herausforderungen mit sich. Mitarbeiter, Führungskräfte und das Top-Management stehen vor der Aufgabe, nicht nur zu erfassen, wie diese Technologien ihre Geschäftsmodelle transformieren, sondern auch strategische Anpassungen zu identifizieren, die dringend notwendig sind. Unternehmen, die sich nicht rechtzeitig auf diese Veränderungen einstellen, laufen Gefahr, von ihren Mitbewerbern überholt zu werden.

Eine weitere bedeutende Herausforderung stellt die stetig wachsende Datenmenge dar, die zunehmend an Relevanz für alle Prozesse und Entscheidungen gewinnt. Immer öfter müssen Entscheidungen auf der Grundlage von Daten getroffen werden, doch nicht jede Führungskraft ist ein Experte im Bereich Digitalisierung. Daher ist es wichtig, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen technologischem Fortschritt und menschlichem Urteilsvermögen zu schaffen. Zudem bringt das Thema „Big Data“ zusätzliche Herausforderungen mit sich, wie die effiziente Speicherung der Daten sowie die Einhaltung zunehmender Datenschutzbestimmungen und Compliance-Vorgaben. Viele Unternehmen sehen sich daher gezwungen, leistungsfähige Technologien zu implementieren und hochqualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.

Agilität und die Notwendigkeit schneller Entscheidungen

Traditionelle Unternehmensstrukturen, die von starren Hierarchien und langen Entscheidungswegen geprägt sind, verlieren in der heutigen Zeit oft ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die Märkte unterliegen einem schnellen Wandel, das Konsumverhalten ist zunehmend schwer vorhersehbar, und Krisen wie die COVID-19-Pandemie können Unternehmen unvorbereitet und strukturell treffen. In diesem dynamischen Umfeld wird es daher entscheidend, moderne Technologien zu nutzen und hochqualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.

Moderne Führung erfordert eine agile Denkweise: Unternehmen müssen in der Lage sein, flexibel auf Veränderungen zu reagieren, während sie gleichzeitig ihre langfristige Strategie im Auge behalten. Für Top-Manager bedeutet dies, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen, Verantwortung an ihre Teams zu delegieren und sich selbst als Facilitator und Coach zu verstehen, deren Aufgabe es ist, Innovation und Wandel aktiv zu fördern und zu ermöglichen.

 

Wandel in der Mitarbeiterführung: New Work und Generation Z

Die Erwartungen an dich als Führungskraft haben sich grundlegend gewandelt. Die Generationen Y und Z verlangen flachere Hierarchien, sinnstiftende Arbeit sowie mehr Flexibilität bei der Gestaltung ihrer Arbeitsumgebung. Homeoffice, hybride Arbeitsmodelle und eine ausgewogene Work-Life-Balance sind nicht länger Zusatzleistungen, sondern zentrale Anforderungen dieser Generationen.

Top-Manager müssen sich daher nicht nur auf Unternehmensziele und Strategien konzentrieren – sprich auf Zahlen, Daten und Fakten –, sondern auch als Gestalter von Unternehmenskultur und Werten fungieren. Wer seine Mitarbeiter langfristig binden möchte, muss sie nicht nur finanziell unterstützen, sondern auch emotional und intellektuell an das Unternehmen binden. Dies erfordert Empathie, Kommunikationsstärke und ein tiefes Verständnis für die unterschiedlichen Motivationen der Generationen.

Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung

In einer Zeit, in der der Klimawandel, soziale Ungleichheit und ethische Fragestellungen die öffentliche Diskussion maßgeblich prägen, sehen sich Unternehmen einem zunehmenden Druck ausgesetzt, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen – auch bekannt als Corporate Social Responsibility. Investoren, Kunden und Mitarbeitende fordern nachhaltige Geschäftsmodelle, transparente Lieferketten und ethisches Handeln.

Für Führungskräfte stellt dies eine doppelte Herausforderung dar: Sie müssen nicht nur wirtschaftliche Ziele verfolgen, sondern auch ökologische und soziale Verantwortung übernehmen. Nachhaltigkeit sollte daher nicht lediglich als PR-Thema betrachtet werden, sondern muss authentisch und konsequent in die Unternehmensstrategie integriert werden.

Psychische Belastung und Resilienz des Top-Managements

Die wachsenden Anforderungen an Führungskräfte haben auch ihre Schattenseiten: Stress, Druck und psychische Belastungen nehmen stetig zu. Manager sehen sich ständig mit Unsicherheiten konfrontiert, müssen Krisen bewältigen und höchsten Erwartungen gerecht werden. Hinzu kommen die geopolitischen und internationalen Herausforderungen, die die Situation zusätzlich erschweren.

In diesem Kontext ist Resilienz zu einer entscheidenden Schlüsselkompetenz für moderne Führungskräfte geworden. Wer langfristig erfolgreich sein möchte, muss lernen, mit Unsicherheiten umzugehen, bewusst zu delegieren und sich regelmäßige Pausen zu gönnen. Ein achtsamer Umgang mit der eigenen Gesundheit stellt keine Schwäche dar, sondern ist vielmehr eine grundlegende Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg und eine effektive Führung.

Führung im Wandel – eine neue Ära des Managements

Die Anforderungen an Top-Manager haben sich grundlegend gewandelt. Heute bedeutet erfolgreiche Führung weit mehr als nur betriebswirtschaftliches Fachwissen. Digitale Kompetenz, Agilität, emotionale Intelligenz, Nachhaltigkeit und persönliche Resilienz sind entscheidende Faktoren für langfristigen Erfolg.

Führungskräfte, die diese Herausforderungen nicht als Bedrohung, sondern als Chance begreifen, werden in der Lage sein, die Zukunft aktiv zu gestalten. Damit können sie nicht nur ihre Unternehmen, sondern auch die Gesellschaft positiv beeinflussen. Im Sinne des vorne zitierten Robert I. Sutton, Professor an der Stanford Graduate School of Business in Palo Alto, könnte man sagen: „Haben Sie die Lösung, oder sind Sie das Problem?“ Dies ist eine Formel der Zukunft.

 

Die Grenzen klassischer Führungsansätze und Managementtheorien

Die Art und Weise, wie Unternehmen geführt werden, hat sich im Laufe der Jahrzehnte stetig gewandelt. Die klassischen Management- und Führungstheorien, die im 19. Und 20. Jahrhundert entstanden, haben lange Zeit als wertvolle Leitlinien gedient. Doch in einer zunehmend dynamischen, digitalisierten und komplexen Welt stoßen viele dieser traditionellen Konzepte nun an ihre Grenzen. Während sie zwar wertvolle Einsichten bieten, reicht es nicht mehr aus, sich ausschließlich auf sie zu verlassen. In diesem Buch werde ich deshalb auch die Schwächen traditioneller Führungsansätze beleuchten und ihre Einschränkungen im Kontext der modernen Arbeitswelt herausarbeiten.

Klassische Führungstheorien: Ein kurzer Überblick

Die klassischen Führungstheorien lassen sich grob in drei Hauptkategorien zusammenfassen:

Eigenschaftstheorien – Diese Ansätze postulieren, dass Führung in erster Linie eine Frage der Persönlichkeit ist. Sie beruhen auf der Überzeugung, dass bestimmte Eigenschaften wie Charisma, Intelligenz und Durchsetzungsvermögen einen erfolgreichen Leader auszeichnen.

Verhaltenstheorien – Hier rückt das Führungsverhalten in den Vordergrund. Modelle wie die Ohio-State- oder Michigan-Studien analysieren, ob eine aufgabenorientierte oder eine mitarbeiterorientierte Führung effektiver ist.

Situative Führungstheorien – Diese Modelle betonen, dass es keinen universellen Führungsstil gibt. Vielmehr sollte das Führungsverhalten an die jeweilige Situation angepasst werden, wie es beispielsweise im situativen Führungsstil von Hersey und Blanchard erläutert wird.

Darüber hinaus existieren traditionelle Managementansätze, wie das Tayloristische Prinzip, das auf Effizienz und Kontrolle fokussiert, sowie der Bürokratie-Ansatz von Max Weber, der klare Strukturen und Regeln als Erfolgsfaktoren betrachtet.

Jedoch weisen diese Theorien erhebliche Schwächen auf, insbesondere in der Dynamik der heutigen Arbeitswelt.

Die Grenzen klassischer Führungsansätze

Die Illusion einer perfekten Führungskraft

Eigenschaftstheorien legen nahe, dass erfolgreiche Führung vor allem eine Frage der Persönlichkeit ist. Die moderne Forschung hingegen zeigt, dass Führungskompetenz weniger von festen Charakterzügen abhängt, sondern vielmehr von der Fähigkeit, sich flexibel an neue Herausforderungen anzupassen. Diese Flexibilität kann zwar Teil der Persönlichkeit sein, jedoch spielen auch zahlreiche weitere Faktoren eine Rolle, die es zu berücksichtigen gilt. Darüber hinaus führt dieser Ansatz häufig zu einer Vorstellung von „Heldenführung“, bei der eine charismatische Einzelperson im Fokus steht. In agilen und dezentralen Organisationen mit flachen Hierarchien ist eine solche Denkweise jedoch längst überholt. Heute wird Führung oft als eine geteilte Verantwortung angesehen und auch so in der Praxis gelebt.

Führung als starres Verhalten statt als dynamischer Prozess

Die verhaltensorientierten oder behavioristischen Ansätze klassifizieren Führungsstile in Kategorien wie autoritär, kooperativ oder laissez-faire. Diese Einteilungen sind jedoch häufig zu starr und bieten kaum Raum für hybride Formen. In der Praxis ist es notwendig, Führung situativ anzupassen; eine strikte Kategorisierung greift hier zu kurz.

Darüber hinaus schenken traditionelle Modelle emotionaler Intelligenz und Soft Skills, die aus meiner Sicht für Führungskräfte unerlässlich sind, wenig Beachtung. In modernen Arbeitsumfeldern, in denen Teamarbeit, Empathie und Motivation entscheidend sind, ist es unzureichend, Führung lediglich anhand von Verhaltensmustern zu definieren.

Die Unterschätzung der Dynamik moderner Märkte

Viele traditionelle Führungsansätze stammen aus einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stabil waren. Der Taylorismus beispielsweise basiert auf der Annahme von Planbarkeit und Effizienzsteigerung in einem kontrollierbaren Umfeld. Doch in der heutigen, von Unsicherheiten geprägten VUKA-Welt – geprägt von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität – erweisen sich starre Strukturen oft als hinderlich.

Unternehmen sind immer mehr gefordert, flexibel auf neue technologische Entwicklungen oder auch Krisen (z. B. Pandemien Kriege etc.) zu reagieren. Klassische Führungstheorien, die auf Hierarchie und Kontrolle setzen, sind für solche dynamischen Herausforderungen häufig nicht mehr ausreichend schnell und anpassungsfähig.

Die Vernachlässigung von Mitarbeitermotivation und Selbstorganisation

Viele traditionelle Managementansätze, insbesondere der Taylorismus, sehen Mitarbeitende vor allem als Produktionsfaktoren, die es effizient zu steuern gilt. Oft wird dabei die menschliche Komponente vernachlässigt. Heute wissen wir jedoch, dass Motivation und Eigenverantwortung entscheidende Einflussfaktoren für Produktivität und Innovation sind. Selbstorganisierte Teams, agile Methoden und partizipative Führungsstile zeigen sich in vielen Branchen und Unternehmen als wesentlich erfolgreicher als starre hierarchische Strukturen. Führungsstile, die stark auf Kontrolle und Anweisungen setzen, stoßen besonders bei jüngeren Generationen auf Widerstand. Die Generationen Y und Z erwarten von ihren Führungskräften nicht nur klare Anweisungen, sondern auch Inspiration, Unterstützung und die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung.

Alternative Ansätze für die moderne Führung

Angesichts der Herausforderungen, die klassische Führungstheorien mit sich bringen, setzen moderne Unternehmen zunehmend auf innovative Führungsansätze:

  • Transformationale Führung: Anstatt Kontrolle auszuüben, steht hier die Inspiration und Sinnstiftung im Mittelpunkt. Führungskräfte motivieren ihre Mitarbeiter und Teams durch Visionen und Werte, statt sich lediglich auf Anweisungen und Überwachung zu stützen.
  • Servant Leadership: In diesem Ansatz verstehen sich Führungskräfte als Unterstützer ihrer Mitarbeiter nicht als Kontrolleure. Sie fördern Eigenverantwortung und persönliche Weiterentwicklung.
  • Agile Führung: Hierarchien werden weitgehend abgebaut, und die Teams organisieren sich größtenteils selbst. Führungskräfte agieren eher als Moderatoren und Facilitatoren denn als traditionelle Manager.
  • Systemische Führung: Unternehmen werden als komplexe soziale Systeme wahrgenommen, in denen einfache Ursache-Wirkung-Zusammenhänge nicht existieren. Daher müssen Führungskräfte flexibel und anpassungsfähig handeln.

 

Obwohl diese modernen Führungsmodelle nicht alle Probleme lösen, ermöglichen sie doch eine differenzierte Perspektive auf Führung, die sowohl die Führungskräfte als auch die Mitarbeiter in einer komplexen und unsicheren Welt unterstützt.

 

Der Ton macht die Führung – Remote Verlag, 24,99 Euro, 247 Seiten

 

 

Führung muss sich weiterentwickeln

Klassische Führungsansätze haben zweifellos wertvolle Erkenntnisse geliefert, aber in der heutigen Arbeitswelt stoßen sie häufig an ihre Grenzen. Sie sind oft zu starr und hierarchisch und berücksichtigen weder die Dynamik moderner Märkte noch die veränderten Erwartungen der Mitarbeitenden.

Erfolgreiche Führung erfordert heute ein Umdenken: Agilität, Flexibilität und partizipative Ansätze stehen im Vordergrund, anstelle von Kontrolle und starren Hierarchien. Führungskräfte müssen kontinuierlich an ihrer Entwicklung arbeiten, neue Methoden adaptieren und sich darüber im Klaren sein, dass es keine universelle Erfolgsformel gibt. Nur wer Führung als einen dynamischen, lernenden Prozess versteht, kann in der heutigen Zeit langfristig erfolgreich sein.[1]

Der ganzheitliche Führungsansatz für das Top-Management

In einer Welt, die von technologischen Umbrüchen, komplexen Märkten und sich verändernden Erwartungen der Mitarbeitenden geprägt ist, sehen sich Führungskräfte zunehmend der Herausforderung gegenüber, ihren Führungsstil kontinuierlich zu hinterfragen und anzupassen. Herkömmliche Führungsmodelle stoßen oft an ihre Grenzen, da sie meist nur einen Teilaspekt der Realität berücksichtigen – sei es die rationale, emotionale oder die durchsetzungsstarke Komponente des Führens.

Mein Ansatz „Führen mit Hirn, Herz und Hintern“ vereint drei wesentliche Dimensionen der Führung: Intellekt – das Hirn für strategische Weitsicht, Empathie – das Herz für eine starke Unternehmenskultur, und Durchsetzungsvermögen – der Hintern für konsequentes Handeln. Diese integrative Methode ermöglicht es Führungskräften, flexibel auf Herausforderungen zu reagieren und langfristigen Erfolg zu sichern. Nur wenn all diese drei Elemente zusammenwirken, entsteht – so zeigen meine Recherchen, Beobachtungen und das Feedback von Kolleginnen und Kollegen aus jahrzehntelanger Führungserfahrung – ein ganzheitlicher, positiv wahrgenommener Führungsansatz für die Mitarbeitenden.

Hirn – Die Kraft der Klarheit und Struktur

Erfolgreiche Manager müssen in unserer VUCA-Welt in der Lage sein, das große Ganze zu sehen, Entwicklungen zu antizipieren und fundierte Entscheidungen zu treffen – sie müssen ihre Zahlen, Daten, Fakten kennen und beherrschen. „Führen mit Hirn“ bedeutet, sich auf Fakten, Daten und Logik zu stützen, um notwendige strategische Weichenstellungen vorzunehmen.

Warum ist das wichtig?

  • Die digitale Transformation erfordert fundierte, datengetriebene Entscheidungen.
  • Globale Märkte sind volatiler denn je – präzise Analyse und langfristige Planung ist essenziell.
  • Komplexe Probleme lassen sich nur mit analytischem, systemischem Denken lösen.

Ein Top-Manager, der mit „Hirn“ führt, zeichnet sich durch eine starke Zukunftsorientierung, strategisches Denken und die Fähigkeit aus, fundierte Entscheidungen zu treffen. Oder, wie ich es manchmal jovial sage „…ein Top-Manager muss wissen, wovon er redet!“ – er muss es können, sein Rüstzeug beherrschen. Allerdings darf dieses Wissen, diese Rationalität nicht in Kälte oder Bürokratie umschlagen – reine Kopfführung ohne menschliche Komponente kann zu Demotivation und Misstrauen bei den Mitarbeitern führen.

Herz – Führung durch Empathie und Menschlichkeit

Mitarbeitende erwarten von Führungskräften heute aber mehr als nur Analysen, Strategien und Anweisungen. Sie wollen inspiriert, wertgeschätzt und als Individuen wahrgenommen werden. Wer mit „Herz“ führt, setzt auf eine menschenzentrierte Führung, die Vertrauen schafft und die emotionale Intelligenz als Kernkompetenz begreift.

Warum ist das wichtig?

  • Mitarbeitermotivation und -bindung hängen stark von emotionaler Führung ab.
  • Teams, die sich psychologisch sicher fühlen, arbeiten kreativer und produktiver.
  • Die Generationen Y und Z erwarten Sinnhaftigkeit und Wertschätzung am Arbeitsplatz.

Ein empathischer Führungsstil bedeutet aber nicht, konfliktscheu oder zu nachgiebig zu sein. Es geht darum, eine Kultur des Vertrauens und der Offenheit zu schaffen, in der sich Mitarbeitende ernst genommen fühlen und damit sicher. Führungskräfte, die emotional intelligent agieren, verstehen die Bedürfnisse ihrer Teams besser und können so eine produktive und wertschätzende Unternehmenskultur etablieren.

Hintern – Konsequenz und Entschlossenheit in der Führung

Während strategisches Denken (Hirn) und Empathie (Herz) entscheidende Erfolgsfaktoren sind, braucht es gleichzeitig Durchsetzungskraft und Entschlossenheit. Führung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen und für Ergebnisse zu sorgen – das ist das, was ich „Führen mit Hintern“ nenne.

Warum ist das so wichtig?

  • In Krisenzeiten sind klare, oftmals zügige Entscheidungen gefragt. Zögern kann Unternehmen in Schwierigkeiten bringen.
  • Mitarbeitende benötigen eine Richtung und erwarten von Führungskräften Konsequenz.
  • Veränderungen lassen sich nur mit Mut und Beharrlichkeit umsetzen.

Zu viele Führungskräfte neigen dazu, entweder zu zögerlich oder zu autoritär zu handeln. Der richtige Mittelweg bedeutet, sich nicht von Widerständen entmutigen zu lassen und dennoch offen für Feedback und Anpassungen zu sein. Wer mit „Hintern“ führt, steht für seine Entscheidungen ein und setzt diese entschlossen um – ohne in blinden Aktionismus oder Starrheit zu verfalle

Die Balance zwischen Hirn, Herz und Hintern

Der Schlüssel zum wahren Erfolg dieses integrativen Führungsansatzes liegt in der harmonischen Verbindung aller drei Elemente. Ein Top-Manager, der ausschließlich rational handelt, wird oft als distanziert und kühl wahrgenommen. Führt man hingegen nur mit Herz, kann dies als Schwäche gedeutet werden. Und wer durch autoritäres Verhalten („Hintern“) dominiert, läuft Gefahr, die Mitarbeitenden zu überfordern oder zu demotivieren.

Die Kunst besteht darin, je nach Situation die richtige Balance zwischen Rationalität, Empathie und Entschlossenheit zu finden und diese Elemente gezielt einzusetzen. Zum Beispiel:

  • In Krisensituationen ist schnelles Handeln („Hintern“) erforderlich, aber stets bedacht („Hirn“) und unter Berücksichtigung des Teams („Herz“).
  • Bei Innovationsprozessen spielt strategisches Denken („Hirn“) eine zentrale Rolle, während Mut („Hintern“) für die Umsetzung und Empathie („Herz“) für die Einbindung des Teams unerlässlich sind.
  • In Veränderungsprozessen müssen Führungskräfte mit klarem Verstand („Hirn“) leiten, Widerstände nachvollziehen („Herz“) und dennoch konsequent bleiben („Hintern“).

 

Führung neu denken

Führung muss neu gedacht werden! Führen mit Hirn, Herz und Hintern ist weit mehr als nur eine Methodik – es ist, aus meiner Sicht, eine ganzheitliche Haltung, die es Top-Managern ermöglicht, in einer komplexen und dynamischen Welt erfolgreich zu agieren. Die klassische Führung, die oft lediglich auf Kontrolle oder Hierarchien basiert, ist nicht mehr ausreichend. Moderne Führung verlangt nach Strategie und Weitsicht (Hirn), Empathie und Teamorientierung (Herz) sowie Durchsetzungskraft und Mut (Hintern). Wer diese drei Elemente beherrscht und situationsgerecht einsetzt, fördert nicht nur den nachhaltigen Unternehmenserfolg, sondern trägt auch zu einer gesunden und motivierenden Unternehmenskultur bei.

Der Schlüssel zur Zukunft liegt also in der Fähigkeit, nicht nur klug, nicht nur empathisch und nicht nur entschlossen zu sein – sondern all diese Aspekte gleichzeitig zu vereinen! Und genau hier kommt die Musik ins Spiel!

 

Harmonie, Takt und Improvisation – Was Führung von der Musik lernen kann

In der heutigen komplexen und dynamischen Geschäftswelt ist Führung längst keine starre Disziplin mehr, sondern vielmehr eine Kunstform, die es zu verstehen und zu meistern gilt. Wenn du beim Lesen von „Hirn, Herz und Hintern“ gedacht hast, dass die Beherrschung dieser Elemente „große Kunst“ ist, dann liegst du genau richtig, es braucht ein bisschen Übung.

Führungskräfte stehen vor der Herausforderung, Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten, Erwartungen und Persönlichkeiten zusammenzubringen, Veränderungen zu bewältigen und in unsicheren Situationen kluge Entscheidungen zu treffen. In diesem Zusammenhang bietet die Musik eine wertvolle Quelle der Inspiration. Sie liefert praktische und anschauliche Beispiele, die helfen, sich auf einen neuen Führungsstil einzulassen und überzeugt, dass dies nach ihren Prinzipien machbar ist.

Drei zentrale musikalische Prinzipien – Harmonie, Takt und Improvisation – lassen sich direkt auf erfolgreiche Führung übertragen. Ein harmonisches Team zu formen, ein feines Gespür für den richtigen Takt in Entscheidungssituationen zu entwickeln und die Fähigkeit zur Improvisation in unsicheren Zeiten zu nutzen, sind essenzielle Kompetenzen für dich als moderne Führungskraft.

 

Harmonie – Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg

Harmonie in der Musik entsteht, wenn verschiedene Töne oder Stimmen so zusammenspielen, dass für den Hörer, die Hörerin ein angenehmer Klang entsteht. Übertragen auf die Führung bedeutet dies, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem individuelle Stärken optimal genutzt werden und Teams effektiv zusammenarbeiten.

Warum ist Harmonie in der Führung wichtig?

  • Vielfalt als Stärke nutzen: So wie in einem Orchester verschiedene Instrumente zusammenwirken, muss eine Führungskraft unterschiedliche Talente und Persönlichkeiten in Einklang bringen und sich ihrer Bedeutung bewusst sein
  • Kollaboration fördern: Ein harmonisches Team funktioniert dann am besten, wenn sich alle Beteiligten (alle Stakeholder) „systemisch“ verstehen und sich gegenseitig respektieren und unterstützen.
  • Konflikte konstruktiv lösen: Disharmonie kann produktiv sein, wenn sie als kreative Spannung genutzt wird. Führung bedeutet, Konflikte nicht zu vermeiden, sondern sie zuzulassen und so zu moderieren, dass sie zu besseren Ergebnissen führen.

Ein erfolgreicher Leader ist also nicht nur ein Dirigent, der den Takt vorgibt, sondern auch ein Komponist, der ein stimmiges Konzert schreibt und für eine gute Zusammenarbeit sorgt.

Takt – Der richtige Rhythmus für Entscheidungen und Veränderungen

In der Musik ist der Takt das Fundament, das Struktur gibt und sicherstellt, dass alle Musiker synchron spielen. In der Führung ist es ähnlich: Ein gutes Timing ist entscheidend, um Veränderungen klug zu steuern und Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen.

Warum ist Taktgefühl in der Führung entscheidend?

  • Entscheidungen im richtigen Moment treffen: Zu schnelles oder zu langsames Handeln kann den Erfolg eines Unternehmens gefährden. Führungskräfte müssen den optimalen Moment erkennen – sei es für eine strategische Neuausrichtung oder für eine kritische Personalentscheidung.
  • Veränderungen mit Bedacht steuern: Change-Prozesse sind vergleichbar mit einem musikalischen Übergang – wer zu abrupt wechselt, erzeugt Chaos, wer zu zögerlich ist, verliert den Schwung.
  • Emotionale Intelligenz zeigen: Taktgefühl bedeutet auch, die Stimmung im Team zu erkennen und darauf angemessen zu reagieren. Wer zu fordernd ist oder in heiklen Momenten unsensibel agiert, verliert das Vertrauen seiner Mitarbeitenden.

Ein guter Leader hat also nicht nur eine Vision, sondern auch das Gespür dafür, wann und wie sie umgesetzt werden sollte.

Improvisation – Flexibilität als Führungskompetenz

Improvisation ist eine hohe Kunst in der Musik – sie erfordert Kreativität, Spontaneität und die Fähigkeit, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. In der Führung ist diese Kompetenz ebenso essenziell, denn Pläne funktionieren nicht immer, Probleme und Unsicherheiten gehören zum Alltag.

Warum ist Improvisation in der Führung entscheidend?

  • Dynamisch auf Veränderungen reagieren: In einer Welt, die sich rasant verändert, sind starre Strategien oft zum Scheitern verurteilt. Wer improvisieren kann, bleibt handlungsfähig.
  • Innovationen ermöglichen: Führungskräfte, die sich trauen, außerhalb starrer Regeln zu agieren, schaffen Raum für neue Ideen und kreative Problemlösungen.
  • Mut zum Experimentieren zeigen: So wie ein Jazzmusiker aus dem Moment heraus neue Melodien erschafft, müssen Führungskräfte den Mut haben, auch unkonventionelle Wege zu gehen.

Erfolgreiche Führung bedeutet also nicht nur Planung und Kontrolle, sondern auch die Fähigkeit, flexibel und kreativ auf Veränderungen zu reagieren.

 

Es bedarf der Führungskraft als Musiker und Dirigent des Unternehmens

Führung ist keine starre Disziplin, sondern vielmehr eine dynamische Kunstform – vergleichbar mit der Musik. Wer ein Unternehmen oder ein Team mit Erfolg leiten möchte, kann wertvolle Lektionen aus den Prinzipien der Musik ziehen:

  • Harmonie fördert eine produktive Zusammenarbeit und stärkt die Unternehmenskultur.
  • Taktgefühl gewährleistet, dass Entscheidungen zur richtigen Zeit getroffen werden und Veränderungen mit Überlegung angegangen werden.
  • Improvisation erlaubt es, flexibel auf Herausforderungen zu reagieren und kreative Lösungen zu entwickeln.

Die besten Führungspersönlichkeiten sind daher nicht nur Strategen oder Analysten, sondern auch Künstler. Sie verstehen es, die richtigen Töne zu treffen, den Rhythmus zu halten und dort zu improvisieren, wo es erforderlich ist. Nur wer diese drei Elemente effektiv miteinander verbindet, kann langfristig eine inspirierende und erfolgreiche Führungskraft sein.

In Anlehnung an Daniel J. Levitin lässt sich sagen, dass erfolgreiche Musik – ebenso wie erfolgreiche Führung – ein Gleichgewicht zwischen Struktur und kreativer Abweichung erfordert. Dies verdeutlicht, dass Führung – wie auch die Musik – ein harmonisches Zusammenspiel verschiedener Elemente erfordert. Ein guter Leader muss sowohl die technischen Fähigkeiten als auch die emotionalen Aspekte beherrschen, um seine „Komposition“ – das Unternehmen und seine Mitarbeiter – in Einklang zu bringen. Oder wie es Henry Mintzberg, der renommierte Management-Experte und langjährige Professor an der McGill-University in Montreal auf den Punkt bringt, wenn er Management mit dem Dirigieren eines Orchesters vergleicht und betont, dass es darum gehe, die einzelnen Instrumente so zu koordinieren, dass sie im Einklang miteinander spielen.

Der Ton macht die Führung

Führung beginnt nicht mit einem Titel. Und sie endet nicht mit einem Plan. Führung beginnt mit einem inneren Ton – und mit der Frage: Wer will ich als Mensch sein, wenn andere mir folgen sollen?

In einer Welt voller Veränderungen, Unsicherheit und Komplexität sind Mitarbeiter nicht mehr bereit, blind Anweisungen zu befolgen. Sie suchen keine Befehlshaber – sie suchen Menschen, denen sie vertrauen können. Sie folgen nicht Autorität, sie folgen Haltung.

Und genau hier kommt die Kraft emotionaler Intelligenz, gepaart mit Klarheit und Struktur sowie Mut und Entschlossenheit ins Spiel. Diese Kombination ist kein Widerspruch, sondern die neue Balance, die moderne Führung glaubwürdig und wirksam macht.

Emotionale Intelligenz – das Fühlen hinter den Fakten

Menschen folgen keinem Businessplan. Sie folgen Menschen. Und: Menschen möchten gesehen, gehört und verstanden werden. Emotionale Intelligenz bedeutet, die Stimmungen im Raum zu spüren, bevor sie ausgesprochen werden. Zu erkennen, wann ein Team Energie hat – und wann es innerlich abdriftet. Es geht darum, nicht nur zu argumentieren, sondern auch zu resonieren – also in emotionalen Kontakt zu treten, ohne die eigenen Prinzipien zu verlieren.

Empathie heißt nicht, immer nett zu sein. Es heißt, präsent zu sein. Ehrlich, aufmerksam, offen. Wer emotional intelligent führt, schafft psychologische Sicherheit – den vielleicht wertvollsten Rohstoff für Leistung, Kreativität und Loyalität.

Entschlossenheit und Mut im Handeln

Es braucht Mut, sich in der Führung nicht hinter Strukturen oder Buzzwords zu verstecken. Mut, auch Unklarheiten zu benennen. Mut, Entscheidungen zu treffen, selbst wenn nicht alle Fakten vorliegen. Und vor allem: Mut, sich selbst zu zeigen – mit Ecken, Kanten, Zweifeln.

Mitarbeitende folgen nicht der perfekten Maske, sondern dem echten Menschen. Wer den Mut hat, sich als Mensch zu zeigen, macht den Raum frei für Vertrauen.

Empathie ohne Entschlossenheit wird zur Beliebigkeit. Wirkungsvolle Führung verlangt klare Entscheidungen, vor allem dann, wenn sie unbequem sind. Es geht nicht darum, beliebt zu sein – sondern darum, verantwortlich zu führen.

Entschlossenheit zeigt sich in Haltung. In der Konsequenz, zu seinen Werten zu stehen. In der Fähigkeit, auch dann noch Orientierung zu geben, wenn der Wind von vorn kommt. Menschen folgen Führungspersönlichkeiten, die den Mut haben, in Bewegung zu bleiben – nicht nur, wenn es leicht ist.

Klarheit und Struktur – der Rahmen für Vertrauen

Emotionen brauchen einen Rahmen. Vertrauen braucht Orientierung. Struktur ist kein Widerspruch zur Menschlichkeit – sie ist ihre Voraussetzung. Klare Kommunikation, transparente Erwartungen, faire Entscheidungen – das sind die Koordinaten, in denen sich Menschen sicher fühlen können. Eine gute Struktur gibt Halt, kein Korsett. Sie lässt Raum für Beteiligung, aber schützt auch vor Willkür. Und sie macht Führung nachvollziehbar – weil sie zeigt, wofür jemand steht und wohin man geht.

 

Coda:

All das kulminiert in einem einzigen Prinzip: Der Ton macht die Führung. Nicht nur was wir sagen oder tun entscheidet – sondern wie. Der Tonfall, die Haltung, das innere Klangbild unserer Führung prägt die Kultur, das Vertrauen und die Energie im Team. Ein klarer Ton kann Orientierung geben. Ein warmer Ton kann Nähe schaffen. Ein konsequenter Ton kann Sicherheit geben. Ein respektvoller Ton kann Räume öffnen. Führung braucht Technik, ja – aber vor allem: Haltung. Und sie braucht Menschen, die bereit sind, nicht nur laut, sondern hörbar zu sein. Wer emotional intelligent, mutig, entschlossen, klar und strukturiert führt, setzt einen Ton, der Menschen nicht nur mitnimmt – sondern bewegt. Nicht durch Zwang, sondern durch Verbindung. Nicht durch Macht, sondern durch Resonanz.

Denn am Ende erinnern sich Menschen nicht nur an das, was du gesagt hast – sondern daran, wie du sie hast fühlen lassen.

(Fußnoten sind im Buch)

 

 

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