Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Bestseller-Autorin Hera Lind, die eine miserable Beifahrerin ist

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Hera Lind, Bestseller-Autorin mit einer Gesamtauflage von über zwölf Millionen verkauften Büchern

 

Hera Lind (Foto: Privat)

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Ich sammle außergewöhnliche Lebensgeschichten, die ich zu Tatsachenromanen verarbeite, und biete für jene, die ihr Leben selber aufschreiben wollen, professionelle Schreibseminare in meiner Roman-und Schreibwerkstatt in Salzburg an.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Gegen neun Uhr mache ich entweder eine Stunde Pilates mit einer DVD aus dem Jahr 1999, die ich damals für eine Mark erstanden habe, oder ich gehe eine Stunde in herrlicher Salzburg-Kulisse laufen. Beides endet mit Kaffee und Wohlgefühl gegen zehn Uhr 30 nach einer heißen Dusche.

 

Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave im Job ?

Wenn mich jemand fragt, an welchem Stoff ich gerade schreibe, mag er sich auf eine begeisterte, tief emotionale Antwort von mindestens einer halben Stunde einstellen. Also besser nicht, wie vor kurzem geschehen, auf der Flughafentoilette in der Warteschlange ansprechen – ich rede noch durch die Tür weiter!

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Mein einziger Mitarbeiter ist mein Mann. „Bei unseren Wanderungen muss ich mir tausend Geschichten anhören, sie redet ja wie ein Wasserfall, nur beim Bergaufgehen habe ich meine Ruhe.“

 

Tee oder Kaffee?

Morgens Kaffee, ausführlich und gemütlich.

 

Ihr Spitzname ist…?

Mein eigentlicher Name ist Herlind, den fand ich immer peinlich und nicht gender-gerecht. (Wenn dann Frau Lind!!) Da ich mich oft nicht entscheiden kann, Hin – und Herlind. Wie auch immer, jetzt werde ich mit Frau Lind angesprochen und mein Mann mit Herr Lind. Jetzt passt`s.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Schlechte Beifahrerin! Ich sitze schon aus Respekt vor dem Fahrer immer hinten. Idealerweise mit Ipad und Kopfhörern hinter einer Kopfstütze.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Schlecht erzogene Zeitgenossen. Ganz schlimm:  Lautes, endloses Telefonieren im Zug oder Wartesaal. Letztens sagte einer im Silence-Abteil: „Du hier guckt mich eine Alte so böse an, ich rufe gleich zurück!“ Da sagte ich: „Nein das tun Sie nicht!“ Er verbrachte den Rest der Zugfahrt neben der Toilette.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Ich bin eine miserable Beifahrerin. Selbst hinten.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Ich sehe mich mit meinen Enkelkindern Hand in Hand durch mein geliebtes Salzburg streifen und an jedem Bächlein oder Brunnen innehalten, um den aufmerksam lauschenden Rackern etwas über Regenwürmer, Mozart oder tote Jedermänner zu erzählen. Leider wollen sie lieber irgendeinen Zeichentrick-Scheiß in meinem I Phone schauen. Dasselbe gilt für Kinderlieder-Singen am Klavier.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Es gibt wunderbar zugewandte, wertschätzende und empathische Menschen. Wenn sie dann auch noch Humor haben, zuhören können und selbst nicht langweilig sind, kann ich sie echt ins Herz schließen.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Meine Gymnastik-Matte samt der Eine-Mark-DVD, Laufschuhe und Max Raabe im Kopfhörer.

 

(Foto: Privat)

 

Was war Ihr peinlichster Moment?

Da fallen mir gleich zwei aktuelle ein: Eine Fußpflegerin schätzte mich vor kurzem auf 75 und fragte mich im Laufe meines beleidigten Schweigens, ob ich mit Hera Lind verwandt sei. Die Rechnung unterschrieb ich mit Hera Lind und setzte in Klammern (75) dahinter. Sie bedankte sich überschwänglich für das großartige Trinkgeld!

Auf dem Kreuzfahrtschiff sagte ein Mann auf dem Nachbarbalkon, das Tagesprogramm lesend: „Morgen Abend ist Hera Lind im Theater. Da gehen wir nicht hin.“ Als ich ihn später im Restaurant ansprach: „Geben Sie Hera Lind eine Chance“, fragte er mich ganz erstaunt: „Ja ist die denn schon an Bord?“

 

Auf welches Erlebnis hätten Sie lieber verzichtet?

Frühmorgens an der Tankstelle und am Kiosk zu stehen und sein eigenes Konterfei mitsamt einer hässlichen Schlagzeile auf der Bildzeitung zu sehen, dann gleich alle Exemplare kaufen und wegschmeißen, damit kein anderer aus dem Ort sie mehr zu sehen bekommt, das war schon krass.

 

Welche Eigenschaft haben Sie von Ihrer Mutter übernommen?

Lebensfreude, gepaart mit eiserner Disziplin.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Einmal die traumhafte Stimme und geniale Operndarstellung an Anna Netrebko zu ihren besten Zeiten, wahlweise heute das Talent und die Musikalität von Asmik Grigorian zu besitzen;  eine Premiere Verdi oder Strauß im Salzburger Festspielhaus singen, ohne vorher (oder währenddessen)  vor Lampenfieber zu sterben, davon habe ich lange geträumt.

 

 

 

 

 

 

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