Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Annette Julius, der Chefin der Studienstiftung des deutschen Volkes, die Teebeutel in der Spüle auf die Palme bringen

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet  Annette Julius, Generalsekretärin der Studienstiftung des deutschen Volkes mit ihren 180 Mitarbeitern, knapp 14.000 Studenten und etwa 1.400 Promovierenden in der Förderung.

 

Annette Julius (Foto: PR)

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Die Studienstiftung fördert Studierende und Promovierende, die sich durch besondere Leistungen und einen beherzten Einsatz für unsere Gesellschaft auszeichnen – finanziell und mit einem vielfältigen Bildungsprogramm.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Mein Wecker klingelt gegen sieben. Als erstes wird Luft und Licht in unser Schlafzimmer gelassen. Danach gönne ich mir den Luxus, mit einem Cappuccino noch zehn bis fünfzehn Minuten im Bett zu liegen, um zuerst den täglichen Wortiger zu zähmen (https://spiele.zeit.de/wortiger/) und dann noch etwas Zeitung zu lesen: „FAZ-Frühdenker“ und „Zeit Wissen“.

 

Was unterscheidet Sie  von anderen im Auftreten und im Behave im Job?

Wenn es irgendwie geht, reise ich auch dienstlich mit dem Fahrrad an und packe bei zwei- bis dreitägigen Dienstreisen einen kleineren Koffer und zwei Satteltaschen auf meinen Gepäckträger.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Ein großes Bedürfnis nach frischer Luft – gepaart mit relativ großer Unempfindlichkeit gegen Kälte – führt dazu, dass man mich manchmal darauf aufmerksam machen muss, dass sich im Herbst oder Winter nicht alle bei offenen Fenstern so wohlfühlen wie ich.

 

Tee oder Kaffee?

Beides.

 

Ihr Spitzname ist…?

In Kanada nannten mich meine Schulfreundinnen – ich nuschelte wohl etwas –  the germ. In einer Schüleraustauschgruppe flog mir der Name Pinocchio zu, in Russland während meines Studiums war ich für die meisten Anetka.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Seit meiner Grundschulzeit bewahre ich jeden Brief und jede Postkarte von meinen Freunden und meiner Familie auf. Vor knapp 20 Jahren habe ich alle diese Schriftstücke nach den Absendern neu sortiert und führe diese Sammlung immer noch fort.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Teebeutel in der Spüle, nicht in den Kühlschrank zurückgestellte Butterdosen, benutztes Geschirr, das nicht in die Spülmaschine geräumt wurde …

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Dass ich Dinge wegspüle oder -räume, die eigentlich noch gebraucht werden und aus einem bestimmten Grund da liegen, wo sie liegen. Im Job vermutlich das, was manche Beharrlichkeit und andere Nervensägerei nennen.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Nach meinen ersten rund fünf Berufsjahren habe ich neben meinem Job als Referentin beim Cusanuswerk und später beim DAAD mit Freunden eine Anthologie zeitgenössischer russischer Lyrik zusammengestellt und übersetzt. Das gemeinsame Lesen der Texte, der Austausch über vielschichtige Bedeutungen, die es zu übersetzen gilt, das Abschmecken von Klängen und Rhythmen – all dies war für mich eine beglückende Erfahrung, auch und nicht zuletzt  eine Erfahrung von Freundschaft und Verbundenheit. Es ist mein Traum, hieran später noch einmal anzuknüpfen. Ansonsten haben mein Mann und ich uns vorgenommen, die ersten Monate nach unserer Pensionierung – wir sind glücklicherweise gleich alt – von zu Hause aus loszugehen und zu schauen, wohin uns die Füße tragen.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Vertrauen und Loyalität. Die Fähigkeit zu streiten als Ausdruck von Vertrauen und Loyalität. Die Fähigkeit, in den meisten Fällen zu vergeben und wirklich zu vergessen. Die Fähigkeit, Leichtigkeit und Witz in eine scheinbar verfahrene Situation zu bringen.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Ich habe insbesondere bei meinen Russlandaufenthalten Anfang der 90er Jahre gemerkt, dass man auf vieles verzichten kann, ohne dass dies belastend sein muss. In meinem heutigen Alltag möchte ich nicht auf mein Fahrrad, mein iPad und meine Thermoskanne verzichten.

 

Auf welches Erlebnis hätten Sie lieber verzichtet?

Ich habe einmal in einem Vorstellungsgespräch für einen Job, den ich unbedingt wollte, die Frage eines Interviewers ironisiert. Das andere Gespräch, das ich an diesem Tag geführt hatte, war nach meinem Gefühl sehr gut gelaufen, die Frage tatsächlich etwas banal – und ich war einfach zu übermütig. Als mir die Person dann  mit dem nackten Hintern ins Gesicht sprang, wusste ich, dass ich einen Riesenfehler gemacht hatte, konnte die Situation aber nicht mehr retten. Diese Fehleinschätzung war mir im Nachhinein übrigens ziemlich peinlich – insbesondere vor der Person, die mich zur Bewerbung aufgefordert hatte und die  ich befürchtete, blamiert zu haben. Anderthalb Jahre später habe ich den Job dann doch noch bekommen – trotzdem hätte ich auf diese Ehrenrunde gern verzichtet.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Wenn mir außerdem die Fähigkeit geschenkt würde, auch komplizierte Partituren vom Blatt zu singen, würde ich gern einmal in die Haut eines Ensemblemitglieds in einem großen, professionellen Chor schlüpfen.

 

(Foto: Privat)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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