Buchauszug aus Martin Suters „Elefant“

Buchauszug aus „Elefant“ vom Bestseller-Autor Martin Suter – ein Wissenschaftsthriller: 

 

Martin Suter (Foto: Diogenes)

 

Eine Entzugserscheinung konnte es nicht sein, er hatte genug getrunken. Schoch versuchte, das Ding zu fokussieren, das tief hinten in der Unterspülung des Uferwegs stand, dort, wo die Höhlendecke auf den sandigen Boden traf. Ein Kinderspielzeug. Ein Elefäntchen, rosarot, wie ein Marzipanschweinchen, aber intensiver. Und es leuchtete wie ein rosarotes Glühwürmchen.

Es kam vor, dass jemand seine Höhle entdeckte. Manchmal fand er Fixerbesteck oder Kondome oder Junkfood-Verpackungen. Aber Spuren von Kinderbesuchen hatte er bisher noch nie entdeckt.

Er schloss die Augen und versuchte, so etwas wie Schlaf zu finden. Schoch hatte einen Drehrausch. So nannte er die Räusche, bei denen sich alles drehte, sobald er im Schlafsack lag. Er hatte in all den Jahren nicht herausgefunden, wann die Räusche zu Drehräuschen wurden. Manchmal war er sich sicher, dass es an der Menge lag, dann wieder neigte er dazu, die Ursache in der Mischung zu vermuten. Aber dann gab es Fälle wie diesen, wo er – soweit er sich erinnern konnte – weder mehr noch anders als am Vortag getrunken hatte und sich dennoch alles drehte.

 

 

Marin Suter: „Elefant“, Diogenes Verlag, 352 Seiten, 24 Euro: http://www.diogenes.ch/leser/titel/martin-suter/elefant-9783257069709.html

 

Vielleicht spielte das Wetter eine Rolle. Auf dem Heimweg hatte der Föhn die dicken Wolken über den Fluss gejagt, und manchmal waren sie aufgerissen und hatten für einen Augenblick einen weißen vollen Mond enthüllt. Vollmond und Föhn, vielleicht war das die Erklärung für die Drehräusche. Wenigstens für ein paar davon.

Auch was mehr half, Augen auf oder zu, hatte er nie herausgefunden. Er öffnete sie. Das Elefantenspielzeug war noch immer Aber es kam ihm vor, als stünde es etwas weiter rechts. Er schloss die Augen wieder. Einen Moment lang drehte sich das Elefäntlein unter seinen Augenlidern und hinterließ einen rosa Schweif. Sofort schlug er die Augen wieder auf. Dort stand es, schlug mit den Ohren und hob den Rüssel zu einem S. Schoch legte sich auf die andere Seite und versuchte, das Drehen zu stoppen. Dabei schlief er ein.

 

 

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