Nun treibt die Phalanx der „Männer gegen die Frauenquote“ eine schwere Sorge um – und für deren Beleg suchen sie hektisch ein Männer-Beispiel. Das Dumme nur: Es gibt – bis jetzt jedenfalls – anscheinend kein lebendiges Beispiel.
Doch der Reihe nach erzählt: Die neue Front der „Männer gegen die Quote“ jammert schon jetzt – prae-quotal sozusagen – dass die Männer diskriminiert würden. Doch worüber? Über jene 93 Prozent der Männer, die die Führungspositionen heute innehaben – und sich an die an Frauen, die durch deren Nominierung übergangen wurden, keinen Gedanken verschwendet haben.
Jammern da die Männer, die sich Hoffnungen auf einen der 183 Vorstandsposten der DAX30 zum Beispiel machen und für die es möglicherweise doch noch nicht so schnell mit dem Aufstieg in den Karrierehimmel klappt? Weil plötzlich den gleichqualifizierten Frauen per EU-Regelung für die Positionen ein paar Jahre lang ein klein wenig mehr Vorfahrt eingeräumt werden soll? Bewähren müssen sich die Frauen dann schon alleine. Aber da sie seit Jahrzehnten die besseren Abitur- und Uniabschlüsse hinlegen, ist nicht damit zu rechnen, dass sie ganz plötzlich kollektiv versagen.
„Die einzige Frauen in der Vorstandsetage der meisten Unternehmen hat ein Kopftuch an“
Erst kürzlich spottete auch Harald Schmidt schon , „die einzige Frau, die in der Vorstandsetage zu sehen ist, trägt ein Kopftuch“ – und kommt nur abends mit Mop und Eimer bewaffnet. Es soll halt erst mal eine gerechte Geschlechterverteilung der Jobs auch an den Spitzen der Unternehmen geschafft werden, danach kann man weiter sehen. Die Qutote soll ja auch nicht heute und nicht morgen erfüllt werden, aber in fünf Jahren dann schon.
In fünf Jahren ist ein Vorstand einmal umgeschlagen
Das ist eine sehr lange Zeit, gerade für AG´s: 60 Quartalsberichte liegen dazwischen und bei einer Verweildauer im Schnitt von fünf Jahren im Vorstand – so Unternehmensberater Booz & Company – auch eine ganze Vorstandsgeneration. Wie gesagt: es sind ja nicht alle Unternehmen betroffen, sondern umgekehrt, die wenigsten. Nämlich die AG´s und die ganz Großen. Wer als Mann denn nun in den nächsten fünf Jahren unbedingt schnell an die Spitze will, hat auch im Mittelstand – der bekanntlich über 90 Prozent der Wirtschaft ausmacht – beste Chancen. Die gehälter sind dort auch nicht mehr niedriger haben Vergütungsberatungen á la Kienbaum nachgewiesen.
Doch zurück zu den möglicherweise diskriminierten Männern: Die Suche nach ihnen gestaltet sich schwierig. Ganz abgesehen davon dass bei jeder Stellenbesetzung in diesen Höhen immer mehrere eine Absage bekommen – auch Männer wegen Männern, aber das war nie ein Problem komischerweise. Eine Absage wegen einer Frau dagegen scheint ehrenrührig zu sein.
Werden Personalvorstandsposten jetzt für Frauen en gros reserviert?
Noch vor der Frauenquoten-Diskussion erzählten Juristen im vergangenen Herbst, dass männliche Personalchefs künftig nicht mehr in ihre Vorstände aufrücken könnten. Eventuell freiwerdende Vorstandsposten reserviere man nun für Frauen. Warum ausgerechnet das Personalressort? Weil sie „da nicht so viel anrichten können“ berichtete etwa ein Top-Anwalt hinter vorgehaltener Hand über die Motive der Entscheider. Er berichtete denn auch von einem Mann, den er kenne – doch seine Nachfrage bei dem Personaler ergaben, dass dieser angeblich Übergangene nun doch nichts mehr mit dem Thema zu tun haben wollte. Ob der vielleicht nur einen Grund für zuhause und seine Umgebung als Rechtfertigung gesucht hat, warum er´s nicht wurde?
Geben die Unternehmen es nicht zu, wenn sie Männer abservieren – für Frauen?
Auch anderen Suchen nach diskriminierten Männern endeten im Nirwana. Zum Beispiel gerade bei Klöckner & Co SE. Die Pressemitteilung über die Neuwahl der Aufsichtsrätin Hauke Stars – Geschäftsführerin bei Hewlet Packard in der Schweiz enthielt ganz am Ende folgenden Nachsatz: „Mit dem Vorschlag zur Neuwahl entspricht der Aufsichtsrat seinen 2010 geänderten Nominierungskriterien, die neben der fachlichen Qualifikation auch Elemente der Vielfalt (Diversity) berücksichtigen.“ Nachforschungen , ob der ausscheidende Aufsichtsrat Frank H. Lakerveld, Chef von Sonepar Deutschland nur unfreilwillig gewichen sein könnte, gingen ebenso ins Leere wie andere Suchen nach männlichen Quoten-Opfern. Der Anruf der „Wirtschaftswoche“ bei Sonepar gestern ergab: Niemand sei im ganzen Unternehmen zu sprechen und der Chef auch vor Montag ohnehin nicht da. Man dürfe mailen, an die Info-Sammeladresse – die Antwort blieb aus.
Die entsprechende Nachfrage bei ‚der Pressestelle von Klöckner förderte ebensowenig ein Männer-Opfer einer Quote zutage: „Herr Lakerveld hat darum gebeten, ihn aus persönlichen Gründen nicht mehr zu nominieren.“ Im Klartext: Er wollte weg, warum auch immer. Oder war es doch nur eine Standardfloskel aus dem Repertoire, die etwas verbergen soll?
Die Gegenprobe: Es gibt qualifizierte Frauen mit Interesse an Aufsichtsratjobs – aber keiner fragt sie
Die Gegenprobe bestätigt jedenfalls, dass es mit dem massenhaften Einstellen von Frauen und der händeringenden Suche nach ihnen – die wird von den Headhuntern landauf landab beklagt – nicht so weit her sein kann. Die – gut ausgebildete – Kollegin Eva Müller vom ManagerMagazin hat sich im Internet öffentlich angeboten als Aufsichtsrat-Kandidatin „Ruf mich an“ – ohne Widerhall. An ihrem beruf als Wirtschaftsjournalistin kanns nicht liegen. Denn die Ex-Journalistin Doris Schröder-Köpf durfte ja durchaus kürzlich in der Karstadt-Aufsichtsrat einziehen – auch ohne Wirtschaftsqualifikation. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,745075,00.html
PS: Die EU will die Zahl der Aufsichtsratsmandate für eine Person limitieren. Das dürfte das Angebot an Aufsichtsratsposten vergrößern – für Männer wie Frauen.
